Leuchtturm des Glaubens: Nazarethschwestern feiern 90-jähriges Gründungsjubiläum

am Sonntag, 10. Juni, in einem Festgottesdienst in der Dresdner Kathedrale

Nazarethschwestern beim Gebet in ihrer Klosterkirche im Jahr 2011.

Nazarethschwestern beim Gebet in ihrer Klosterkirche im Jahr 2011.

Dresden, 05.06.2018 (KPI): Ihr 90-jähriges Gründungsjubiläum feiern die Nazarethschwestern vom heiligen Franziskus am Sonntag, 10. Juni, mit einem Festgottesdienst um 10.30 Uhr in der Dresdner Kathedrale mit Bischof emeritus Joachim Reinelt. Die musikalische Gestaltung übernehmen die Dresdner Kapellknaben.

Zwei Dutzend Ordensgemeinschaften gibt es im Bistum Dresden-Meißen, darunter Benediktiner und Dominikaner, Klarissenschwestern und Zisterzienserinnen und viele andere mehr. Dass eine Gemeinschaft aber sogar im Bistum Dresden-Meißen gegründet wurde und auch ihr Mutterhaus hier hat, ist bis heute einzigartig: Es sind die Nazarethschwestern vom heiligen Franziskus mit Sitz in Goppeln bei Dresden. 33 Schwestern gehören der Gemeinschaft aktuell an.

Die Anfänge

Die Ordensgemeinschaft kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Maria Katharina Clara Schumacher, die spätere Gründerin des Ordens, wird 1887 nahe Koblenz geboren. Mit 22 Jahren schließt sie sich der Gemeinschaft der Schwestern vom Heiligen Geist an, die das Ziel hatten, die harten sozialen Nöte der Zeit zu lindern. Nach einer schweren Lungenerkrankung verlässt sie 1913 auf Anraten ihrer Vorgesetzten die Gemeinschaft.

Sie tritt schließlich in den Dritten Orden des heiligen Franziskus ein. Hier erhält sie den Namen Schwester Maria Augustina und leistet in ihrer rheinländischen Heimat wertvolle Arbeit bei der Errichtung einer Hauspflege für Kranke und bei der Familienbetreuung.

Die Ordensgründerin -  Mutter Augustina.

Die Ordensgründerin -  Mutter Augustina.

Als sie in einer Predigt 1923 von der schwierigen Situation der Kirche im Diasporabistum Meißen hört, fühlt sie sich persönlich angesprochen. Mit einer Mitschwester reist sie nach Dresden, wo die beiden im August 1923 ankommen. In der Elbestadt helfen sie zunächst bei der Bewirtschaftung des Kolping-Gesellenhauses. Hier lernt Schwester Augustina auch den Bischof des Bistums, Dr. Christian Schreiber, kennen und berichtet ihm von ihrer Idee, einen Orden zu gründen. Der Bischof berät und fördert die Schwester bei ihrem Vorhaben.

Am 1. Dezember 1923 erhält Schwester Augustina von Bischof Schreiber die Erlaubnis, eine Ordensgemeinschaft zu gründen. Sie und ihre Mitschwester verlassen daraufhin das Kolpinghaus und beziehen eine kleine Wohnung in der Portikusstraße, wo sie eine Woche später die Schwesterngemeinschaft “Nazarethschwestern von der Hl. Familie“ ins Leben rufen. Hauptsächlich betreuen die Nonnen nun Familien, wenn die Mutter erkrankt ist oder nicht zu Hause sein kann. Sie pflegen und betreuen Sterbende.

Die Klosterkirche der Nazarethschwestern in Goppeln.

Die Klosterkirche der Nazarethschwestern in Goppeln.

Die Schwesterngemeinschaft wächst und mit ihr die Aufgaben. Eine Zeit lang führen sie eine Suppenküche für Bedürftige. Schließlich ziehen sie in die Ferdinandstraße um. Nun bieten sie Unterkünfte für alleinstehende, erwerbstätige Frauen, betreuen Kleinkinder – und ihre Hilfe richtet sich stets an Menschen aller Konfessionen.

Das Geld ist knapp, doch die Aufgaben der Schwestern verlangen nach mehr Platz für ihre Arbeit. Schwester Augustina entschließt sich zum Kauf eines Anwesens in Goppeln, südlich von Dresden. Dorthin ziehen die Schwestern am 18. Oktober 1925 mit ihren Schützlingen, 23 Säuglingen und Kleinkindern.

Die Ordensgemeinschaft wird gegründet

Nun beginnt Schwester Augustina – unterstützt von Jesuitenpatres – Regeln und Konstitutionen für das Leben der Schwestern-Gemeinschaft aufzustellen: die Voraussetzung, um einen kirchenrechtlichen Status für die Kongregation zu erhalten. Der Apostolische Stuhl billigt die Regeln; Bischof Dr. Schreiber kann am Herz-Jesu-Fest, dem 15. Juni 1928, die Kongregation der Nazarethschwestern vom hl. Franziskus errichten, die bis heute einzige Diözesankongregation des Bistums Dresden-Meißen.

Mutter Augustina wurde erste Generaloberin der Gemeinschaft, der zu diesem Zeitpunkt 33 Schwestern und 13 Postulantinnen (Anwärterinnen) angehörten. Im November des gleichen Jahres wird die neuerrichtete Gemeinschaft in die franziskanische Ordensfamilie aufgenommen. Die Schwestern bauen eine Scheune des Goppelner Anwesens zu einem Kinderheim um. 120 Kinder konnten hier untergebracht werden. 1930 erwarben die Schwestern ein weiteres, benachbartes Grundstück, auf dem in den folgenden Jahren ein Altersheim für 18 Personen entstand. 1952 wurde das Anwesen des Mutterhauses nochmals erweitert und umgebaut, im folgenden Jahr konnte ein weiteres Haus als Altersheim eröffnet werden.

Zu Tagen der Offenen Tür wird am 16. und 17. Juni wieder ins Altenpflegeheim nach Goppeln eingeladen.

Zu Tagen der Offenen Tür wird am 16. und 17. Juni wieder ins Altenpflegeheim nach Goppeln eingeladen.

Schwierigkeiten in der Zeit des Nationalsozialismus

In der Zeit des Nationalsozialismus nach 1933 und in den Schrecken des Zweiten Weltkriegs brachen für die Schwestern schwere Zeiten an. Das NS-Regime erhob den Alleinanspruch auf die Kindererziehung, eine konfessionelle Leitung des Säuglings- und Kinderheims in Goppeln sollte nicht länger erlaubt bleiben. Der sächsische Gauleiter wollte das Haus schließen lassen. Da die Nationalsozialisten für die Kinder aber weder anderweitig Unterkünfte besorgen noch eine Finanzierung des Heims unter eigener Leitung garantieren konnten, blieb das Heim schließlich doch unter der Obhut von Mutter Augustina und ihren Mitschwestern.

Die letzte Phase des Zweiten Weltkriegs schließlich trifft die Gemeinschaft besonders hart. Die Bombenangriffe auf Dresden vom 13. zum 14. Februar 1945 kosten sechs Nazareth-Schwestern das Leben; die Arbeitsstätten der Schwestern im Dresdner St. Anna-Heim, dem Sidonienheim und dem Geistlichen Haus in der Schloßstraße werden zerstört. Schließlich wird am 15. Februar 1945 auch Goppeln bombardiert, aber das Haus der Schwestern wird glücklicherweise nicht getroffen. Hier befanden sich zu diesem Zeitpunkt viele Menschen, die mit den Bombardierungen aus der Elbestadt geflohen sind. Die Schwestern evakuieren daraufhin das Kinderheim in die Nähe von Seiffen im Erzgebirge.

Die Stelle, an der die Ordensgründerin - Mutter Augustina - starb.

Die Stelle, an der die Ordensgründerin - Mutter Augustina - starb.

Mutter Augustina, die Gründerin des Ordens, stirbt am 8. Mai 1945. Sie sitzt an der Pforte, als ein betrunkener russischer Soldat mit Maschinenpistole an der Eingangstür auftaucht. Er betritt das Kloster, Mutter Augustina eilt los, ihre Mitschwestern zu warnen. Der Betrunkene feuert auf die Ordensfrau, die Nonne bricht vor dem Eingang zum Refektorium der Schwestern blutüberströmt zusammen. Ein polnischer Zwangsarbeiter, der in der Nähe ist, hört die Schüsse und läuft herbei. Er überwältigt den Täter. Keine weitere Schwester wird verletzt.

Die Wirren der letzten Kriegstage schließlich verschlagen einige der Ordensschwestern nach Breitenbrunn und Peißenberg in Bayern. Niederlassungen, die dort gegründet werden, bestehen bis 1952 und 1959. Von 1946 bis 1950 führen die Schwestern auch ein Kriegsversehrtenheim in Mittelberg im Allgäu.

Die Arbeit der Ordensgemeinschaft

Regelmäßig gestalten die Ordensschwestern auch Taizégebete in ihrer Klosterkirche.Die Nazarethschwestern sind ein Leuchtturm des Glaubens. In den 90 Jahren ihres Bestehens haben sie immer wieder neue Anforderungen und Aufgaben auf sich genommen. Es gab Schwestern, die in der Seelsorge, in der Krankenpflege, in Kindergärten, Pfarrbüros, in der Haushaltsführung tätig waren. Von 1929 bis 1975 führten die Schwestern ein Mütter- und Entbindungsheim in Dresden. Von 1970 bis 1987 leiteten die Schwestern in Dresden eine Tagesstätte für geistig behinderte Kinder. In der Diözese Trier betrieben die Schwestern von 1934 bis 1989 auch ein Altenheim und arbeiteten in der Familien- und Krankenpflege.

Das Kinderhaus in Goppeln führten die Schwestern bis 1991. Nach intensiven Beratungen entschieden sie zu diesem Zeitpunkt, sich künftig vorwiegend um alte Menschen zu kümmern. Das ehemalige Kinderheim wurde umgebaut, 1993 der Grundstein für ein neues Altenheim gelegt. Heute können hier 84 Heimbewohner in 62 Einzel- und 11 Doppelzimmern ein neues Zuhause finden.

Schwester Maria Daniela Mix leitet als Generaloberin den Konvent der Nazarethschwestern.

Schwester Maria Daniela Mix leitet als Generaloberin den Konvent der Nazarethschwestern.

MB


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