Handeln ohne Angst, bestimmt von Liebe und Besonnenheit

Stellungnahme christlicher Gemeinden in der Stadt Plauen

1. Als Christen in Plauen nehmen wir mit Sorge eine Spaltung innerhalb der Bürgerschaft unserer Stadt wahr. Keiner von uns sieht voraus, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Als Mitbürgerinnen und Mitbürger, getragen von den Überzeugungen unseres Glaubens, wollen wir mit dieser Stellungnahme Position beziehen.

2. Im Rückblick auf die Erfahrungen der letzten 25 Jahre sind wir dankbar für Freiheit, Frieden und ein Leben in Selbstbestimmung. Die von den Kirchen ausgehende Bewegung für „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" leistete einen wichtigen Beitrag zum Fall des DDR-Systems. Miteinander waren wir als Volk auf den Straßen Plauens unterwegs. Uns einte der Ruf: „Keine Gewalt"!

3. Heute nehmen wir eine wachsende Gewaltbereitschaft hinsichtlich der Durchsetzung eigener Überzeugungen und Interessen wahr. Politisch und religiös motivierter Extremismus schürt Ängste. Auch der Ton der gesellschaftlichen Auseinandersetzung wird zunehmend rauer und respektloser. Das gefährdet die Grundlagen unseres Miteinanders. Wir werben für Frieden, das Festhalten an demokratischen Grundwerten und für die Achtung eines jeden Menschen. Dazu gehört auch die volle Anerkennung der grundgesetzlich verbürgten Rechte und Pflichten für jeden, der in unserem Land lebt.

4. Für viele unter uns hat sich in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten der Wohlstand gemehrt. Umso kontrastreicher erleben wir Befürchtungen, das Erreichte zu verlieren. Wir spüren, dass wir teilen müssen und fragen uns, ob wir dabei mitbestimmen oder ob uns einfach etwas weggenommen wird, von dem wir meinen, wir könnten es beanspruchen.

5. Fremde Menschen, die eine andere Lebensart mitbringen und kulturell wie religiös anders geprägt sind als wir, lösen Unsicherheit und Irritation bei uns aus. Das führt auch in Teilen unserer Gemeinden zu Gefühlen der Angst und Ohnmacht.

6. Als Christen sehen wir uns dem Evangelium verpflichtet, der guten Nachricht, dass Gott auf der Seite der Menschen ist. Jesus selbst gab freiwillig seine Privilegien auf, wurde einer von uns, war auf der Flucht und selbst unter seinen Landsleuten fremd.

7. Deshalb ruft uns Gott dazu auf, dem Vorbild Jesu zu folgen und den Schwachen zu helfen, dem Fremden die Hand zu reichen, dem Bedürftigen Unterstützung zu gewähren. So sehen wir Christen es als unsere Aufgabe an, eine Kultur von Respekt und Barmherzigkeit zu praktizieren. Wir engagieren uns in Deutschkursen, spenden Geld- und Sachmittel, machen praktische Flüchtlingsarbeit in Unterkünften. Wir versuchen, uns in Gastfreundschaft, Patenschaften und anderen Formen des Miteinanders zu betätigen. Unsere guten Erfahrungen sind, dass wir in der Begegnung von Mensch zu Mensch mehr Verständnis füreinander finden und Fremde uns zu Freunden werden. Getragen von Friedensgebeten, wollen wir uns für ein friedliches Miteinander einsetzen und uns den Herausforderungen unserer Zeit stellen.

8. Weil wir uns weder von Sorgen noch von Ängsten bestimmen lassen wollen, verstehen wir das Zitat aus dem Timotheusbrief als eine gute Handlungsmaxime, die uns vor resignierter Passivität und aggressivem Extremismus bewahren kann: "Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit." (2 Tim 1,7)

Brüdergemeinde
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