Gemeinsames Wort zum Reformationsgedenken 2017

von Landesbischof Dr. Carsten Rentzing und Bischof Heinrich Timmerevers

Bischof Timmerevers und Landesbischof Rentzing im Gottesdienst zur Eröffnung des 500-jährigen Reformationsgedenkens in Bautzen. Foto: Bernd Heinze

Bischof Timmerevers und Landesbischof Rentzing (vorne von links) im Gottesdienst zur Eröffnung des 500-jährigen Reformationsgedenkens in Bautzen. Foto: Bernd Heinze

Das Jahr 1517 ist für die reformatorisch geprägten Kirchen und Konfessionen nicht nur in Deutschland, sondern in Europa und weltweit von herausragender Bedeutung. Mit diesem Datum erinnert sich die reformatorische Christenheit an die befreienden Erfahrungen der Reformation und an eine Vergewisserung des christlichen Glaubens in der jeweiligen Zeit. Ebenso verbindet sich jedoch mit der 500-jährigen Reformationsgeschichte auch eine Trennungsgeschichte, welche die Christenheit bis heute tief verwundet. Dieser Geschichte stehen jedoch – Gott sei Dank! – seit Beginn des 20. Jahrhunderts intensive ökumenische Bemühungen gegenüber. In den vergangenen Jahrzehnten ist den evangelischen und katholischen Christen bewusst geworden, dass uns der Glaube an Jesus Christus, das Hören auf Gottes Wort in der Heiligen Schrift und das sakramentale Band der Taufe zutiefst miteinander verbinden. Auf diesem Weg ist substanzvolle Arbeit geleistet worden! Möge diese Arbeit nicht in Vergessenheit geraten und Ansporn sein, diesen Weg in großer Geduld, Beharrlichkeit und Sorgfalt weiterzugehen. Gott war und ist mit seiner Kirche, er vertraut auf unser Tun. Gerade in den scheinbaren Aussichtlosigkeiten unserer Bemühungen dürfen wir auf seine Hilfe setzen!

Detail im St. Petri-Dom zu Bautzen, der ältesten Simultankirche Deutschlands. Seit 1524 wird das Gotteshaus von katholischen und evangelischen Christen gemeinsam genutzt. Foto: Bernd HeinzeWir leben in einer Region, in der weit über 70 Prozent der Menschen keiner Kirche angehören. Die religiöse Sprachunfähigkeit ist gravierend. Im Umgang mit anderen Religionen zeigt sich diese große Orientierungslosigkeit. Das Gedenken an 500 Jahre Reformation wollen wir daher als eine Möglichkeit nutzen, die Öffentlichkeit – Christen ebenso wie Nichtchristen – daran zu erinnern, worum es dem christlichen Glauben geht: um die menschgewordene Liebe Gottes in seinem Sohn Jesu Christus zu uns Menschen und zu seiner Schöpfung! Die Kirchen in Deutschland feiern deshalb das Reformationsgedenken 2017 als „Christusfest“. Die Neu- und Wiederentdeckung des Evangeliums Jesu Christi ist die „einzig sachgemäße Form, mit der wir 500 Jahre Reformation begehen können. Martin Luther ging es um nichts anderes. Er wollte neu auf Christus hinweisen, auf seine gute Botschaft“, wie es der EKD Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm kürzlich skizzierte.

Papst Franziskus hat in Bezug auf das Jahr 2017 darauf aufmerksam gemacht, dass die ,Ecclesia semper reformanda' eine immer wieder zu erneuernde Kirche sein muss, wenn sie denn Kirche sein will. Hierbei geht es um die grundlegende Änderung des eigenen Lebens. Ein Leben lang und immer wieder, dass wir „täglich aus der Taufe kriechen“, wie Luther es einst formulierte.

Gebe Gott seinen Segen, dass wir diesen Weg in ökumenischer Gemeinschaft unserer Gemeinden und Gläubigen weitergehen: um seiner Ehre willen, um unser selbst willen, um der vielen Menschen willen, welche nach Gott suchen!

Dresden am Epiphaniasfest / Fest der Erscheinung des Herrn 2017

Landesbischof Dr. Carsten Rentzing      Bischof Heinrich Timmerevers
Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens          Bistum Dresden-Meißen



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