Markenzeichen: bescheiden und engagiert

Bischof Clemens Pickel mit der Pastoralkonferenz seines südrussischen Bistums zu Gast in Dresden

Bischof Clemens Pickel (Mitte), Bischof Heinrich Timmerevers (links) und Bischof em. Joachim Reinelt (rechts) in der Dresdner Kathedrale mit den Gästen aus Russland. Fotos: Michael Baudisch

Bischof Clemens Pickel (Mitte), Bischof Heinrich Timmerevers (links) und Bischof em. Joachim Reinelt (rechts) in der Dresdner Kathedrale mit den Gästen aus Russland. Fotos: Michael Baudisch

Dresden, 30.04.2018 (KPI): Vor 30 Jahren wurde er hier, in der Dresdner Kathedrale zum Priester geweiht. Für zwei Jahre ging er anschließend als Kaplan nach Kamenz. Dann gab der damalige Bischof Joachim Reinelt seine Zustimmung, dass er als Seelsorger in die Sowjetunion reisen durfte. Vor zwanzig Jahren empfing er in Russland die Bischofsweihe. Heute leitet er das Bistum St. Clemens mit Sitz in Saratow: Clemens Pickel (56). Am Sonntag, 29. April, hat er nun mit rund vierzig Priestern und sechzig Ordensmännern und –frauen seines südrussischen Bistums und vielen Gläubigen aus Dresden und anderen Regionen unseres Bistums in der Kathedrale die Heilige Messe gefeiert. Auch Bischof Heinrich Timmerevers und Bischof emeritus Joachim Reinelt feierten gemeinsam mit Bischof Pickel und den Gästen aus Russland diesen Festgottesdienst mit.

Das schwarze Haar und der Bart Bischof Pickels‘ sind über die Jahre etwas weiß geworden. Doch sein Blick und sein Auftreten wirken noch immer jugendlich. Wenn er spricht, redet er leiser, als das Priester gewöhnlich tun, und schneller. Bescheiden und engagiert: das sind seine Markenzeichen. Das schätzen die Menschen an ihm, die heute zu diesem Gottesdienst - mitunter aus weiten Teilen des Bistums - nach Dresden gekommen sind. Und mit Bescheidenheit, Engagement und Kreativität leitet Bischof Pickel „sein“ südrussisches Bistum St. Clemens, in dem derzeit rund 21.500 Katholiken als Minderheit unter 45 Millionen Einwohnern leben.

„Wir haben 24 Orte, in denen die Priester, die jetzt mit mir hier zu Gast sind, gewöhnlich leben und regelmäßig die Heilige Messe feiern. In Deutschland gibt es allein 27 Bistümer. Nicht einmal jedes Bistum würde danach eine eigene Pfarrei haben“, so veranschaulicht Bischof Pickel in seiner Predigt die Lage der Seelsorge in Russland. Doch die Rechnung ist noch nicht zu Ende. Immerhin ist das Bistum St. Clemens rund viermal so groß wie die Bundesrepublik. „Verglichen damit würde das bedeuten: Deutschland, eingeteilt in sechs Pfarreien. Können Sie sich das vorstellen? Was wäre dann? Haben Sie das vor sich?“

Um das Evangelium zu lesen, muss man kein Pfarrer sein

Und Bischof Pickel schildert, wie die Kirche in Russland auf die Situation vor Ort reagiert. „Zum einen fahren die Leute hunderte Kilometer zum Gottesdienst.“ Aber er sagt auch: „Um das Evangelium zu lesen, muss man kein Pfarrer sein.“ Doch die Lage bleibe schwierig. Zwar sei es heute bei weitem nicht mehr lebensgefährlich, den eigenen Glauben zu leben und weiterzugeben, wie mitunter zu Sowjetzeiten. „Aber noch immer hat es Kirche schwer, auf andere, verstecktere Weise“, so Bischof Pickel. „Noch immer werden Zweige vom Rebstock abgeschlagen.“ Seine Worte sind prägnant und verständlich. Das hat er gelernt im direkten Umgang mit den einfachen Menschen seines Bistums: „Entweder wir geben uns Mühe, oder wir haben Pech gehabt“ - so bringt er sein Credo nach mehr Engagement für den Glauben auf den Punkt.

Und die Besucher der gut gefüllten Kathedrale lauschen seinen Worten. Er erzählt davon, nur selten kurz predigen zu können. „Ich kam in Orte, da hatten die Leute mitunter 50 bis 60 Jahre keinen Bischof gesehen. Können Sie sich vorstellen, dann kurz zu predigen?“ Doch diesmal ist im Anschluss an den Gottesdienst ja noch Gelegenheit zur Begegnung und zum Gespräch im nahe gelegenen Haus der Kathedrale.

Ein Priesterseminar mit elf Seminaristen für ganz Russland

Viele Gemeinden, die Partnerschaften mit Pfarreien im Bistum St. Clemens pflegen, sind heute hier und nutzen die Gelegenheit, die Seelsorger aus Russland zu treffen. Die wiederum stammen häufig selbst aus der ganzen Welt: aus 21 Ländern sind die Ordensleute des Bistums St. Clemens gebürtig, aus 14 Ländern die Priester. Einer davon ist neben Bischof Pickel ebenfalls ein Sachse: Pfarrer Bosco Marschner, geboren in Bautzen, zuletzt Pfarrer in Zittau. Heute wirkt er als Seelsorger in Marx. Auch er betont: „Die Partnerschaften mit Pfarreien in Deutschland sind uns ganz wichtig. Und vieles davon lebt auch von den Besuchen und Begegnungen.“ Ein einziges Priesterseminar gibt es in ganz Russland. Derzeit studieren dort insgesamt elf Seminaristen.

Nach Kartoffelsuppe und Dresdner Eierschecke berichten Bischof Pickel und Pfarrer Marschner vor kleinerer Zuhörerschaft im Haus der Kathedrale noch weiter von der Situation ihres Bistums, während die Priester und Ordensleute aus Russland unter Führung einheimischer Katholiken unterdessen Elbflorenz erkunden. „70 Jahre Kommunismus haben ihre Spuren hinterlassen“, sagt Bischof Pickel. „Das sind drei ganze Generationen ohne Glauben. 40 Jahre DDR und 70 Jahre Kommunismus sind schon ein gewaltiger Unterschied in der Mentalität“, so der Bischof. Noch bis Dienstag tagen er und die Priester und Ordensleute seines Bistums im Rahmen ihrer regelmäßigen Pastoralkonferenz in diesem Jahr ausnahmsweise in Naundorf in der Sächsischen Schweiz. „Normalerweise treffen wir uns in einem alten Pionierlager in der Nähe von Marx“, so Clemens Pickel. Da sei der Komfort in Deutschland einmal eine ganz besonders angenehme Erfahrung.

Text/Fotos: Michael Baudisch

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