Kirche auf „Philippinisch“

Eindrücke von einer Fortbildungsreise, 31. Oktober - 17. November

Priester gestalten einen Gottesdienst in einer Kapellengemeinde mit (v.l Pfr. Ulrich Dombrowsky, Pfr. Thomas Renze (Bistum Fulda), Pfr.  Andreas Eckert, Pfr. Andrzej Glombitza)
Priester gestalten einen Gottesdienst in einer Kapellengemeinde mit (v.l.: Pfr. Ulrich Dombrowsky, Pfr. Thomas Renze (Bistum Fulda), Pfr. Andreas Eckert, Pfr. Andrzej Glombitza)

Dresden/Bacolod/Manila, 01.12.2017: Bereits zum vierten Mal begab sich auf Einladung durch die Personalabteilung eine Gruppe von Gemeindeseelsorgern und Ordinariatsmitarbeitern aus unserem Bistum auf die lange Reise Richtung Philippinen, um dort den Ansatz der Kleinen Christlichen Gemeinschaften in Theorie und Praxis kennenzulernen und zu erleben. Organisiert und durchgeführt wurde die mehr als zweiwöchige Exposure-Reise von Missio Aachen unter Leitung von Johannes Duwe (Missio-Referent für Kleine Christliche Gemeinschaften) und Gabriele Viecens (Referentin für Lokale Kirchenentwicklung im Bistum Hildesheim).

Besuch einer Zuckerrohrplantage
Besuch einer Zuckerrohrplantage

Insgesamt nahmen 14 Frauen und Männer aus den Bistümern Fulda, Erfurt und Dresden-Meißen an der Reise teil. Aus unserem Bistum waren die Seelsorge-Teams aus den Verantwortungsgemeinschaften Riesa-Wermsdorf-Großenhain (Pfarrer Ulrich Dombrowsky, Pfarrer Andreas Eckert sowie Gemeindereferent Matthias Demmich und die ehrenamtliche Katechetin Anke Schmager) und Leutersdorf-Ebersbach-Neugersdorf-Oppach (Pfarrer Andrzej Glombitza und Gemeindereferentin Claudia Böhme) sowie Steffen Hollmann (Referent für Lokale Kirchenentwicklung im Ordinariat) mit dabei.

Begleitet wurde die Reisegruppe durch das Pastoralinstitut Bukal ng tipan, welches seit etlichen Jahren Haupt- und Ehrenamtliche schult und begleitet und auch stark im weltkirchlichen Austausch engagiert ist. Zunächst stand ein etwa einwöchiger theoretischer Kurs im Institut Maryshore in Talisay auf der Insel Negros Occidental (West-Visayas) auf dem Programm. Leitend ist für das Bukal-Team dabei die Frage: „Wie kann Kirche so organisiert werden, dass möglichst viele an der Sendung der Kirche teilhaben können?“ – eine Fragestellung, welche vom Zweiten Vatikanischen Konzil inspiriert und auch für unser Bistum von zunehmender Bedeutung ist.

Lebendiger Gottesdienst in einer Kapellengemeinde
Lebendiger Gottesdienst in einer Kapellengemeinde

Im Anschluss an die Theorie stand die zweite Woche ganz unter dem Zeichen des praktischen Erlebens von kirchlichem Leben auf den Philippinen. Verschiedene Stationen auf der Insel Panay bzw. der Erzdiözese Jaro vermittelten den Teilnehmern vielfältige und lebendige Eindrücke. So wird das Leben in der Pfarrei stark von Basisgruppen und kleinen Kapellengemeinden getragen. Auch spielt das Bibelteilen in diesen kleinen Gruppen eine wesentliche Rolle.

So beschreiben einige Teilnehmer ihre Eindrücke:

„Die Eindrücke waren und sind sehr vielfältig. Zum einen war ich sehr überrascht davon, dass die Kirche auf den Philippinen vor sehr ähnlichen Herausforderungen steht, wie bei uns in Deutschland. Beeindruckend war, dass Glaube und Alltag für die Philippinos nicht getrennt voneinander vorstellbar sind – in dieser Hinsicht dürfen wir Deutsche noch viel lernen. Dies wurde insbesondere am Fest Allerheiligen und auch beim Bibelteilen in den kleinen Gemeinschaften deutlich. Besonders bewegend waren auch immer wieder die große Offenheit und Gastfreundlichkeit der Menschen – trotz der großen Armut. Besonders der lebendige Gottesdienst in einer kleinen Kapellengemeinde, der von einem beauftragten Laien (lay minister) gefeiert wurde, hat mich tief beeindruckt. Auch die Teams von Bukal ng tipan sowie der JAPS (Pastoralabteilung der Erzdiözese Jaro) und deren tief spirituelle Arbeit mit uns beschäftigen mich nachhaltig.“ (Gemeindereferent Matthias Demmich, Riesa-Wermsdorf-Großenhain)

„Natürlich beeindruckt es, wenn man am buchstäblich anderen Ende der Welt ist; die Kultur ist anders, das Klima und und und...
Was mir aber am eindrücklichsten im Gedächtnis bleiben wird, ist das tiefe Vertrauen, aus dem die Menschen auf den Philippinen leben. In erster Linie vertrauen sie auf Gott, er ist dort die Basis für alles Miteinander, und so verwundert es auch nicht, dass der Alltag von den meisten Menschen ganz bewusst aus dieser Beziehung zum Schöpfer gestaltet wird. Aber auch das Vertrauen untereinander ist wirklich beeindruckend. Ein Mitarbeiter der Pastoralabteilung in der Erzdiözese Jaro erzählte mir folgendes:
‚Wenn wir Hilfe anbieten, fragen wir zuerst die Menschen, wie das in geeigneter Form passieren könnte. Das ist auch wichtig, denn sie sind es, die genau wissen, was sie benötigen. Im Nachhinein betrachtet hat uns das schon vor vielen Fehlern bewahrt, weil wir als Außenstehende andere Maßnahmen eingeleitet und Entscheidungen getroffen hätten.‘“ (Steffen Hollmann, Referent für Lokale Kirchenentwicklung im Bischöflichen Ordinariat Dresden).

Schönheit der Schöpfung auf den Philippinen
Schönheit der Schöpfung auf den Philippinen

„Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich dieses wunderschöne Land kennenlernen durfte, das durch so viele Gegensätze geprägt ist: die immerblühende, prächtige Natur – die Zerstörung durch Umwelt- und Naturkatastrophen; die Armut von einem Großteil der Bevölkerung – Reichtum und Machtmissbrauch einzelner Verantwortungsträger in Politik und Wirtschaft; die Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens – der tiefe Glaube und die Strahlkraft der Menschen, die ihren Dienst für die Kirche als Dienst an Gott verstehen. Eindrücklich war für mich zudem, wie sehr Menschen „wachsen“ können, wenn ihnen etwas zugetraut wird – beispielhaft deutlich gemacht wurde uns dies im „Cooporative Store“ in Lemery, den eine junge Frau leitet.“ (Gemeindereferentin Claudia Böhme, Leutersdorf, Ebersbach-Neugersdorf, Oppach)

„Beeindruckt hat mich vor allem das geistliche Getragensein der Zusammenkünfte. Die Schwestern und Brüder erzählen offen von ihrem Glauben und ihrem damit verbundenen Alltagsleben. Hier spürte ich eine tiefe Geschwisterlichkeit. Und vielleicht noch ein Drittes: Diese Reise zeigte mir fest auf, dass wir alle eine Kirche sind.“ (Pfarrer Andreas Eckert, Großenhain)

Besuch einer Seegras-Manufaktur
Besuch einer Seegras-Manufaktur

Die letzten beiden Tage verbrachte die Reisegruppe wiederum im Mutterhaus des Bukal-Instituts, Maryhill, am Stadtrand von Manila. Die intensive Reflexion der Reise, sowohl in der Gesamtgruppe als auch in der Diözesan- und Pfarreigruppe, gehörte ebenso dazu wie die Möglichkeit, die philippinische Hauptstadt ein wenig kennenzulernen.

Die Kathedrale von Manila
Die Kathedrale von Manila

Einig waren sich die Reiseteilnehmer darin, dass es sich lohnt zu versuchen, das Erlebte und Erlernte in die seelsorgliche Arbeit in den Pfarreien und Verantwortungsgemeinschaften einzubringen. Klar ist dabei, dass der Ansatz der Kirche auf den Philippinen nicht 1:1 in unseren Kontext kopiert werden kann. Darin wurden die deutschen Seelsorgerinnen und Seelsorger auch u.a. von Dr. Estella Padilla vom Bukal-Institut bestärkt: „You germans must look for the german face of Jesus“ („Ihr Deutschen müsst nach dem deutschen Gesicht Jesu Ausschau halten“). Dennoch lohnt es sich, als Teile der einen katholischen Weltkirche voneinander zu lernen und Erfahrungen miteinander zu teilen.

Text: Matthias Demmich
Bilder: Matthias Demmich / Claudia Böhme




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