Sonntagsworte ...

3. Ostersonntag
am 15. April 2018

In einer Gruppe junger Christen entstand folgender Text:

"Wenn Jesus nicht in uns aufersteht, wenn Jesus nicht bald zu leben beginnt in unserem Denken, im Handeln von vielen Millionen Menschen auf der Erde, dann werden wir alle miteinander krepieren!

Und dieses Auferwecken des Jesus von Nazareth in uns muss dringend bald geschehen im Bewusstsein der Menschen; wir brauchen einen festen Haken, an dem man eine neue Welt hängen kann, und das ist Jesus, wenn er in uns lebt."

 

Dieser Text will provozieren - zumindest aber wach rütteln. Ich sehe in den heutigen Perikopen eine große Zustimmung zu diesem "wilden Text".

 

Nach Lk 24,35 erzählten die Emmaus-Jünger, was sie unterwegs erlebt und wie sie den Auferstandenen erkannt hatten, als er das Brot brach. Doch das löste in der Apostelversammlung offenbar keine Zustimmung oder gar Begeisterung aus.

Wir lesen: Während sie noch darüber redeten – wohl noch ohne daran zu glauben – trat ER selbst in ihre Mitte (Lk 24,36). Die Reaktion der Apostel:  

Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen (Lk 24,37).

Der Auferstandene aber kennt seine Jünger und spricht sie entsprechend an:

Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? (Lk 24,38)

Geduldig erklärt Jesus: Seht meine Hände und meine Füße: Ich bin es. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht (vgl. Lk 24,39).

Er zeigt seine Hände und Füße (s. Lk 24,40) mit dem Ergebnis:

Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben (Lk 24,41).

Daran änderte offenbar auch das kleine Frühstück vor den Jüngern nichts:

Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen (Lk 24,42f) – wohl um zu dokumentieren, dass eben kein Gespenst vor ihnen steht. Noch waren die Jünger in irdischen Ansichten gefangen – in einer begrenzten, vom Tod gezeichneten Welt ohne österliche Perspektiven. Sie sahen die Ereignisse nur “von unten” – wie die Jünger auf ihrem Weg nach Emmaus, die “dem Fremden” erzählten:

Einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurück kamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht (Lk 24,22ff). Damit war Ostern für sie erledigt.

Jesus war noch nicht IN seinen Jüngern auferstanden.

Ganz anders berichtet die Apostelgeschichte – s. unsere Lesung – vom Ostergeschehen, das die Jünger inzwischen erfasst hat.

Petrus, der vor einer Magd seinen Freund Jesus verleugnet hatte, wandte sich auf einmal ganz furchtlos und unerschrocken an das Volk und die entsprechende Obrigkeit und verkündete vor einer großen Versammlung: Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht – und hält seinen Zuhörern bedenkenlos ihren schmählichen Verrat beim Prozess Jesu vor – den ihr verraten und vor Pilatus verleugnet habt, obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen (Apg 3,13).

Unmissverständlich geißelt Petrus dieses nun unfassbare Unrecht, das gegen Jesus inszeniert worden war: Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und die Freilassung eines Mörders gefordert (Apg 3,14).

Dieser traurigen Klarstellung lässt Petrus nun verdeutlichend eine peinliche Gegenüberstellung folgen - Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt - die er mit dem Bekenntnis der Apostel bekräftigt: Dafür sind wir Zeugen! (Apg 3,15) Dem folgt eine wohl kaum schmeichelhafte Beurteilung: Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt, ebenso wie eure Führer (Apg 3,1). Darauf schließt unsere Lesung mit der apostolischen Mahnung: Also kehrt um, und tut Buße, damit eure Sünden getilgt werden (Apg 3,19).

Petrus ist nicht wiederzuerkennen, was auch für alle anderen Apostel gilt.

Der Geist des Auferstandenen hat sie erfasst.

Wie aber soll die Umkehr geschehen?

Wir sollten zusammen feiern, womit wir in unseren Gemeinden vielleicht längst begonnen haben. Jeder müsste sich in das große, gemeinsame Programm einschalten und aus seiner Isoliertheit heraus treten in die große, österliche Kommunion. Denn der Tod herrscht überall dort, wo Menschen isoliert sind.

Die guten Kräfte müssen kommunizieren, müssen Gewicht bekommen, müssen ihre neue Sprache finden.

Das schlug der Auferstandene schon seinen Jüngern im Evangelium vor:

Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden (Lk 24,44ff).       

Dann könnte ein Fest des Lebens, des Friedens, der Freude – eine große Kommunion zustande kommen, die alle Wände durchbricht, durch die Menschen von Menschen getrennt werden.

Ein solches Osterfest könnte zugleich ein wahres Pfingstfest werden: ein Sich-Verstehen aller mit allen, wie die Apostelgeschichte vom ersten Pfingsten berichtet.

Ihr seid Zeugen dafür! (Lk 24,48) wird uns nun zu Ostern vom Auferstandenen zugerufen. Er will wie in seinen Jüngern auch in uns auferstehen und durch uns die ganze Welt österlich erblühen lassen als Reich Gottes unter den Menschen (vgl. Lk 17,21; Offb 21,3).

 



RSS-Feed | Newsletter | Sitemap | Impressum | Datenschutz