"Den Menschen Hoffnung geben"

Dom Luiz Soares Vieira, Erzbischof von Manaus, besuchte Bistum Dresden-Meißen


Dom Luiz Soares Vieira
"Wir können nicht die Probleme der Stadt lösen, aber wir können den Menschen Hoffnung geben", so umreißt Dom Luiz Soares Vieira, Erzbischof von Manaus, die Aufgabe der Kirche in der 2-Millionen-Metropole.

Dresden, 11.12.2008 (KPI): "Wir können nicht die Probleme der Stadt lösen, aber wir können den Menschen Hoffnung geben", so umreißt Dom Luiz Soares Vieira, Erzbischof von Manaus und stellvertretender Vorsitzender der brasilianischen Bischofskonferenz, die Aufgabe der Kirche in der 2-Millionen-Metropole. Die Probleme hier sind enorm, denn die Einwohnerzahl von Manaus stieg von 1965 bis 2008 auf das achtfache: von 250.000 auf 2 Millionen. Durch dieses enorme Bevölkerungswachstum geriet auch die Kirche in Schwierigkeiten, weil ihre personellen und finanziellen Möglichkeiten sehr begrenzt waren und sind. In der Auseinandersetzung mit der Frage, welche Identität von Kirche sie schaffen wollten, setzten die Katholiken vier Schwerpunkte:

1. Kirche versteht sich als "Laienkirche", d.h. die Laien sind eingeladen, mit den Priestern mitzuarbeiten. Nur in weniger als 200 der 750 Pfarreien kann an jedem Sonntag eine Eucharistiefeier stattfinden. Aber die Gemeinden sind dennoch lebendig, denn Laien halten dort Wortgottesdienste, wo keine Eucharistiefeiern möglich sind.

2. Aus der Leitidee, missionarische Kirche sein zu wollen, entstand das Modell der Pfarreien-Partnerschaft: Innenstadtpfarreien pflegen eine lebendige Partnerschaft mit Gemeinden am Stadtrand. Dabei sind die Entfernungen beachtlich – weil es in Manaus kaum Hochhäuser gibt, hat die Stadt eine große Ausdehnung. So kann die Fahrt von der Innenstadt zu den Randgebieten leicht mehr als eine Stunde lang dauern, mit öffentlichen Verkehrsmitteln sogar noch länger.

3. Das Erzbistum Manaus betreibt ein eigenes Radio und einen in ganz Brasilien empfangbaren Fernsehkanal.

4. Kirche will "Zeichen der Barmherzigkeit Gottes sein" und leistet soziale Hilfe.

Die Bischöfliche Aktion Adveniat, auf deren Einladung hin Erzbischof Luiz durch Deutschland reist, unterstützte 2006/2007 in Brasilien 1312 Projekte mit insgesamt 13 Millionen Euro, das entspricht knapp 40 % des Projekthaushalts. Im vergangenen Jahr spendeten die Katholiken im Bistum Dresden-Meißen bei der Weihnachtskollekte 284.000 Euro für die Bischöfliche Aktion Adveniat. "Ich bin vor allem gekommen, um Danke zu sagen", betont Dom Luiz, der in dieser Woche die Pfarreien Bautzen, Chemnitz, Leipzig, Ralbitz und Plauen/Vogtland besuchte.

Im Erzbistum Manaus unterstützt Adveniat unter anderem

- Jugendarbeit: besonders für Jugendliche, die auf der Straße leben oder gefährdet sind, gibt es Häuser, in denen sie ganzheitlich betreut werden, mit Kultur- und Freizeitangeboten, Computerkursen, aber auch Hilfen zum Beten.

- Pastoral mit Migranten, besonders mit den 12.000 Peruanern: Die Immigranten erhalten Hilfen verschiedener Art, etwa beim Behördengang und beim Beschaffen von Papieren, aber auch Sprachkurse.

- das Bildungsinstitut "SARES" (Stelle für soziale Begleitung, Forschung und Erziehung): Hier werden Führungskräfte aus Kirche, Verwaltung und Politik sowie aus Gewerkschaften und Selbsthilfegruppen geschult sowie Volksbewegungen und kirchliche Mitarbeiter geschult. Es geht darum, die Verantwortung von Politik und Gesellschaft für eine sozial und ökologisch vertretbare Entwicklung im Amazonasgebiet zu schärfen.

- Adveniat unterstützt zudem die 13 Schwesterngemeinschaften, die auf Einladung des Erzbischofs am äußersten Stadtrand leben und durch die Kirche dort präsent ist.


Touristen, die mit Kreuzfahrtschiffen in Manaus ankommen oder sich dort einschiffen, sehen ein positives Bild der Stadt: Sie erleben die Oper und andere kulturelle Höhepunkte, besuchen Museen und sind in 5-Sterne-Hotels untergebracht. Aber sie erleben nicht, dass 2/3 der Bevölkerung an oder oberhalb der kleinen Flussläufe unter sehr schwierigen Wohnbedingungen lebt: ohne Strom und Kanalisation, arbeitslos oder nur mit Chancen als ambulante Händler oder Schuhputzer. "Ich begegne oft Familien, die zwei Tage lang nichts gegessen haben", erläutert Dom Luiz die prekäre Situation vor Ort.

Elisabeth Meuser

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