Rund 1.000 Menschen gedenken im Festgottesdienst in Radibor des 75. Todestags des Seligen Alojs Andritzki

am 3. Februar mit Bischof Heinrich Timmerevers

Vor der Pfarrkirche in Radibor warten Gottesdienstbesucher auf Bischof Heinrich. Fotos: Michael BaudischRadibor, 03.02.2018: „Auch wenn es scheinen mag, als sei ich von Gott verlassen, und mir misslingt alles, und ich habe Feinde, und die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen, steht mir Gott gerade in solchen schweren Augenblicken am nächsten zur Seite und kämpft mit mir und gibt mir die Kraft, um nicht zu fallen – ja, wer mit Gott ist, überwindet mit ihm alles!“ Diese Zeilen schrieb Alojs Andritzki (1914-1943) im Frühjahr 1937 vom Studium in Paderborn an seine Mutter in Radibor. Bischof Heinrich Timmerevers zitierte sie heute im Pontifikalamt aus Anlass des 75. Todestags des seligen Alojs. Wer heute seine Briefe lese, könne darin schon etwas von der tiefen Zuversicht dieses jungen Mannes spüren, die seinen Glauben auch vier Jahre später unter den Qualen des Konzentrationslagers Dachau prägten, so der Bischof. Am 3. Februar 1943 im KZ Dachau durch eine Giftspritze ermordet, gedachten heute in der Heimatkirche Alojs Andritzkis im sorbischen Radibor rund eintausend Menschen in einem Festgottesdienst mit Bischof Heinrich des 2011 in Dresden selig gesprochenen Priesters des Bistums Dresden-Meißen. Dabei war spürbar, dass der Selige Alojs in seiner sorbischen Heimatregion ganz besondere Verehrung genießt. 

Ein gutes Dutzend Priester, zahlreiche Ministranten, Fahnenträger, mehrere Chöre und Musiker sorbischer Pfarreien, Kindergartenkinder, Zisterzienserinnen aus der Abtei St. Marienstern, eine Pfadfindergruppe und eine Schulklasse aus Polen feierten und gestalteten die Messe mit. Sorbische Reiter mit Frack und Zylinder hatten den Bischof bereits vor Radibor erwartet und ihn und Generalvikar Andreas Kutschke in einer offenen Kutsche die letzte Strecke zur Kirche geleitet. Von Bürgermeister Vinzenz Baberschke, dem Radiborer Pfarrer Benno Jakubasch, Vertretern der Pfarrei und zahlreichen Kindern wurde Bischof Heinrich vor der Heimatkirche des sorbischen Märtyrers empfangen.

Ein Gottesdienst, gestaltet auf sorbisch, deutsch, polnisch und lateinisch

„Christus trägt das Kreuz für die Kirche, da können wir als seine Freunde nicht müßig zusehen - sondern tragen es mit. Simon von Cyrene durfte damals wirklich handgreiflich das Kreuz dem Herrn tragen helfen, ihm wurde es ungefragt aufgebürdet - da half kein Sträuben - und er trug es! Nun, mir ist es ähnlich ergangen. Die Natur, der Freiheitsdrang will aufbäumen, aber schon lastet die Schwere des Kreuzes auf der Schulter. So will ich es tragen, da ich doch sehe, dass ich nur Freundschaftsdienst erfüllen darf. So wird es mir leichter, ja man wird froh. Man trägt es ja nicht allein - Christus trägt es ja mit. Da braucht man nicht zu verzagen. Das Leid, das Kreuz - führt zur ewigen Herrlichkeit.“ So schrieb der selige Alojs 1941 in einem Brief aus der Dresdner Untersuchungshaft.


Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Heimatkirche Alojs Andritzkis war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Bischof Heinrich - der die Messe zunächst auf sorbisch eröffnet hatte - zitierte in seiner Predigt auch diese Zeilen des seligen Alojs und erinnerte daran, dass dessen Gottesliebe in dieser Kirche in Radibor gewachsen sei. Die Berufung zur Heiligkeit werde im Moment der Taufe geschenkt, "aber sie wächst an einem Ort, in einer Familie", sagte er in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche. Ein besonderer Moment war sicher auch, als ein junger Messdiener den Gesang der Kindergartenkinder mit der Trompete begleitete. Unwillkürlich wurden dabei Assoziationen an das musikalische Talent Alojs Andritzkis geweckt, der selbst Trompete spielen konnte.

Die Kindergartenkinder des sorbischen Katholischen Kinderhauses Alojs Andritzki präsentierten mit dem Erzieher und den Erzieherinnen dabei ein Lied über Alojs Andritzki, das während der Vorbereitung der Seligsprechung 2011 entstand. Ein Lied, das von den Kindern mit spürbarer Begeisterung gesungen wird. Alojs Andritzki ist auch seit 1984 Namenspatron des Kinderhauses in Radibor. Kinderhaus-Leiterin Monika Buck: "Er ist in unserem Haus immer wieder präsent und vor allem Vorbild. Schließlich hat er ja selbst den katholischen Kindergarten zu seiner Zeit besucht."

Im Anschluss an den Gottesdienst nutzten die Besucher die Gelegenheit zur Begegnung im großen Festzelt, das hinter der Kirche zur Geselligkeit und Stärkung einlud.

Alojs Andritzki - Sorbe, Priester, Opfer des Nationalsozialismus

Seliger Alojs AndritzkiAlojs Andritzki stammte aus Radibor in der sorbischen Oberlausitz, wuchs in einer frommen katholischen Familie auf, wurde Priester und wirkte als Kaplan und Jugendseelsorger an der Dresdner Hofkirche. Seine Geradlinigkeit und Sportlichkeit trugen ihm die Aufmerksamkeit vieler Jugendlicher ein; seine Verachtung des Nationalsozialismus und regimekritische Äußerungen machten aber auch die Gestapo auf ihn aufmerksam. Nach Beobachtung und Verhör wurde er am 21. Januar 1941 verhaftet und im Oktober des gleichen Jahres ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Hier erkrankte er und wurde mit 28 Jahren am 3. Februar 1943 mit einer Giftspritze ermordet. Am 13. Juni 2011 wurde Alojs Andritzki in Dresden seliggesprochen. Ein Gefäß mit seiner Asche wird am Märtyreraltar im linken Seitenschiff der Kathedrale aufbewahrt.

Weitere Gottesdienste im Gedenken an den Bistumsseligen Alojs Andritzki feierten heute unter anderem am Nachmittag Bischof emeritus Joachim Reinelt und eine Gruppe sorbischer Jugendlicher in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau und am Abend um 18 Uhr Bischof Heinrich Timmerevers in der Dresdner Kathedrale.

Insgesamt wurden unter dem NS-Regime 34 der rund 130 Priester des Bistums Meißen (heute Bistum Dresden-Meißen) für kürzere oder längere Zeit inhaftiert, zum Teil auch mehrfach. Zwölf von ihnen kamen in Konzentrationslager, wo drei von ihnen starben: die Seelsorger Alojs Andritzki, Aloys Scholze und Dr. Bernhard Wensch.

Text/Fotos: Michael Baudisch


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