Anliegen und Entstehung des Erkundungsprozesses

Anliegen

Das gesellschaftliche und kirchliche Leben in Deutschland steckt in einem tiefgreifenden Wandel. Darum macht sich die katholische Kirche gegenwärtig in allen deutschen Diözesen auf den Weg, um diesen Veränderungen im eigenen Handeln gerecht zu werden. Es geht vor allem um einen geistlichen Aufbruch, um die Frage: Wie sind wir Kirche vor Ort und in unserer Region und was ist der Auftrag Gottes an uns heute?

Erzbischof Dr. Heiner Koch, von 2013 bis 2015 Bischof von Dresden-Meißen, ruft die katholische Kirche in Sachsen und Ostthüringen daher zu einem Erkundungsprozess auf, der den inhaltlichen Aufbruch mit einer notwendigen Strukturanpassung verbindet. In seinem Bischofswort vom 18.10.2013 an die Gemeinden, Gemeinschaften und Einrichtungen im Bistum nennt er die Beweggründe, die wesentlichen Anliegen und Bausteine für diesen Erneuerungsprozess.

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Ausgangssituation

Wir leben in Sachsen und Ostthüringen in einer missionarischen Situation: Etwa 80% der Menschen hier gehören keiner Kirche an. Und doch kommt Gott „im Fragen und Denken, in den Sehnsüchten und Hoffnungen der Menschen, in ihren Worten und Verhalten zum Ausdruck“ (Bischof Dr. Koch). Als Christen und Menschen ohne Kirchenzugehörigkeit sind wir gemeinsam unterwegs, unsere Gesellschaft lebenswert zu gestalten.

                    

Wie so vieles in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit wandelt sich auch das Leben in den katholischen Pfarreien und Einrichtungen: Viele Gemeinden, vor allem auf dem Land, werden kleiner, der Altersdurchschnitt steigt, die Zahl der Priester geht zurück, die Kirchen sind oft nur noch ein Anbieter auf dem „Markt“ der Sinndeutungen.

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Weltkirchliche Impulse

Auch die katholische Kirche selbst hat sich gewandelt: Im Gefolge des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) öffnet sie sich neu für die Nöte und Anliegen der Gesellschaft, für die Fragen und Erfahrungen aller Menschen, nicht nur der eigenen Mitglieder. Ein zentrales Konzilsdokument bringt das programmatisch auf den Punkt: „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ (Pastoralkonstitution Gaudium et spes Nr. 1).

50 Jahre nach dem Konzil greift Papst Franziskus diesen Impuls auf und gibt der Kirche in seinem Schreiben „Die Freude des Evangeliums“ (2013) neuen Mut zum Aufbruch. Oft zitiert wird daraus die folgende Passage des lateinamerikanischen Papstes, der nicht müde wird, auf die Nöte der Armen und Ausgegrenzten aufmerksam zu machen: „Mir ist eine ‚verbeulte‘ Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist. Ich will keine Kirche, die darum besorgt ist, der Mittelpunkt zu sein …“ (Nr. 49) 

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Der Weg unseres Bistums

In diesem Geist des Aufbruchs hat Bischof Dr. Heiner Koch für unser Bistum einen sogenannten Erkundungsprozess in die Wege geleitet. Die Pfarreien, kirchlichen Einrichtungen, Initiativen und Gemeinschaften des Bistums Dresden-Meißen wurden einander zugeordnet in 34 regionalen Verantwortungsgemeinschaften. Diese kirchlichen Orte eines pastoralen Raumes werden in den nächsten Jahren miteinander erkunden, wie das kirchliche Leben in ihrem Bereich aussieht, welche Zusammenarbeit schon existiert und noch wachsen soll und welche pastoralen Schwerpunkte mit den vorhandenen Möglichkeiten gesetzt werden können.

Die Leitfragen für den Gesprächsprozess lauten: Wozu sind wir als Kirche in dieser Region heute von Gott gesandt? Wie können wir und die Menschen um uns herum mit Jesus Christus in Berührung kommen und seine lebensschaffende Kraft und Liebe erfahren? Dabei geht es nicht um einen katholischen Sonderweg, sondern um die gelebte Ökumene, die ja in vielen Kontakten, Initiativen und gemeinsamen Angeboten schon zu einem selbstverständlichen Miteinander geworden ist.

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