Seligsprechungsprozess für Alojs Andritzki erfolgreich beendet

"Eine besondere Freude für das Bistum Dresden-Meißen und für das sorbische Volk"

Andritzki

Alojs Andritzki (1914-1943)

Dresden, 10.12.2010 (KPI): Der Seligsprechung des im NS-Konzentrationslager Dachau gestorbenen sorbischen Priesters Alojs Andritzki (1914-1943) steht nichts mehr im Weg. Die Heiligsprechungs-Kongregation gab heute nach einer Papstaudienz ihres Präsidenten Kardinal Angelo Amato bekannt, dass der aus Radibor in der Oberlausitz stammende Geistliche als Märtyrer anerkannt sei.

Bischof Joachim Reinelt, Bischof des Bistums Dresden-Meißen, aus dem Alojs Andritzki stammt, zeigte sich sehr erfreut darüber, dass das im Juli 1998 eröffnete Seligsprechungsverfahren nun abgeschlossen ist:

"Mit großer Freude nehme ich die Nachricht auf, dass das Martyrium des Dieners Gottes Alojs Andritzki, unseres Diözesanpriesters, vom Papst bestätigt und dies von der Kongregation für die Heiligsprechungen veröffentlicht worden ist.

Wir verehren mit dem Datum der Seligsprechung am Pfingstmontag, dem 13. Juni 2011, einen Märtyrer unseres Bistums, der am 3. Februar 1943 im KZ Dachau ermordet worden ist. Die junge Generation unseres Landes darf aufschauen zu einem Priester mit glühendem Herzen für Christus und den Fortschritt des Glaubens.

Bereits am 5. Februar 2011, also kurz nachdem sich sein Todestag zum 68. Mal gejährt haben wird, werden wir in feierlicher Weise die Asche dieses mit 28 Jahren umgekommenen Priesters in einer öffentlichen Prozession in die Dresdner Kathedrale übertragen. Der Weg soll vom Ort seiner Erniedrigung, dem ehemaligen Dresdner Polizeigefängnis, zum Ort seiner Verehrung führen, zur Dresdner Kathedrale, in der Andritzki von 1939 bis 1941 selbst Kaplan war.

Eine besondere Freude ist diese Seligsprechung für das sorbische Volk, dem Alojs Andritzki entstammte."

Der Seligsprechungsprozess


Am 2. Juli 1998 hatte Bischof Reinelt im Rahmen eines Wallfahrtsgottesdienstes im sorbischen Rosenthal das Seligsprechungsverfahren für Kaplan Andritzki eröffnet. Von diesem Zeitpunkt an wurden während eines so genannten "Informativprozesses" von einer Kommission im Auftrag des Bischofs alle verfügbaren Dokumente und Informationen über Alojs Andritzki gesichtet und ausgewertet. Zusätzlich wurden Interviews mit Zeitzeugen und Wegbegleitern Andritzkis geführt. Am 22. März 2001 fand dieses Verfahren auf Bistumsebene mit einer feierlichen Messe im Bautzener St. Petri-Dom seinen Abschluss. Die Akten wurden dabei feierlich an den römischen Anwalt Dr. Andrea Ambrosi übergeben.

In einer "Positio super Martyrium" (Stellungnahme über das Martyrium) fasste der römische Advokat die Unterlagen und Zeugenaussagen zusammen und erstellte eine Analyse dazu. Das fertige Werk überreichte Ambrosi am 6. Mai 2003 in der Dresdner Kathedrale an Bischof Reinelt. Am 17. Dezember des gleichen Jahres übergab der Bischof die Positio an Papst Johannes Paul II.

Alojs Andritzki wäre bei seiner Seligsprechung neben dem Heiligen Bischof Benno von Meißen (um 1010 bis 1106) der erste Selige des Bistums, der zudem hier geboren wurde.

In der sorbischen Region erinnern zahlreiche Gedenktafeln und auch ein Kirchenfenster der Pfarrkirche in Radibor an Alojs Andritzki. In Bautzen und Dresden sind Straßen nach ihm benannt. Der Kindergarten in Radibor, eine polnische Grundschule und eine Pfadfindergruppe tragen seinen Namen. 

Alojs Andritzki - Biographie

Alojs Andritzki wurde am 2. Juli 1914 in Radibor geboren. Er hatte drei Brüder und zwei Schwestern. Die Brüder studierten alle Theologie, drei wurden Priester, darunter Alojs.

Nach dem Abitur an der Domstiftlichen Katholischen Oberschule in Bautzen studierte er von 1934 bis 1937 Theologie und Philosophie in Paderborn. 1936 wurde er Redakteur der sorbischen Studentenzeitung "Serbski student" und Sprecher der sorbischen Studenten. Von 1938 bis 1939 absolvierte er das Priesterseminar in Schmochtitz bei Bautzen.

Am 30. Juli 1939 im Bautzener St. Petri-Dom zum Priester geweiht, wurde Alojs Andritzki Jugendseelsorger und Kaplan an der Hofkirche in Dresden und zugleich Präses der Dresdner Kapellknaben und der Dresdner Kolpingfamilie. Die Jugendlichen bewunderten ihn wegen seiner Geradlinigkeit und Sportlichkeit. Seine Verachtung des nationalsozialistischen Regimes verhehlte Andritzki nicht, was ihn ins Visier des Staatsapparates brachte. Nach einer Theateraufführung verhörten ihn Gestapo-Leute. Zu den Jugendlichen sagte er danach: „Das war erst der Anfang." Am 21. Januar 1941 wurde er verhaftet - die Anklageschrift nennt „heimtückische Angriffe auf Staat und Partei" als Begründung. Im Oktober 1941 wurde Andritzki ins Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er die Häftlingsnummer 27829 erhielt.

Während des Transportes lernte er den Benediktinerpater Maurus Münch aus Trier kennen. In den ersten Tagen im KZ gelobten beide, niemals zu klagen, niemals ihre Ehre als Akademiker mit Füßen zu treten und keinen Augenblick ihre priesterliche Berufung zu vergessen. Ein gutes Jahr waren beide zusammen im KZ. Mit anderen Priestern bildeten sie einen Studienkreis, in dem an drei Abenden in der Woche aus der Heiligen Schrift gelesen wurde. Aus diesem Bibelkreis entstand ein Liturgiekreis.

In Dachau erkrankte Andritzki an Typhus. Als er im Sterben lag, bat er einen Häftlingspfleger, ihm einen Priester zur Spendung der Sakramente zu rufen. Seinem Wunsch wurde allerdings nicht stattgegeben. Am 3. Februar 1943 wurde Alojs Andritzki durch eine Giftspritze ermordet. Die Urne mit der Asche des ermordeten Priesters, die die Verwaltung des KZ Dachau der Familie zuschickte, wurde am 15. April 1943 in Dresden auf dem Alten katholischen Friedhof in der Friedrichstraße beigesetzt.

Stichwort: Selige und Heilige

Die katholische Kirche verehrt Selige und Heilige als Zeugen vorbildhaften Christseins in ihrer Zeit. Die Seligsprechung stellt eine Frau oder einen Mann als Beispiel christlichen Lebens für die Kirche eines Landes, eines Bistums oder auch für eine bestimmte kirchliche Gemeinschaft heraus. Dagegen dehnt die Heiligsprechung diese Verehrung auf die ganze Weltkirche aus.

Der Seligsprechung geht ein kirchliches Untersuchungsverfahren voraus, das vom Ortsbischof eingeleitet wird. Die Ortskirche ist auch verantwortlich für das Sammeln von Informationen über den betreffenden Menschen, die belegen, dass sein Leben und Sterben außerordentlich war, ob er im Ruf der Heiligkeit stand, herausragende Tugenden vorlebte, ein Martyrium erlitt oder Wunder tat.

Nach Abschluss dieses Verfahrens werden die gesammelten Akten nach Rom an die vatikanische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen weitergeleitet. Sie prüft in einem eigenen Verfahren die Echtheit der Dokumente und Zeugenaussagen, holt Gutachten ein und gibt abschließend eine Empfehlung an den Papst. Bei Menschen, die als Märtyrer seliggesprochen werden, entfällt - wie im Fall von Alojs Andritzki - die Notwendigkeit eines Wunders.



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