Als die Stunde kam...

Hoffnung die trägt

Die fünf jungen Männer Czeslaw Jozwiak, Edward Kazmierski, Jarogniew Wojciechowski, Franciszek Kesy und Edward Klinik waren gute Freunde. Sicherlich lag es daran, dass sie sich teilweise schon als Schüler im Oratorium der Salesianer Don Boscos in Posen kennen gelernt hatten und nun selbst in der katholischen Jugendorganisation engagiert waren. Neben ihren privaten und beruflichen Plänen war es das Vorbild Don Boscos, das sie zusammenbrachte und ihr Leben wesentlich mitbestimmte: Anfang 1940 traten sie in die regionale Untergrundbewegung "Freiwillige Armee der Westlichen Gebiete" ein und kamen im September in Haft. Edward Klinik wurde am 21. September während seiner Arbeit verhaftet. Die anderen Verhaftungen folgten zwei Tage darauf. Von Beginn ihrer Gefängnisaufenthalte an mussten sie den Hohn und die Verachtung der Gestapo spüren. Hinzu kam der Hunger und die Unsicherheit über das, was mit ihnen passieren sollte.

Im April 1941 erfolgte die Verlegung nach Berlin Spandau. Dies war der erste Ort, wo sie etwas mildere Haftbedingungen erlebten. Nun gab es sogar Zeit für das gemeinsame Beten und Singen; sogar Zeitungen und Bücher durften sie lesen. Die Nachfolge Christi von Thomas von Kempen wurde ihre wichtigste Lektüre.

Im Mai 1942 erfolgte die Verlegung in das Zuchthaus nach Zwickau, das ausschließlich für politische Gefangene bestimmt war. Waren hier die Unterbringung und die Art der Arbeit zwar um ein vielfaches drückender und härter, so schauten die Freunde doch voller Zuversicht nach vorne, bald das Gefängnis verlassen zu dürfen. Ihre Hoffnung wurde durch die Entlassung eines Zellengenossen gestärkt und spiegelte sich in ihren Briefen wieder.

Der Verhandlungstermin vor dem Strafsenat des Oberlandesgerichts aus Posen sollte am 1. August 1942 auf einer Reisesitzung in Zwickau stattfinden: Angeklagt wegen Vorbereitung eines Staatsstreichs zwecks Trennung eines Teils des deutschen Staates vom Reich. Die Verhandlung dauerte nur kurz und noch kürzer fiel die Beratung aus. Dann mussten die jungen Männer ein Urteil entgegen nehmen, das sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf: Wegen Hochverrats wurden die fünf jungen Männer zum Tode verurteilt. Die letzte Station ihres Martyriums führte sie nach Dresden. Am 24. August 1942 zwischen zwanzig und einundzwanzig Uhr, so hatten es ihnen die Verantwortlichen mitgeteilt, sollten die Urteile vollstreckt werden.

Es war ein heißer Tag wie im Hochsommer, den die fünf jungen Männer hinter den dicken Mauern der Todeszelle im Landgericht am Münchner Platz aber nicht spürten. Ihre letzten Briefe an die Eltern und Geschwister entstanden hier. Im Angesicht des Todes schrieb Franciszek Kesy: "Meine geliebten Eltern und Geschwister! Es ist der Moment des Abschieds von Euch gekommen und das eben am 24. August, am Tag Marias der Helferin der Gläubigen... Gott der Gute nimmt mich zu sich. Trauert nicht, dass ich diese Welt so jung verlasse. Ich bin im Zustand der Gnade und ich weiß nicht, ob ich später meinem Versprechen treu bleiben würde ... Ich gehe in den Himmel, auf Wiedersehen. Dort im Himmel werde ich Gott bitten ... Betet manchmal für mich ... Ich gehe schon."

Als man in der Zelle Nr.3 die Schritte aus dem Gang hörte, erhoben sich die jungen Männer und gaben sich wortlos die Hand, um gemeinsam den letzten Weg zum Schaffot anzutreten.









Richtstätte
Ehemalige Richtstätte am
Münchner Platz in Dresden

Zelle
Eine Todeszelle

Fallbeil
Das Fallbeil


Notiz des Gefangenenseelsorgers Pater Bänsch auf der Rückseite eines Gefangenenblattes zu den letzten Lebensminuten von den Fünf und drei weiteren polnischen Gefangenen, verurteilt vom Oberlandesgericht Posen und am 24. August 1943 enthauptet. Der jüngste war 19 Jahre, der älteste 23. Der Text der Notiz lautet:

"Alle 8 sind ut hominos sancti in die Ewigkeit gegangen, einer schrieb nach Hause, ich freue mich, sterben zu können. Aus allen Briefen sprach ein unerschütterlicher Glauben an die ewige Seligkeit. Es waren nach der Verkündigung nur zwei Stunden Zeit, in der alle noch einen Brief schrieben, beichteten und kommunizierten. In die letzten Gebete drang ein Wachtmeister in die Zelle und rief: "Aufhören, fertig machen!" Kurz vor 9 Uhr abends stimmten die Gefangenen ein religiöses Lied an, das sie in ihrer Muttersprache mit verhaltenen Stimmen sangen. Der Wachtmeister drang wieder in die Zelle ein und rief: "Aufhören, singen verboten!" Ich war in der Zelle anwesend. Zum Schluß, kurz bevor der erste hinausgeführt wurde, baten sie: Hochwürden, halten Sie das Kreuz recht hoch, damit wir es sehen. Jeder ist stillschweigend zum Fallbeil gegangen."

Pater Bänsch
Pater Bänsch
Pfarrei St. Paulus Dresden


Quellen:
1. Wierni do konca, Marian Orlon (Bis zum Ende treu)
2. Die Ungewißheit ist schlimmer als die traurigste Wahrheit, Christa Herkt



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