Schöpfung am Ziel

Bischof Joachim Reinelt zum Weihnachtsfest 2008


Die Dresdner Neuesten Nachrichten veröffentlichten am 20. Dezember Weihnachtsgedanken von Bischof Joachim Reinelt, die Sie hier nachlesen können: Die Menschwerdung des Gottessohnes bringt die Schöpfung zur Vollendung.

Die Dresdner Neuesten Nachrichten veröffentlichten am 20. Dezember die folgenden Weihnachtsgedanken von Bischof Joachim Reinelt:

"Wenn ein Künstler nach langer Arbeit sein Gemälde vollendet, gewissermaßen den letzten Pinselstrich zelebriert, erst dann ist er am Ziel seines Schaffens.

Auch das wundervolle Werk der Schöpfung musste zur Vollendung gebracht werden.

Erst mit dem letzten, entscheidenden Handeln Gottes war das Ganze "mirabilius", wunderbar vollendet: mit der Menschwerdung des Gottessohnes. Gott bringt das Begonnene zum Abschluss. Heute, an Weihnachten, ist die Schöpfung fertig.

Die Bibel spricht davon, dass das Kind in der Krippe die "Sehnsucht der Völker" war.

Im Hebräerbrief heißt es, dass der Neugeborene "Abbild seines Wesens", also der Wirklichkeit Gottes ist. Mit Jesus hat Gott sich selbst an diese Welt verschenkt. Größeres konnte nicht geschehen. Deshalb freuen sich die Hirten, knien die Könige nieder und jubeln die Engel.

Jeder von uns hat die Chance, das Gemälde seines Lebens auch zur Vollendung kommen zu lassen. Aber wir machen nicht selbst den letzten Pinselstrich. Der Meister der Schöpfung ist auch der Meister unseres Lebens. Wer meint, sich selbst zur Vollendung zu bringen, wird nur ein Fragment produzieren. Kommt die Unzufriedenheit vieler in unseren Tagen daher? Spüren wir, dass uns so vieles nicht gelingt? Halbheiten belasten. Der Mensch hat eine unbändige Sehnsucht nach Erfüllung seines Lebens. Er möchte nicht auf der Strecke bleiben. Er möchte ans Ziel kommen. Nach unserer Überzeugung geht das nur Hand in Hand mit dem, dessen Geburtsfest wir zu Weihnachten feiern. Er nimmt uns bei der Hand, wenn wir es zulassen, und führt die entscheidenden Pinselstriche als der Künstler und Meister unseres Lebens. So wird das Gemälde mirabilius, wunderbarer, als wir es jemals selbst gemalt hätten.

Vertrauen wir ihm. Anvertrauen wir uns ihm. Überlassen wir uns ihm. Er will uns nicht vereinnahmen, sondern lieben. Er will unserem Leben die Schönheit verleihen, nach der wir uns alle sehnen. Das Kind in der Krippe zeigt uns einen Gott, der nicht eine Übermacht ins Spiel bringen will, sondern sich ausliefert in die Hände der Menschen. Ein Gott als hilfloses Kind. Ein Gott, der nicht den Palast wählt, sondern den Stall.

Einer, der nicht die große Show, sondern ein paar einfache Hirten als erste an sich heran lässt. Einer, der vor den Mächtigen nach Ägypten fliehen muss, der bereit ist, in der Wüste zu hungern und zu dürsten, alles Leid mit den Menschen zu teilen bis in den Tod, ja bis in den Tod am Kreuz. Gott - einer ganz und gar von uns. Zu einem solchen Gott kann man Vertrauen haben.

Die großen Künstler der Weihnachtsgemälde haben dieses Vertrauen mit den Farben der Wärme und des Lichtes ausgedrückt. Auch die Weihnachtslieder singen vom Glanz und von großen Freuden, vom Staunen der Natur, vom Frieden, der die Welt erfüllt.

Ich wünsche Ihnen diese Erfahrungen zu Weihnachten: Wärme, Licht, Staunen, Frieden und eine ganz, ganz große Freude in Ihm.

Joachim Reinelt,
Bischof von Dresden-Meißen"


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