Gut Ding will Weile haben...

Ein neuer Altar für die Pillnitzer Schlosskapelle

Robert Zalesky bei der Arbeit
Der neue Altar für die Pillnitzer Schlosskapelle entsteht: Robert Zalesky bei der Arbeit in seiner Werkstatt - hier am 7. Februar. (Foto: E. Meuser)

Dresden, 28.02.2014: Die Geschichte hört sich an wie ein Märchen, zuweilen etwas geheimnisvoll und nicht in allen Details hieb- und stichfest zu recherchieren. Fest steht jedoch, dass es seit fast 200 Jahren die katholische Kapelle im Schloss Pillnitz gibt, ausgestattet mit einem Hochaltar, der ebenfalls aus der Zeit um 1830 stammt. Als die Priester im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) die Eucharistie dem Volk zugewandt feiern sollten, brauchte auch die Schlosskapelle einen neuen Altar. Daher "organisierte" der damalige Pfarrvikar Eberhard Prause Ende der 60er Jahre einen Zelebrationsaltar, der von seiner Gestaltung her zu dem Hochaltar in der Schlosskapelle passte – aber etwa 20 Jahre später, als Prälat Weisbender Pfarrvikar in Pillnitz war, wieder nach Ostro zurückgegeben wurde. Als Ersatz nahm man einen barocken Esstisch – der, weil für die Messfeier eigentlich viel zu niedrig, später mit einem Kastenaufbau "aufgestockt" wurde. Mit einer großen weißen Altar-/Tischdecke versehen, fiel diese Notkonstruktion nicht sonderlich auf – und war doch nur eine Notlösung. Aber deren Zeit ist nun abgelaufen. Denn ein neuer Altar ist in Arbeit!

Provisorium
Die Notlösung: der barocke Esstisch mit Kastenaufbau ... hier ohne Tischdecke.
(Foto: Pfarrei St. Hubertus, Dresden)


Da die Gemeindemitglieder eine Gestaltung wünschten, die dem alten Zelebrationsaltar ähnlich ist und sich in den Raum einpasst, erhielt der Entwurf des Pirnaer Holzrestaurators Robert Zalesky den Zuschlag. Dem 34-jährigen, der zur katholischen Pfarrei in Pirna gehört, ist bei dieser Arbeit wichtig, dass "die vom Architekten des Hochaltars erzeugte Blick- und Linienführung unbedingt beibehalten" wird. So soll der neue Altar "eine gestalterische Einheit mit dem Hochaltar bilden und sich schon dadurch weitestmöglich in den historischen Raum integrieren", betont Zalesky. Daher wird der neue Altar ebenfalls aus Holz sein und wie der Hochaltar auch mit einer Marmorimitation bemalt werden.

Die sarkophagähnliche Form des neuen Altars hat Zalesky nicht nur aus gestalterischen Gründen gewählt: "Die Altarform ähnelt einer Grabstätte und verweist auf den Opfertod Christi, der in der Eucharistie seine symbolische Entsprechung findet." Dafür hat er das Holz mit Hilfe von Spanten in die richtige Form gebracht.
Den Entwurfsprozess hat der Holzrestaurator als sehr intensive Phase in Erinnerung, und auch die gesamte Organisation sei aufwendig gewesen: unter anderem das Anfertigen von Ideenskizzen und technischen Zeichnungen sowie das Abwägen von gestalterischen gegenüber nutzungsrelevanten Aspekten. Derzeit hingegen betätigt er sich vorwiegend praktisch. Aber auch im Arbeitsprozess selber "konstruiere ich noch Details", betont er. Als letztes wird dann die Altarplatte aus Marmor angebracht.

Skizze des neuen Altars
Skizze des neuen Altars. (Entwurf: Robert Zalesky) 

Ab Anfang März soll der neue Altar in der Pillnitzer Schlosskapelle stehen – zumindest wochentags –, damit derjenige, der ihn bemalt, den Hochaltar vor Augen hat. Dann kann sich Zalesky dem Ambo zuwenden. Dieser wird gestalterisch an die Kanzel angepasst – das Holz also weiß gestrichen und mit Goldleisten verziert – und so als Ort der Verkündigung erkennbar sein.

Altar und Ambo sind äußerlich miteinander verbunden durch die griechischen Buchstaben Alpha und Omega: Auf dem Ambo, dem "Tisch des Wortes", wird ein Alpha, der erste Buchstabe des griechischen Alphabets, angebracht sein – entsprechend dem ersten Satz der Bibel: "Im Anfang war das Wort" –; die Vorderseite des Altars, auch "Tisch des Brotes" genannt, ziert ein Omega, der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Damit bezieht sich die Gestaltung auf das letzte Buch der Bibel, in dem es von Gott heißt: "Ich bin das Alpha und das Omega." (Offb 1,8; 22,13)

Für Robert Zalesky ist es zwar nicht die erste Kirchenausstattung, die er bearbeitet – mehrere alte Altäre hat er bereits restauriert –, aber jetzt konstruiert und baut er sie erstmals selber.

Das Geld für die neue Ausstattung – die Kosten belaufen sich auf knapp 15.600 Euro – hat die Pfarrei St. Hubertus, zu der die Pillnitzer Schlosskapelle gehört, bereits zusammen: aus Spenden von Gläubigen aus beiden Gemeindeteilen, aus Benefizveranstaltungen und nicht zuletzt durch großherzige Spenden von Paaren, die in der Schlosskapelle heirateten.

So freuen sich die Pillnitzer auf das große Fest, wenn Bischof Heiner Koch am Sonnabend, 3. Mai, in einer Heiligen Messe um 18 Uhr den neuen Altar in der Pillnitzer Schlosskapelle weihen wird.

Elisabeth Meuser



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