Gemeinschaft und Dialog beim jährlichen Silvestertreffen

Eindrücke vom Taizé-Treffen in Riga, 28. Dezember 2016 bis 1. Januar 2017

Taizé-Treffen in RigaRiga/Dresden, 09.01.2017: Nach satten 24 Stunden, 6 Stunden später als gedacht, erreichte unser Bus vollbesetzt mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Süd- und Ostdeutschland sein Ziel. Dafür haben wir das polnische und litauische Hinterland ausführlich durchfahren und dort die wahre Höhe von einigen niedrigen Brücken ermittelt.

Das alljährliche Silvestertreffen der Brüder der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé fand dieses Mal in Riga statt, der Hauptstadt Lettlands, des mittleren der drei baltischen Staaten. Dazu hatten sich etwa 15.000 junge Menschen aus allen Ländern Europas sowie einige von anderen Kontinenten auf den Weg gemacht. Untergebracht waren alle in Gastfamilien oder Gemeinschaftsunterkünften.

Fester Bestandteil dieser Tage waren die Gebetszeiten, zu denen morgens, mittags und abends Lieder gesungen wurden, ein Bibeltext und manchmal eine Schriftmeditation gehört und Stille gehalten wurde. Jeden Vormittag fand man sich in der Gastgemeinde in kleinen Diskussionsrunden zusammen, in welchen gemeinsam versucht wurde, die gehörten Schrifttexte tiefer zu verstehen und in das eigene Leben zu übertragen. Nachmittags fanden Workshops statt. Darin wurden zum Einen Fragen zu Politik oder Glauben im Alltag, zum Anderen die Geschichte und Kultur Lettlands thematisiert. Abschließender Höhepunkt der Reise war das Friedensgebet am Silvesterabend mit danach verbrachter Feier, die in der jeweiligen Gastgemeinde stattfand.

Ich blicke auf diese Tage sehr dankbar zurück. Viel durfte ich erleben, einen Einblick in das Leben anderer Menschen und deren Kontext gewinnen. Zu viert lebten wir bei einer Gastmutter in einem Vorort Rigas. Ihr stand nur eine kleine Dreiraumwohnung zur Verfügung, und trotzdem öffnete sie uns alle Türen, um uns die Zeit dort möglich zu machen. Es beeindruckte uns sehr, wenn sie uns sogar jeden Abend spät noch einmal beköstigte. Die ältere Generation Lettlands, zu der unsere Gastmutter gehörte, hat in der Schule noch ausschließlich Russisch gelernt. Dennoch scheute sie die Konversation mit uns Deutschen nicht etwa, sondern gab sich unermüdlich Mühe, sich mit uns in der deutschen und englischen Sprache zu verständigen.

Taizé-Treffen in RigaBesonders in Erinnerung bleibt die Offenherzigkeit der anderen Teilnehmer. Obwohl man sich vorher kaum kannte, konnte man sich dennoch über ähnliche Schwierigkeiten und Themen austauschen. Das war sehr beeindruckend und spannend. Diese Art von Gemeinschaft über alle Grenzen von Religion und Nationalität hinweg zu erfahren ist ein erfüllendes Erlebnis. Die Brüder von Taizé veranschaulichten dies mit den Bildern der Communio, der Familie oder auch der Menschen als Geschwister Jesu. Dieses Erlebnis im Alltag in der Heimat weiter fortzutragen ist die Chance und Aufgabe der Jugendlichen, für die das Treffen Stärkung und Weisung gegeben hat.

Vincenz Nitzschke



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