Kloster St. Marienstern trauert um seinen langjährigen Bauleiter

Johannes Lukasch (57) am 12. Januar verstorben

Johannes Lukasch

Nicht Trauer, weil’s vorbei ist,

sondern Freude, weil’s so schön war.




Der langjährige Bauleiter des Klosters St. Marienstern, Johannes Lukasch, ist kürzlich verstorben.

* 02.04.1957     + 12.01.2015



Die Zisterzienserinnen schreiben: "Tief betroffen erfuhren wir, dass am 12. Januar unser langjähriger Bauleiter, Herr Johannes Lukasch, nach einer schweren Krankheit im Alter von 57 Jahren verstarb.

1987 stellte sich ein junger Diplom-Ingenieur der damaligen Äbtissin Benedicta Waurick vor. Auf die Frage, warum er seinen Arbeitsplatz wechseln möchte, antwortete er, dass er seine Fähigkeiten und seine Kräfte sehr gern in den Dienst der Kirche stellen möchte. Von dieser Zeit an widmete Johannes Lukasch sein Tun auf unvergleichliche Weise dem Kloster und den Schwestern. Er hat sich nicht nur für die Kirche eingesetzt, sondern wortwörtlich Kirche gebaut.

Von Anfang an gab es so etwas wie eine Absprache und Arbeitsteilung zwischen Mutter Benedicta und Herrn Lukasch: Er sei für den äußeren Bau des Klosters zuständig und sie für den inneren. Diese jahrzehntelange gemeinsame Bemühung hat sich als sehr segensreich und fruchtbar erwiesen.

In all den Jahren erneuerte Herr Lukasch fast alle Gebäude des Klosters. Sein wichtigstes und größtes Projekt war ohne Zweifel die Renovierung der Klosterkirche von 2005-2013. Einmal sagte er dazu: „Wenn ich mit der Kirche fertig bin, dann habe ich alles abgeschlossen.“ Niemand ahnte damals, wie sich diese Worte bewahrheiten würden.

Sein erstes großes Projekt im Kloster war 1987 die Renovierung des Kirchendaches. 25 Jahre später war der Fußboden der Klosterkirche erneuert. So waren Bau und Erneuerung der Klosterkirche Beginn und Abschluss seines unermüdlichen, breiten und reichen Wirkens im Kloster.

Sein selbstloser und unerschöpflicher Dienst für das Kloster wäre ohne seine Familie, besonders ohne die Unterstützung seiner Frau, unmöglich gewesen. Oft musste er kurzfristig und ungeplant im Kloster aushelfen oder in angespannten Situationen sehr lange arbeiten. Ohne die Großzügigkeit und Weitherzigkeit seiner Familie hätte er niemals so viel für das Kloster und alle, die ihm verbunden sind, bewirken können. An dieser Stelle möchten wir der ganzen Familie Lukasch für dieses große Opfer, ihre Zuneigung und ihr Wohlwollen von Herzen danken.

Herr Lukasch zeichnete sich vor allen dadurch aus, dass er von Anfang an auf persönliche Kontakte und Beziehungen baute. Seine Offenheit und grundtiefe Ehrlichkeit, sowie sein humorvoller, geistreicher Verstand erleichterten es ihm, die verschiedensten Kontakte für das Kloster aufzubauen und Menschen für Marienstern zu begeistern.

Seine Stärken und seine Schwächen konnte er ehrlich zugeben. Er besaß die seltene Gabe, sich in seinen Schwächen helfen und kritisieren zu lassen. Oft sagte er von sich, dass Worte nicht zu seinen Stärken zählen, sondern Taten. Ebenso, dass der Ton beim Bau zwar hart, dafür aber herzlich und aufrichtig sei.

Während der Zeit des politischen Umbruchs war er insbesondere der Äbtissin und der Cellerarin des Klosters eine große, unverzichtbare Hilfe und Stütze. Immer hatte er neue Ideen und Lösungen, eine fast unerschöpfliche Energie und einen klaren Verstand mit einem Schuss Bauernschläue, mit denen neue Vorhaben realisiert wurden.

Für die Sorgen und Wünsche der Schwestern, wie auch für die Bedürfnisse und Ansprüche der Behinderten hatte er immer ein offenes Ohr. Unter seiner Leitung wurden alle Gebäude des Sozialbereichs des Klosters errichtet: die Wohnheime, Förderschule, Therapieräume und die Werkstatt für Behinderte.

Neben den baulichen Angelegenheiten wurden ihm nach und nach immer mehr Arbeits- und Verantwortungsbereiche anvertraut: alle Grundstücksangelegenheiten, die Organisation von Festen und Ereignissen, die Eruierung und Beschaffung von Fördermitteln und vieles mehr. Zudem war er ein Mitinitiator und das aktivste Mitglied unseres Freundeskreises.

Ganz gewiss ist es nicht übertrieben zu behaupten, dass das Kloster für Herrn Lukasch ein zweites Zuhause war.

Als vor einem Jahr seine schwere Krankheit zum Ausbruch kam, waren nicht nur wir Schwestern, sondern jeder, der ihn kannte, tief betroffen. Viele begleiteten ihn in dieser schweren Zeit mit ihrem Gebet, in Gedanken und ihrem Mitgefühl. Dieses letzte Jahr seines Lebens verbrachte Herr Lukasch geborgen und geliebt im Schutz seiner Familie.

Am 17. Januar geleiteten ihn unzählig viele Menschen - seine Familie, Verwandte und Bekannte, Mitarbeiter und Freunde von nah und fern - zu Grabe. In der vollen Kirche wurde ihm noch einmal Verbundenheit und Dank für seine Freundschaft und sein Wirken bezeugt und für ihn gebetet.

Möge Gott ihm all das Gute, was er gewirkt hat, mit dem ewigen Leben und himmlischer Freude lohnen."


Johannes Lukasch
So kannten die Ordensschwestern ihren Bauleiter: Johannes Lukasch bei der Arbeit.

M. Benedikta Waurick, OCist, zum Tod von Johannes Lukasch:

Nach meiner Wahl zur Äbtissin von Marienstern, im November 1986, wurde die Restaurierung des Kirchendaches dringend notwendig. So suchten wir nach einem Bauleiter für das Kloster.
Eines Tages kam Pater Ubald Kansy OCist. (+ 2006) zu mir und erklärte mir, dass ein gewisser Herr Lukasch aus Höflein bereit wäre, bei uns zu arbeiten. Dieser hätte jedoch eine feste Anstellung.
Während des Vorstellungsgespräches fragte ich ihn: „Warum wollen Sie ihre Arbeitsstelle wechseln?“ Seine Antwort: „Ich möchte meine Talente und Kräfte gern bei der Kirche einsetzen und nicht bei diesem sozialistischen Staat.“ Diese Antwort hat mich ermutigt, ihn im Februar 1987 als Bauleiter des Klosters einzustellen, auch gegen die Meinung mehrerer Schwestern, welche befürchteten, dass unsere finanziellen Mittel für einen ständigen Bauleiter nicht ausreichen würden. Meine verehrte Vorgängerin, Mutter Anna Meier, hat Bauleiter bis dahin nur selten, kurzzeitig und projektbezogen beschäftigt.
Am Kirchdach mussten nicht nur alle Latten, sondern auch viele tragende Balken ausgewechselt werden, die durch den Holzwurm und andere Schädlinge befallen waren und zerstört worden waren.
Es war eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die mit vielen Risiken und Gefahren verbunden war. Allein unser Kirchendach ist ja schon 18 m hoch! In der DDR fehlte es zudem an geeigneter, oder besser überhaupt an Technik und vielen Sicherheitsstandarts.
Als nächstes Projekt stand der Umbau unserer Küche auf dem Plan. Die Kochküche wurde vom zweiten in den ersten Stock verlegt, was unserem Personal eine enorme Erleiterung brachte.
Dann nahmen wir die Restaurierung des Refektoriums (klösterlicher Speiseraum) in Angriff. Der Putz an den Wänden und der Decke wurde erneuert, der Fußboden ausgeglichen, Bänke und Tische aufgefrischt.
Herr Lukasch hat niemals versucht, seine eigenen Interessen durchzusetzen, sondern immer das Beste zur Ehre Gottes und für die Schwestern zu schaffen.
Er sprühte vor guten Ideen, auch wenn nicht alle umsetzbar waren.
In all den Jahren herrschte zwischen uns ein tiefes Vertrauensverhältnis, auch wenn es (was sehr selten vorkam) Meinungsverschiedenheiten gab. Die Basis dieses Vertrauens war der tiefe Glaube, aus dem Hr. Lukasch lebte.
So nach und nach wurden ihm viele zusätzliche Aufgaben und Arbeitsbereiche, die nichts mit dem Bau zu tun hatten, übertragen. Auch diese erledigte er gewissenhaft und zu meiner vollsten Zufriedenheit.
Seine Hilfsbereitschaft und sein Einsatz für das Kloster konnte kaum jemand übertreffen. Er schaute niemals auf die Uhr, wenn noch etwas notwendig war. Oft hat er seine Familie warten lassen, weil er im Kloster noch dieses und jenes erledigen musste.
Seine freundliche, offene und hilfreiche Art fand Zugang zu vielen Herzen. In heiklen Situationen fand er immer ein aufmunterndes Wort.
Die politische Wende 1989 brachte unser Kloster in eine sehr schwierige Lage, weil uns plötzlich ganz neue, unbekannte Aufgaben zufielen, die unsere wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte überforderten. Dazu kam 1991 das Hochwasser, welches alles noch verschlimmerte.
Aber wo die Not am größten ist, da ist Gottes Hilfe am nächsten, wenn wir nur auf Gott vertrauen. In dieser verzweifelten Lage hat Herr Lukasch viele neue Wege gesucht und gefunden, insbesondere durch Kontakte zu Menschen, die dem Kloster wohl gesinnt waren und helfen wollten. Ja, er scheute sich nicht, für „sein Kloster“ zu betteln.
Eines der schönsten Erlebnisse nach dieser schweren Zeit war das Jubiläumsjahr 1998 mit der 1. Sächsischen Landesausstellung und wunderbaren Höhepunkten, wie beispielsweise die große Bistumswallfahrt auf dem Klosterhof oder die täglich gefüllte Kirche zu unseren Gebetszeiten.
Noch vor der 1. Sächsischen Landesausstellung wurden zwei landwirtschaftliche Gebäude zu Wohnbereichen für unsere Behinderten umgebaut. Im heutigen Josefshaus haben 40 geistig behinderte Menschen ein schönes, neues zu Hause gefunden, in welchem sie sich wohl fühlen. Alle Häuser unserer Behinderteneinrichtung (für insgesamt 175 Behinderte, die bei uns betreut werden), ob das Teresahaus, Annahaus, die Förderschule oder auch die Förderwerkstatt und die Außenwohngruppe im Panschwitzer Hof, wurden unter der Leitung von Hr. Lukasch umgebaut und neu gestaltet.
Auch die Klosterverwaltung, die Gästehäuser, die Außenanlagen und der Kuckauer Hof wurden renoviert und den heutigen Anforderungen angepasst.
Möge der Herr ihm seinen frohen Einsatz und all seine Mühen reichlich segnen und mit den himmlischen Freuden lohnen.

M. Benedicta Waurick, em. Äbtissin der Zisterzienserinnen-Abtei St. Marienstern





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