Leipziger Propstei kehrt in die Innenstadt zurück

Leipzig, 9. Mai 2015. Im Beisein des Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Nikola Eterovic, des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und zahlreicher weiterer Gäste wurde heute in Leipzig der Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis in einem feierlichen, zweistündigen Gottesdienst geweiht. Zur Überraschung der meisten Gemeindemitglieder und Besucher begann der Weihegottesdienst mit einer an Gemeinde und Anwesende gerichtete Grußbotschaft des Papstes, die der Nuntius überbrachte.

„Kein Solitär in einer fremden Umgebung“

„Die Weihe der neuen Propsteikirche in Leipzig“, schrieb der Heilige Vater, “ist ein besonderer Tag der Freude für die katholische Gemeinde wie auch für alle Menschen in dieser Stadt und über ihre Grenzen hinaus. Heute eine Kirche im Herzen einer großen deutschen Stadt zu bauen und so dem Glauben an den dreifaltigen Gott mitten im Leben sichtbaren Platz zu geben, ist ein Zeichen der Hoffnung und der Zukunft.“

Propsteiweihe in Leipzig.Auf die besondere Geschichte der Gemeinde eingehend, erklärte der Papst: „Es fehlte zunächst ein eigenes Gotteshaus als lebendiger Mittelpunkt, als Stätte der Begegnung mit Gott und des Austauschs der Menschen untereinander. Zweimal wurde das Bestreben, Heimat zu finden, im wahrsten Sinne in die Luft gesprengt.“ Die Kirche werde „kein Solitär in einer fremden Umgebung bleiben“, sagte Franziskus. „Sie streckt ihre Arme der Stadt entgegen und gibt sich ihr als Geschenk.“

Auch der Apostolische Nuntius blickte in die Geschichte der Gemeinde: „70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wird heute in Leipzig eine lange vergessene Wunde der Zerstörung durch einen Neubau geschlossen.“ Die Kirche sei „im Zentrum einer weithin säkularisierten Stadt errichtet“ worden. In ihrer Architektur drücke sie „die Wahrheit aus, dass auch der moderne Mensch nötig hat, sich zum Himmel, zu Gott hin auszustrecken wie der weithin sichtbare Turm.“

Dr. Heiner Koch, Bischof des Bistums Dresden-Meißen, wies in seiner Predigt darauf hin, dass in diesen Tagen die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Leipzig vor genau 1000 Jahren gefeiert werde. Die Urkunde betraf ausgerechnet die Nachricht vom Tod des katholischen Bischofs Eido, der im Jahr 1015 „in der Burg Leipzig Christus seine treue Seele zurückgab“. Der Bischof dankteWeihegottesdienst in Leipzig. seinem unmittelbaren Vorgänger, Bischof Joachim Reinelt, für den Startschuss des Bauvorhabens, ebenso dem früheren Propst Lothar Vierhock und dem frisch ernannten Nachfolger Propst Gregor Giele. Und er dankte „den evangelischen Schwestern und Brüdern für ihr so glaubwürdiges Miteinander in vielen Jahrzehnten. Die Glocken der evangelischen Nikolai- und der Thomaskirche sind mit den Glocken unserer Trinitatiskirche abgestimmt. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn sie zum ersten Mal zusammen ihre Stimmen in der Stadt Leipzig erheben.“

Dank an Leipziger für Solidarität

Der Bischof dankte den Architekten, Künstlern und Bauleuten für ihre Arbeit und „der Stadt Leipzig, ihren Verantwortlichen und ihren Bürgerinnen und Bürgern für ihre Solidarität“. Er machte den Gemeindemitgliedern Mut: „Gut, dass es diese Trinitatisgemeinde hier in Leipzig gibt, so lebhaft, so bunt, so vielsprachig. Ohne Sie, ohne die Gläubigen, wäre der Neubau eine tote Hülle. Durch sie wird der Bau zu einem lebendigen Ort des Glaubens und der Gemeinschaft.“ Bischof Koch ging auch auf die von dem amerikanischen Künstler Jorge Pardo gestalteten liturgischen Orte und auf das von dem Leipziger Künstler Falk Haberkorn geschaffene, 22 Meter lange und gut drei Meter hohe Fenster zum Martin-Luther-Ring ein. Das Fenster macht, je nach Beleuchtung, die Worte des alten oder des neuen Testaments   nach außen sichtbar: „Gott ist hier gegenwärtig im Wort der Heiligen Schrift, für das der Ambo steht und unsere Kirchenfenster, die die Worte der Heiligen Schrift zum Strahlen bringen“, sagte der Bischof. „Er ist da für jeden Einzelnen, der diese Kirche betritt, betend oder fragend, hoffend, trauernd, verzweifelt oder dankbar.“

Mit der Weihe der neuen Kirche geht ein lang gehegter Wunsch der Propsteigemeinde in Erfüllung. Die mehr als 300 Jahre alte zentrale katholische Gemeinde Leipzigs verlor im Jahr 1943 ihre 1847 errichtete neogotische Kirche bei einem Bombenangriff. Gegen das Versprechen der SED-Machthaber, den Bau einer neuen Kirche am alten Ort errichten zu dürfen, willigte die Gemeinde in die Sprengung der schwer zerstörten Kirche ein. Nach der Sprengung im Dezember 1954 zogen die SED-Behörden das Versprechen zurück. Erst Ende der 1970er Jahre wurde eine Baugenehmigung für ein sumpfiges Gelände außerhalb der Innenstadt erteilt. Die zweite Propsteikirche wies schon nach wenigen Jahren Schäden auf, die schließlich so untragbar wurden, dass der heutige Neubau notwendig wurde. Die Leipziger Pfarrei St. Trinitatis ist zudem in den letzten 20 Jahren von 1.934 auf 4.700 Mitglieder angewachsen zur inzwischen stärksten Pfarrei des Bistums Dresden-Meißen. Der Standort des Neubaus in der Innenstadt liegt unweit der ursprünglichen, ersten Propsteikirche. 4,2% der Einwohner Leipzigs sind katholisch. Ihr Anteil an der Bevölkerung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen.

Besondere Beachtung des Nachhaltigkeitsgedankens – DBU half

Die neue Propsteikirche wurde entworfen von dem Leipziger Büro „Schulz & Schulz Architekten“. Der Bau umfasst die Kirche und ein Gemeindezentrum, dazu die Wohnungen für Priester und Hausmeister. Sie fällt auf wegen ihrer durchgehend aus „Rochlitzer Porphyr“ gemauerten Fassade. Der rote Vulkan-Stein ist in Leipzig und in Mitteldeutschland ein seit Jahrhunderten verwendeter Baustoff. Die Kirche entstand direkt gegenüber dem Leipziger Neuen Rathaus, bleibt jedoch mit ihrem 50 Meter hohen Turm deutlich unter der Höhe des weltlichen Nachbargebäudes. Ein besonderes Merkmal des Neubaus ist die konsequente Beobachtung des Nachhaltigkeitsgedankens, die in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) erfolgte. Schon beim Architektenwettbewerb wurden die Entwürfe an 20 ergänzenden Kriterien der Nachhaltigkeit gemessen.

Die Heizung und Kühlung erfolgt über 18 Erdsonden in 140 Metern Tiefe. An der Südseite des Kirchturms wurden 144 Quadratmeter wie eine Intarsienarbeit in die Porphyrfassade eingehängt. Auf dem Kirchendach wurden weitere 333 Quadratmeter klassisch aufgestän-dert. Der erzeugte Strom entspricht dem Bedarf von 20 statistischen Musterhaushalten Ein eigener Brauchwasser-Kreislauf verringert den Trinkwasserverbrauch erheblich. Für die Beleuchtung wurden fast durchgängig LED-Leuchten verwendet. Das gesamte Gebäude ist vorbildlich und langlebig gedämmt. Mit einem Anteil regenerativer Energie von etwa 76% erzeugt es den Großteil der Energie, die es braucht, vor Ort selbst.

Orgel und Glocken erst in einigen Monaten fertig

Eine Orgel der baden-württembergischen Firma Vleugels wurde bereits eingebaut. Bis zur Orgel-Einweihung werden aber noch etliche Wochen vergehen. Am Tag der Weihe wird ein mobiles Instrument verwendet. Die neue Orgel wird nach Fertigstellung 45 Register haben und 2.716 Pfeifen. Der Glockenstuhl steht ebenfalls noch für dieses Jahr aus. Er wird für ein Geläut von sechs Glocken ausgelegt sein, vorerst aber nur fünf Glocken tragen. Zwei dieser Glocken stammen aus der bisher genutzten Kirche. Eine kleine, noch aus der im Krieg zerstörten ersten Trinitatis-Kirche verbliebene c-Glocke hatte vor einigen Wochen Berühmtheit erlangt, weil ausgerechnet sie Schwingungen erzeugte, die auf Dauer den Turm zu beschädigen drohten. Sie soll nun einen eigenen Platz bekommen.

Für Propst Gregor Giele, der den gesamten Bau von Anfang bis zur heutigen Weihe zunächst als Pfarrer und seit Kurzem im neuen Amt begleitet hat, ist die Ausnahmesituation einer bauenden Gemeinde ohnehin noch nicht zu Ende: „Wir brauchen noch einige Wochen, bis die Orgel einsetzbar ist. Die Glocken werden wohl erst zum Jahresende gegossen sein. Und dann beginnt wieder eine Zeit, die vergleichbare Einsatzfreude von uns verlangt – die Mitwirkung an der Vorbereitung des Katholikentages in Leipzig im nächsten Jahr.“


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Fotos / Bildtexte: Michael Baudisch und Elisabeth Meuser



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