Aufführung nach über 200 Jahren 

Dresdner Kapellknaben singen am 25. Dezember Messe Nr. 27 von Franz Seydelmann 

Dresdner Kapellknaben

Dresden, 23.12.2009: Am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember 2009, erklingt im Pontifikalamt um 10.30 Uhr in der Dresdner Kathedrale die Messe Nr. 27 von Franz Seydelmann (1748 - 1806). Franz Seydelmann war Schüler von Johann Gottlieb Naumann und wirkte von 1772 bis 1790 als Kirchencompositeur und Kapellmeister in der katholischen Hofkirche Dresden, der heutigen Kathedrale.
Mitwirkende am 25. Dezember sind: Gertrud Günther, Sopran, Britta Schwarz, Alt, Gerald Hupach, Tenor, Matthias Henneberg, Bass, die Dresdner Kapellknaben, der Kathedralchor Dresden, Mitglieder der Sächsischen Staatskapelle Dresden und Domorganist Thomas Lennartz.
Die musikalische Leitung hat Kirchenmusikdirektor Matthias Liebich.
Das Aufführungsmaterial für die Messe wurde mit Unterstützung der Stiftung Musica Sacra Saxoniae aus der vom Komponisten eigenhändig geschriebenen Partitur neu erstellt. So kann die Messe von Franz Seydelmann seit vermutlich über 200 Jahren erstmalig zur Aufführung kommen.

Als Sohn eines Sängers der Kurfürstlichen Sächsischen Hofkapelle 1748 geboren, blieb Franz Seydelmann Zeit seines Lebens dem Dresdner Hof verbunden. Seine beruflichen Anfänge fallen in die Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg. Der politische Neuanfang in Sachsen 1763 brachte - etwa mit der Entlassung des langjährigen Hofkapellmeisters Johann Adolph Hasse und der Auflösung der Italienischen Oper in Dresden - auch kulturell große Umbrüche am Hof mit sich. Für den knapp 17-jährigen Seydelmann war es ein Glücksumstand, dass er kurz nach Beginn seiner musikalischen Ausbildung bei dem jungen Kammercompositeur Johann Gottlieb Naumann mit diesem und seinem gleichaltrigen Mitschüler Joseph Schuster zusammen nach Italien reisen durfte. Der dreijährige Studienaufenthalt führte ihn nach Venedig, Rom, Neapel, Florenz, Padua und Palermo.

In den folgenden Jahren komponierte er regelmäßig Werke für den Dresdner Hof, musste jedoch auf eine Festanstellung warten. Auch nach der Ernennung zum Kirchencompositeur 1772 blieb seine finanzielle Situation schwierig, wie zahlreiche Gesuche um Gehaltszulagen belegen, die er häufig zusammen mit seinem Kollegen Schuster verfasste. So sah er sich auch mehrfach gezwungen, die Partituren seiner Kompositionen (darunter später auch diejenige der Missa Nr. 27) dem sächsischen Hof zu verkaufen, dem das Stimmenmaterial ja ohnehin gehörte - für die Nachwelt ist dies freilich ein Glück, da die Partituren auf diese Weise erhalten blieben. 

Im Gegensatz zu Naumann und Schuster unternahm Seydelmann keine weiteren Reisen, die zu seinem internationalen Ruhm hätten beitragen können, sondern versah geduldig in seiner Heimatstadt gottesdienstliche Aufgaben sowie den Operndienst. 1787 erfolgte - immer zeitgleich mit Joseph Schuster - die Ernennung zum Kapellmeister. 1792 wandte er sich ganz vom Opernschaffen ab und blieb, abgesehen von einigen Liedern,  nur den kirchenmusikalischen Verpflichtungen treu, zumal nach Naumanns Tod 1801 die Operndirektion ganz in die Hände des neuen Hofkapellmeisters Ferdinando Par gelangte.

Die Missa Nr. 27 entstand 1796. Die autographe Partitur wird heute in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden aufbewahrt. Unter die Cum sancto-Fuge am Ende des Gloria notierte Seydelmann das Datum 30. August 1796, am Schluss des Dona nobis pacem sind der 27. Dezember 1796 und der 19. Juni 1797 vermerkt - letzteres meint vermutlich eine Wiederaufführung.
Das Werk ist mit Hörnern, Trompeten und Pauken groß besetzt; neben den Oboen und Flöten setzte der Komponist als neue Klangfarbe außerdem die Klarinetten ein. Erst zwei Jahre zuvor, im Jahre 1794, waren zwei Klarinettisten in die Hofkapelle aufgenommenen worden. In der Verteilung von Solo- und Chorsätzen entspricht das Werk ganz den Dresdner Gepflogenheiten. Dazu gehört auch die Besonderheit, dass es kein rauschendes Finale in voller Besetzung gibt. Vielmehr klingt die Bitte um Frieden mit dem berührenden Schlussgesang der Soloklarinette im Pianissimo aus: sehr innig, aber nicht weniger eindringlich. Wunderbar, dass dieses Werk nach über 200 Jahren wieder neu im Gottesdienst erklingt!

Ulrike Kollmar

Biographisches:
Getauft am 8.10.1748 in Dresden als Sohn des kurfürstlichen Kammermusicus Francesco Seydelmann
Erste Ausbildung bei Constantin Weber
1764 Schüler des Johann Adolph Hasse
1765-68 Studienreise nach Italien; Aufenthalt in Neapel, Palermo, Bologna und Padua; Kompositions- und Gesangsausbildung
1772 Ernennung zum sächsischen Kirchencompositeur
1780 Heirat
1787 Ernennung zum Kapellmeister
1790 letzte Opernkomposition
Gest. am 23.10.1806 in Dresden, beerdigt auf dem Friedrichstädter Friedhof

Werke:
zahlreiche Opern und Singspiele, drei Oratorien
36 Messen; Vesperzyklen und einzelne Vesperpsalmen, Antiphonen und Offertorien; Requiem
Lieder, Duette und Soloarien
Instrumentalmusik


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