"Eigentlich kann nur Gott so viele Menschen zusammenführen"

Von einem Ausflug in die Blue Mountains und bewegenden Begegnungen in der Bahn


Die WJT-Pilger aus Dresden-Meißen und Görlitz in den Blue Mountains (Foto: D. Zuk)
Nach dem Abschlussgottesdienst mit Papst Benedikt XVI. ist der offizielle Teil des Weltjugendtags (WJT) nun beendet. Bistumsjugendreferent Holger Rehländer berichtet von drei Begegnungen in der Bahn in Sydney, die die Atmosphäre des WJT widerspiegeln.

Sydney, 21.07.2008 (KPI): Nach dem Abschlussgottesdienst mit Papst Benedikt XVI. ist der offizielle Teil des Weltjugendtags (WJT) nun beendet. Bevor morgen die erste Gruppe der Pilger aus dem Bistum Dresden-Meißen die Rückreise antritt, haben wir heute mit Bussen noch einen Ausflug in die Blue Mountains gemacht. Gestern habe ich diese Landschaft mit der Sächsischen Schweiz verglichen - aber in Wirklichkeit sind die Blue Mountains noch viel, viel größer, das Areal ist weitläufiger, einfach faszinierend! Sandsteinformationen und Eukalyptuswälder, pure Natur, soweit das Auge reicht!

Und wir hatten großes Glück mit dem Wetter: Nachdem es in der Nacht zum Sonntag, die wie ja im Freien zugebracht hatten, und auch am gestrigen Vormittag trocken gewesen war, setzte am späten Nachmittag heftiger Regen ein, der bis heute früh andauerte, aber rechtzeitig vor unserem Ausflug aufhörte. Einfach perfekt!

Heute Abend feiern wir als Dresden-Meißener Pilgergruppe dann unseren Abschlussgottesdienst in der Kirche der deutschsprachigen Gemeinde. Denn morgen brechen einige von uns auf nach Hause. Anstelle eines Resümees möchte ich von drei verschiedenen Begegnungen in der Bahn in Sydney berichten, die die Atmosphäre des WJT widerspiegeln:

- Am Donnerstag Abend trafen wir in der Bahn auf australische Jugendliche. Im Gespräch vermittelten sie uns einen kurzen australischen Sprachkurs - "damit ihr wisst, wie man bei uns spricht!"

- Auf dem Weg zu unserem Startpunkt für den Pilgerweg nach Randwick, fuhren wir am Samstag früh in der Bahn zusammen mit einer Gruppe Brasilianer. Sie hatten eine Gitarre dabei und sangen brasilianische Lieder - und dann gaben sie uns die Gitarre mit den Worten: "Jetzt seid ihr dran!" Wir überlegten kurz, dann spielten und sangen wir "Laudato si" - und die Brasilianer stimmten in Portugiesisch mit ein. Und so sangen wir gemeinsam dieses Loblied. Ein Erlebnis, das uns die Gemeinschaft unter Glaubenden spüren ließ!



"Laudato Si" in der Bahn - auf Italienisch/Deutsch und Italienisch/Portugiesisch (Foto: Thomas Jentsch)



- Am meisten bewegt mich immer noch die Begegnung am Freitag Abend, als wir mit der Bahn "nach Hause" fuhren. Wir kamen mit einer Australierin ins Gespräch. Sie erzählte, ihr Onkel sei katholischer Pfarrer, sie selbst gehöre zur anglikanischen Kirche, sei aber lange nicht mehr dort gewesen. Nach einer Weile Smalltalk über den WJT fing sie an zu weinen und sagte, sie sei traurig, dass sie sich dieses Ereignis nur von außen anschauen könne. Die Begegnung mit all den jungen Pilgern habe in ihr viel wachgerüttelt: "Vielleicht muss ich wieder mal in eine Kirche gehen", sagte sie nachdenklich. Und ihr Fazit: "Eigentlich kann nur Gott so viele Menschen wie beim WJT zusammenführen!"

Mir hat diese Begegnung bewusst gemacht, dass wir durch unsere Anwesenheit beim WJT auch eine Aufgabe für die Australier hatten: die Frage nach dem Glauben, die Frage nach Gott wieder wachzurütteln. So wandelte sich die Frage, die mir auch im Vorfeld des WJT immer wieder gestellt worden ist: "Was meinst du, was werdet ihr vom WJT mit nach Hause nehmen?" - diese Frage wandelte sich durch die Erfahrungen und die Begegnungen in diesen Tagen in die Gewissheit, dass wir allein durch unsere Anwesenheit ein Geschenk für die Menschen in Australien waren. Sie bedankten sich immer wieder, dass wir gekommen sind. Und das sagten sie auch in Situationen, wo wir ihnen danken wollten. Dieser WJT war ein großartiges Ereignis für die Australier - und auch für uns.

Holger Rehländer, Bistumsjugendreferent,
zur Zeit in Sydney


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