Sonntagsworte ...

29. Sonntag im Jahreskreis
am 22. Oktober 2017


zu Mt 22,15-21

 

Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen (Mt 22,15).

Sonst zerstritten, vereinigt sich nun die Gegnerschaft Jesu:

Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen (Mt 22,16a) und ihn schachmatt zu setzen.

Eine solche Aktion beginnt in der Regel mit Schmeicheleien:        

Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst (Mt 22,16b).

Darauf folgt die verhängnisvolle Frage: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? (Mt 22,17) – für Jesus in dieser Situation eine böse Falle. Antwortet Jesus mit Ja, wäre er ein Verräter seines Volkes, ein willfähriger Diener dieser römischen Besatzungsmacht, die ihren Kaiser göttlich verehrte. Damit wäre Jesus unter gläubigen Juden erledigt. Antwortet Jesus mit Nein, hätte man ihn den Römern als Volksverhetzer ausliefern können.

Jesus erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? (Mt 22,18). Er entlarvt diese Gesandtschaft mit seiner Gegenfrage, womit dieser hinterhältige Versuch schon abgewehrt ist. Doch nun benutzt Jesus diese hinterhältige Frage für einen bedeutsamen Lehrversuch.

Zunächst fordert er sie auf, Farbe zu bekennen:

“Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt!”

Da hielten sie ihm einen Denar hin (Mt 22,19), auf dem der göttliche Kaiser abgebildet war. Sie haben also bereits das Steuergeld für den Kaiser griffbereit. Nun fragt Jesus: Wessen Bild und Aufschrift ist das? – Der Frage folgt die klägliche Antwort: „Des Kaisers” (Mt 22,20f), müssen die Gegner zugeben. Die Frage an Jesus nach der Erlaubtheit der kaiserlichen Steuer war also nicht ehrlich, sondern hinterhältig – von den Fragern längst entschieden. Jesus fasst nun zusammen: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört“.

Doch nun folgt der akzentuierte Lehrsatz Jesu:

„Gebt aber Gott, was Gott gehört!“ (Vgl. Mt 22,21b) – worauf die Pharisäer-Schüler den Rückzug antreten: Als sie das hörten, waren sie sehr überrascht, wandten sich um und gingen weg (Mt 22,22).

"Gebt Gott, was Gott gehört!" – Wie ein Posaunenstoß ertönt dieses Wort Jesu über allem kleinkarierten Gezänk in unserer Menschenwelt voller Rechthaberei und Wichtiggetue, Feindschaft und Hinterhältigkeit. Dieses Wort gilt für die Menschen aller Kontinente, aller Zeitepochen und Gesellschaftsordnungen – ein Wort, das auch unter uns Ordnung schaffen und sogar Frieden stiften kann.

Dabei könnte uns die heutige Lesung aus dem ersten Thessalonicherbrief weiter helfen. Paulus freut sich über die dortige Gemeinde und schreibt lobend:

Unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater, an das Werk eures Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus (1 Thess 1,3).

Ein Prüfstein für lebendiges Christentum ist die Frage, ob Glaube, Liebe, und Hoffnung nur abstrakte Begriffe sind oder ob diese Göttlichen Tugenden Eingang in den Alltag der christlichen Gemeinde gefunden haben.

Der Glaubende schaut vertrauensvoll auf Christus und gestaltet tatkräftig seine Alltagswelt. Bekennen und Handeln werden eins und somit echt. Der Glaube folgt Christus nach, auch wenn diese Nachfolge zu einem Kreuzweg werden kann.

In einem solchen Glauben sind Hoffnung und Liebe stets gegenwärtig. Ein solcher Glaube schenkt ein neues Verhältnis zu Gott und zu den Menschen – eine neue Lebenspraxis in Aktion und Passion.

Die Liebe ist die Innenseite dieses Glaubens. Wie Gott liebt, ist in Jesus Christus sichtbar geworden. Auf diese selbstlose Liebe Gottes will der wahrhaft Glaubende und Liebende Antwort geben. Deshalb übernimmt er Dienste, die weniger attraktiv sind, die man nicht abrechnen kann, die keiner sieht und honoriert, die im Hilfsbedürftigen den Bruder bzw. die Schwester erkennt und Dienste leistet, die mühevoll, aber notwendig sind – Tätigkeiten, die Opferbereitschaft voraussetzen, egal ob der Hilfsbedürftige sympathisch ist oder nicht.

Die Hoffnung, die aus Glaube und Liebe erwächst, ist kein naiver Optimismus. Das übliche Erfolgsdenken, das unser Tun oft genug beeinflusst, passt da nicht hinein.

Wenn der Erfolg auf der Hand liegt, fällt das Handeln leicht. Die Erwartung des Herrn – der Grund aller Hoffnung – verlangt treue Ausdauer.

Eine derart motivierte Standhaftigkeit überwindet Furcht, Frust, Resignation oder gar Verzweiflung in unserer Lebenszeit – in Höhen und Tiefen, bei Erfolg  oder Misserfolg.

Wo Glaube, Liebe und Hoffnung in Vertrauen, in Mühe und Standhaftigkeit deutlich werden, ist der Geist Jesu am Werk und wir geben damit Gott, was Gott gehört.   Amen.



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