Mariensterner Äbtissin Philippa Kraft legt die Gründe ihres Austritts aus dem Zisterzienserorden dar

„In meinem geistlichen Leben war das Fundament nicht mehr fest“

Die Abtei St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau.Panschwitz-Kuckau, 28.04.2017: Im Kloster St. Marienstern hat Äbtissin Philippa Kraft am Montag, 24. April, in Gegenwart von Zisterzienser-Generalabt Mauro-Giuseppe Lepori dem Konvent und danach schriftlich den Mitarbeitern des Klosters mitgeteilt, dass sie von ihrem Amt zurücktritt und zugleich aus dem Zisterzienserorden austritt. Den Generalabt hatte sie bereits am 7. April über ihren Entschluss informiert. Er hat für das kommende Jahr die Priorin, Schwester Gabriela Hesse (56), als Administratorin mit allen Rechten und Pflichten einer Äbtissin eingesetzt. Erst danach sollen Neuwahlen stattfinden. Ein Termin dazu ist noch nicht bekannt. Äbtissin Philippa Kraft hatte das Kloster seit 2011 geleitet.

Im Interview mit dem Katolski Posoł, der Zeitschrift der katholischen Sorben, sprach sie nun über den Anlass dieses Schritts: „Die Gründe meines Rücktritts und Austritts liegen darin, dass ich mich nicht mehr so wie noch vor Jahren in das Ordensleben berufen fühle. Ich gebe zu, dass ich sogar Glaubenszweifel hatte. Diese habe ich aber überwunden. Ich bleibe also der katholischen Kirche auf jeden Fall weiterhin treu. Der Grund meines Austritts aus dem Kloster hängt auf keinen Fall mit dem Konvent zusammen, sondern ist meine eigene Entscheidung.“ Auf Anfrage sagte sie, dass sie auch keinen Partner hat, weswegen sie aus dem Kloster austreten würde. „Ungefähr ein Jahr habe ich innerlich gekämpft, ja, man kann sogar sagen, dass ich mich gequält habe. Ich wollte diese Gedanken überhaupt nicht zulassen, weil ich wusste, was daran hängt. Aber meine Zweifel wurden immer größer.“

Im August 2011 wurde sie zur Äbtissin gewählt und am 18. September 2011 benediziert. Am 24. April 2017 gab sie ihren Rücktritt bekannt: Schwester Philippa Kraft.

Im August 2011 wurde sie zur Äbtissin gewählt und am 18. September 2011 benediziert. Am 24. April 2017 gab sie ihren Rücktritt und den Austritt aus dem Kloster bekannt: Schwester Philippa Kraft.

Gefragt nach der Schwere des Amtes sagte sie: „In meinem geistlichen Leben war das Fundament nicht mehr so fest, dass es mich tragen würde. Daher fühlte ich mich in meinem Amt überfordert.“ Deshalb hatte sie sich Anfang dieses Jahres eine Auszeit von Januar bis April genommen, um in einem anderen Kloster ihren eigenen Weg erkennen zu können. Dort wurde sie von einer Ordensfrau begleitet. „Meine Entscheidung, aus dem Kloster auszutreten, ist immer mehr gereift. Inzwischen fühle ich mich innerlich befreit.“ Dennoch drückte die bisherige Äbtissin aus, dass der Tag der Mitteilung im Kloster für sie und für den ganzen Konvent sehr schwer war. „Mir tut es sehr leid, dass ich meine Mitschwestern wie auch die Mitarbeiter und sicherlich viele, viele Gläubige mit meiner Entscheidung enttäusche. Ich bin aber auf der anderen Seite glücklich, dass ich nach langem Suchen den Weg für mich gefunden habe. Ich gehe im völligen Frieden aus dem Kloster und würde gern mit ihm freundschaftlich verbunden bleiben.“

Betroffenheit im Kloster St. Marienstern

Dort sind am vergangenen Montag viele Tränen geflossen, bestätigt die Administratorin Schwester Gabriela. Sie sagte dem Katolski Posoł: „Die Schwestern waren über die Mitteilung der Amtsniederlegung und des Austrittes ihrer Äbtissin sehr betroffen. Wir werden im kommenden Jahr nach Wegen des guten Miteinanders unserer klösterlichen Berufung suchen, dass innere Stabilität und Frieden einkehren können. Wir bedauern den Rück- und Austritt sehr. Sie war in unserem Kloster mit all ihren Gaben und Fähigkeiten ein sehr kostbarer Mensch. Es ist deshalb ein sehr großer Verlust für unser Kloster. Für ihr Wirken und ihren Einsatz in und für St. Marienstern, sowohl als Ordensschwester als auch in ihrer fünfjährigen Amtszeit als Äbtissin, danken wir ihr und wünschen ihr für ihre Zukunft den reichen Segen Gottes.“

Die bisherige Äbtissin hat das Kloster in Panschwitz-Kuckau bereits verlassen. Demnächst will sie in der Nähe von Dresden wohnen und in ihrem erlernten Zivilberuf als Buchbinderin arbeiten. In der vergangenen Woche hat sie sich auf den Jakobsweg nach Spanien begeben, auf dem sie schon in der Vergangenheit mehrere Etappen gelaufen ist.

Äbtissin Philippa Kraft wurde 1975 geboren. Sie trat 1994 in das Kloster St. Marienstern ein und legte 1996 ihre Profess ab. Im Kloster wirkte sie unter anderem als Gastschwester und betreute die Computertechnik. Am 9. August 2011 wurde sie zur Äbtissin gewählt und am 18. September 2011 benediziert.

In den vergangenen Tagen hat ebenfalls Schwester Johanna Barner (45) das Kloster und den Orden verlassen, die Bitte darum aber bereits vor dem Rücktritt der Äbtissin ausgedrückt. Sie ist im Jahr 2000 ins Kloster eingetreten und hat im Klostergarten sowie im Klosterladen gearbeitet. In den vergangenen Jahren hat sie auch Liköre hergestellt. Sie kehrt an ihren ehemaligen Arbeitsplatz als Altenpflegerin in Sachsen-Anhalt zurück.

Im Kloster St. Marienstern leben nach dem Austritt der beiden Schwestern derzeit zwölf Nonnen.

Zu den Entwicklungen im Kloster St. Marienstern erklärt Bischof Heinrich Timmerevers:

„Der Entschluss von Äbtissin Philippa Kraft, von ihrem Amt zurückzutreten und die Ordensgemeinschaft zu verlassen, hat mich überrascht. Ich respektiere diesen sehr persönlichen Entschluss, den sie sich offenkundig nicht leicht gemacht hat. Ich danke ihr für alles, was sie in ihrer Zeit in der Abtei St. Marienstern für die Ordensgemeinschaft der Zisterzienserinnen und die katholische Kirche im Bistum Dresden-Meißen gewirkt hat und wünsche ihr für die Zukunft viel Zuversicht und die spürbare Nähe Gottes.

Ich bin zuversichtlich, dass bei Schwester Gabriela Hesse als erfahrener Priorin und jetziger Administratorin die Abtei in guten Händen ist. Ich hoffe sehr, dass die Schwestern Kraft im Glauben finden, sich auf die neue Situation einzustellen und das Kloster St. Marienstern in eine gute Zukunft zu führen. Dafür werde ich beten und bitte auch die Gläubigen unseres Bistums, für die Schwestern zu beten.“

KP



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