St. Joseph-Stift weihte größte Akutgeriatrie in Dresden ein

am 11. April im Beisein von Bischof Heinrich Timmerevers und Staatsministerin Barbara Klepsch (SMS)

Einweihung der Akutgeriatrie im St. Joseph-Stift
(Foto: St. Joseph-Stift)

Dresden, 12.04.2018. Jeder sechste Dresdner wird im Jahr 2025 über 70 Jahre alt sein. Besonders gravierend steigt dabei der Anteil hochbetagter Menschen älter als 80 Jahre mit plus 34 Prozent. Auf diesen in absehbarer Zukunft zunehmenden geriatrischen Versorgungsbedarf reagiert das Krankenhaus St. Joseph-Stift mit dem Ausbau des seit 2012 etablierten Schwerpunktes Altersmedizin: Nach knapp dreijähriger Bauzeit wurde gestern, am 11. April, das neu errichtete Haus West im Beisein von Staatsministerin Barbara Klepsch, Sächsisches Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS), und rund 100 geladenen Gästen eingeweiht. Bischof Heinrich Timmerevers segnete das Gebäude und stellte die zukünftigen Nutzer und ihr Tun unter den Segen Gottes. Der 17,4 Millionen teure Neubau – und damit die größte Einzelbaumaßnahme im St. Joseph-Stift seit der Wende – wurde durch das Sächsische Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz mit 5,2 Millionen Euro gefördert, weil für den jetzigen Containerbau ein Ersatzneubau geschaffen werden musste. Im modernen, dreigeschossigen Bau an der Georg-Nerlich-Straße wird mit 54 Betten die größte Akutgeriatrie in Dresden für die spezialisierte medizinische Versorgung von hochbetagten, mehrfach erkrankten Patienten in Betrieb gehen. 1.200 Patienten werden pro Jahr auf beiden akutgeriatrischen Stationen betreut werden können. Zunächst startet am 23. April die erste der beiden Stationen in der ersten Etage, die zweite folgt im September im zweiten Obergeschoss. Entstanden sind moderne und hochfunktionelle Stations- und Therapiebereiche, die sich wesentlich von Normalstationen unterscheiden, weil sie sich an den Erfordernissen des Alters orientieren. Dazu gehören beispielsweise doppelt so große Patientenbäder und um 20 Prozent größere Patientenzimmer. Aber auch Therapiebereiche wie eine Trainingsküche oder ein Trainingsbad zählen dazu, die man sonst im Krankenhaus nicht findet.

„Der politisch verordnete anhaltende Zwang zu Kostensenkung und Rationalisierung hat in den vergangenen zehn Jahren zu einer beispiellosen Beschleunigung der Behandlungsprozesse in den Krankenhäusern geführt“, erklärte Peter Pfeiffer, Geschäftsführer des St. Joseph-Stifts. „Insbesondere vulnerable Patientengruppen, die den Effizienzanforderungen eines vorwiegend ökonomisch gesteuerten Systems nicht nachkommen können, werden unter diesen Umständen nicht optimal versorgt. Gerade die Versorgung alter und dementer Patienten stellt im Zuge der demographischen Entwicklung eine immer größere Herausforderung dar. Der damit verbundenen Verantwortung stellen sich die christlichen Krankenhäuser in Deutschland seit vielen Jahren; passen ihre Strukturen und Prozesse darauf an, damit für Zuwendung und Kommunikation mit den Kranken weiterhin genügend Raum bleibt“, führte Pfeiffer weiter aus. „Mit der Inbetriebnahme des Haus West spezialisiert sich das St. Joseph-Stift zukunftsweisend als ein führendes Zentrum für Altersmedizin in der Region und leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, die Daseinsvorsorge für unsere ältesten Dresdner dauerhaft zu gewährleisten.“

Medizin für das Alter braucht besondere Behandlungsstrategien

Die Behandlung von Menschen im höheren Lebensalter, in der Regel 70 Jahre und älter, auf Stationen ohne geriatrischen Fokus stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Ein altersbedingt oft längerer Krankenhausaufenthalt führt nicht selten zu einer Abnahme der Selbsthilfefähigkeit, weil beispielsweise Muskelkraft und damit Beweglichkeit bei alten Menschen viel rascher nachlassen, als bei Patienten im jüngeren Alter. Das Behandlungskonzept der Akutgeriatrie ist deshalb speziell auf die Bedürfnisse alter Menschen abgestimmt. „Will man geriatrischen Patienten nachhaltig und sinnvoll helfen, reicht es nicht aus, allein die akute Erkrankung, die zur Krankenhauseinweisung geführt hat, zu behandeln“, erklärt Dr. med. Barbara Schubert, Chefärztin der Fachabteilung für Onkologie, Geriatrie und Palliativmedizin. „Vielmehr gilt es vorliegende Mehrfacherkrankungen und die vielfältigen Funktionseinschränkungen in den Bereichen Mobilität, Hören oder Sehen und Gedächtnis zu berücksichtigen. Ziel des akutgeriatrischen Behandlungskonzeptes ist es deshalb, neben der Akuttherapie so früh wie möglich für den Erhalt oder die Wiedererlangung der Selbstversorgungskompetenzen zu sorgen und damit eine Rückkehr in die eigene Häuslichkeit zu ermöglichen.“ Drei Viertel der akutgeriatrischen Patienten im St- Joseph-Stift konnten 2017 wieder nach Hause entlassen werden. 62 Prozent waren bei Aufnahme bettlägerig und konnten bei Entlassung aus dem Krankenhaus wieder gehen. Ein multiprofessionelles Team aus Altersmedizinern, Pflegenden, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeitern, Psychologen und Seelsorgern kümmert sich auf der Station intensiv um die Patienten. Dazu gehört auch der regelmäßige Informationsaustausch. Behandlungsauftrag, Ziel und Fortschritte jedes einzelnen Patienten werden einmal wöchentlich gemeinsam in Teambesprechungen beraten und festgelegt.

Höhere Personal- und Betreuungsschlüssel in Therapie und Pflege

Aufgrund der komplexen medizinischen Situation und des höheren Hilfebedarfs von geriatrischen Patienten gibt es auf der akutgeriatrischen Station rund ein Viertel mehr Pflegepersonal als auf einer internistischen Station. Im Vordergrund steht die aktivierend-therapeutische Pflege, die den Patienten genügend Zeit gibt und sie dabei unterstützt, möglichst viele Dinge des täglichen Lebens wie Aufstehen, Anziehen, Waschen und Essen so selbstständig wie möglich zu tun.

Ergänzend dazu finden regelmäßig, im Durchschnitt zweimal täglich für je 30 Minuten Einzeltherapien statt. Dafür werden auf der akutgeriatrischen Station zehnmal mehr Therapeuten eingesetzt als auf einer internistischen Station. In den Therapieeinheiten werden Aktivitäten des täglichen Lebens (ADL) wie Essen, An- und Ausziehen, sich bewegen, Toilettengang, Waschen und Nahrung zubereiten trainiert. In der neu konzipierten Station wurden dafür eine 34 m² große Trainingsküche und ein spezielles Trainingsbad geschaffen. Bereiche, die auf einer Normalstation in dieser Form gar nicht zur Verfügung stehen. Überdies ergänzt ein in die Stationen integrierter 60m² großer Therapiebereich das Spektrum um vielfältige altersgerechte Trainingsangebote. Dazu zählen eine Therapietreppe und ein Therapiebarren mit verschiedenen Untergründen zum Lauf- und Gehtraining, eine Sprossenwand und Motomed-Geräte für Kräftigungsübungen und ein Therapiespiegel bei Haltungsstörungen zum Beispiel bei schlaganfallbedingter Halbseitenlähmung.

Alters- und demenzsensible Architektur und Ausstattung

Sehen, Hören, Gedächtnis, Tastsinn, Mobilität. Geriatrische Patienten haben einen besonderen Unterstützungsbedarf. Deshalb orientiert sich die alters- und demenzsensible Architektur der neuen Stationen an den Erfordernissen Hochbetagter. Besonders bei der Ausstattung der Patientenzimmer und Bäder wurde versucht, diese Defizite entsprechend zu kompensieren und so viel Hilfestellung wie möglich zu geben. Dazu gehören zum Beispiel

  • doppelt so große Bäder und um 20% größere Patientenzimmer, die alle behindertengerecht sind.
  • starke Farbkontraste an Grenzflächen (Bett zu Fußboden, Stuhl zu Fußboden), um unnötige Stürze zu vermeiden.
  • ein großes Memoboard in jedem Patientenzimmer, das dazu dient, für die Behandlung wichtige Informationen, aber auch persönliche Fotos und Erinnerungen der Patienten für die Zeit ihres Aufenthaltes zur besseren Orientierung, darzustellen.
  • Beleuchtung für die Nacht in Bodennähe
  • niedrige Fensterhöhe und Fenstersitzbank für vermehr sitzende Patienten
  • Orientierungshilfe durch farbliche Markierung der Patientenschränke und im Bad
  • Therapiespiegel in jedem Zimmer
  • unterfahrbare Waschbecken
  • niedrige Spiegelhöhe im Bad

In der Altersmedizin spielt auch die Therapie von Infektionskrankheiten eine große Rolle. Für isolationsbedürftige Patienten wurden insgesamt sechs Einzelzimmer mit vorgelagertem Schleusenbereich geschaffen.

Ausbau des Zentrums für Altersmedizin schafft 60 neue Arbeitsplätze

Mit dem Ausbau des Zentrums für Altersmedizin am St. Joseph-Stift werden bis Ende des Jahres rund 60 neue Arbeitsplätze geschaffen, mehr als 80 Prozent davon im medizinischen Bereich. Zusätzlich zur stationären Versorgung, die seit 2012 etabliert und 2014 vom Bundesverband für Geriatrie mit dem Qualitätssiegel Geriatrie ausgezeichnet wurde, und zum ambulanten Angebot der Geriatrischen Institutsambulanz (seit Januar 2017), soll zusätzlich ab 2019 eine teilstationäre Geriatrische Tagesklinik etabliert werden. Für einen aufsuchenden Dienst, der es Patienten ermöglicht, auch in komplexeren Versorgungssituationen möglichst lang zuhause bleiben zu können, wird das St. Joseph-Stift im kommenden Jahr geeignete Partner suchen.

Neue Zentralambulanz im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss des neuen Haus West wird weiterhin ab Mai eine klinikübergreifende Zentralambulanz eröffnet, die erstmals alle ambulanten Sprechstunden des Krankenhauses zentral an einem Ort bündelt. Zukünftig werden pro Jahr in der neuen Zentralambulanz rund 17.000 Vorstellungen stattfinden. Auf 720 m² wurden 18 Sprechzimmer sowie ein moderner endoskopischer Aufwachbereich geschaffen. Bisher waren die Ambulanzen an vier unterschiedlichen Orten im Haus verteilt.

Julia Mirtschink




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