"Wie damals in Jerusalem!"

Eindrücke vom Weltjugendtag - von Holger Rehländer


Abnahme Jesu vom Kreuz - beim Kreuzweg in Sydney
Holger Rehländer berichtet von einem außergewöhnlichen Kreuzweg, von Gratis-Umarmungen und dem Eindruck: Beim Weltjugendtag wird nicht der Papst gefeiert, sondern Gott - und der Papst reiht sich in die Menge der Pilger ein.

Sydney, 18.07.2008 (KPI): Heute Nachmittag fand in Sydney der "Kreuzweg" auf eine außergewöhnliche Weise statt: Nicht die Betenden zogen von Station zu Station, sondern die Darsteller. Die Weltjugendtagspilger blieben an den ihnen zugeteilten Orten und erlebten jeweils eine Station live mit, die anderen per Videoübertragung. Allerdings war es während der gesamten Zeit sehr unruhig - viele unterhielten sich oder telefonierten während dieser Zeit, was mich, ehrlich gesagt, sehr störte. Erst recht, als die Kreuzigungsszene dargestellt wurde, live an dem Ort, an dem wir gerade standen. Es machte mich nachdenklich, als mir Steffen Oßmann (Riesa) daraufhin sagte: "Es wird in Jerusalem damals auch nicht anders gewesen sein, als Jesus gekreuzigt wurde." Vermutlich hat er Recht. (Es war übrigens ein einmaliges Bild: im Hintergrund die Harbour-Bridge, dazu ein schöner Sonnenuntergang...)

Der Papst verfolgte den Kreuzweg von der Kathedrale aus, wo er zum Anfang ein Gebet gesprochen hatte. Bemerkenswert ist vielleicht noch, dass deutlich zu spüren ist: Hier beim Weltjugendtag (WJT) wird nicht der Papst gefeiert, sondern Gott - und Benedikt XVI. reiht sich in die Schar der jungen Pilger ein.

In zunehmender Zahl trifft man in Sydney junge Leute mit dem Schild "Free Hugs", was soviel heißt wie "Gratis-Umarmungen". Sie gehen davon aus, dass es auch oder gerade in solchen Menschenmengen wichtig ist, hin und wieder einen Menschen zu umarmen, und setzen damit ein Zeichen der Zusammengehörigkeit und Freundlichkeit. Aber ihre Anwesenheit und zunehmende Zahl zeigt auch die Dynamik des WJT und die positive Atmosphäre.

Dazu passt auch das allgemeine Echo in Australien. Selbst diejenigen Medien, die ansonsten kaum ein gutes Haar an der Kirche lassen, berichten überraschend positiv über WJT, Papst und katholische Kirche. Mühsam hervorgekramte Negativschlagzeilen haben kaum eine Chance, dagegen anzukommen.

Nun ist es wichtig, dass sich alle heute Nacht genügend Schlaf gönnen, denn morgen steht ein anstrengender Pilgertag auf dem Programm: Unsere Gruppe trifft sich um 10 Uhr am Bahnhof "North Sydney". Von dort aus werden wir 4-5 Stunden lang zu Fuß zur Pferderennbahn von Randwick gehen. Unterwegs gibt es unter der Bezeichnung "Powerpoints", Kraftpunkte, verschiedene Stationen, an denen es inhaltlich um die 7 Gaben des Heiligen Geistes gehen wird. Dieser Pilgerweg führt uns direkt zum Höhepunkt des WJT: zusammen mit Papst Benedikt XVI. die abendliche Vigil (Samstag, 19 Uhr, Ortszeit) und am Sonntag um 10 Uhr (Ortszeit) den Abschlussgottesdienst zu feiern.

Wir freuen uns, wenn uns die Daheimgebliebenen in ihr Gebet einschließen und wir so mit ihnen verbunden sind. Für diejenigen, die den Abschlussgottesdienst mit Papst Benedikt XVI. aus der Ferne mitfeiern möchten: das ZDF (1.50-4.25 Uhr) und das Bayrische Fernsehen (BR, 2-4.40 Uhr) übertragen live; die Aufzeichnung senden das ZDF von 9.30-11 Uhr und BR von 10-12.40 Uhr - und im heimischen Wohnzimmer ist es sicherlich wärmer als bei uns.

Nach dem Gottesdienst wird dann auch der Ort für den nächsten WJT bekannt gegeben. Ich bin gespannt, welche Stadt genannt wird, aber ich wünsche mir, dass der nächste Weltjugendtag in einem Land stattfindet, in dem im Juli wirklich Sommer ist!

Holger Rehländer, Bistumsjugendreferent,
zur Zeit in Sydney


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