Sonntagsworte ...

Christkönigsfest
am 26. November 2017

                 

Dieses Hochfest feiern wir heut am letzten Sonntag des Kirchenjahres. Wir schauen somit dem Herrn der Zeit und der Ewigkeit entgegen, der auf uns zu kommt zu richten die Lebenden und die Toten.

Dieser König will allerdings nicht nach den Maßstäben unserer Welt herrschen und richten. Sein Reich ist anders als unsere Reiche – es ist nicht von dieser Welt (s. Joh 18,36):

Er setzte Selbsthingabe an die Stelle von Selbstbehauptung.
Er war nicht auf seine Position bedacht, es ging ihm um uns.
Er forderte nichts für sich, er gab.
Er ließ sich nicht bedienen und wollte erst recht nicht verdienen, er diente.
Er wusch den anderen nicht den Kopf, sondern die Füße (s. Joh 13,3-15).

Genau in diese Richtung verweist uns das heutige Evangelium (Mt 25,31-46). Dieser "König" im Evangelium identifiziert sich mit den Benachteiligten unserer Welt – Er spricht im heutigen Evangelium:

Ich war hungrig,                   und ihr habt mir zu essen gegeben;
ich war durstig,                    und ihr habt mir zu trinken gegeben;
ich war fremd,                      und ihr habt mich aufgenommen;
ich war nackt,                      und ihr habt mir Kleidung gegeben;
ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich besucht (Mt 25,35f).

In unserer Welt aber ist die Praxis ganz anders. Auch das steht in unserem heutigen Evangelium:

Ich war hungrig,                   und ihr habt mir nichts zu essen gegeben;
ich war durstig,                     und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
ich war fremd,                      und ihr habt mich nicht aufgenommen;
ich war nackt,                       und ihr habt mir keine Kleidung gegeben;
ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht (Mt 25,42f).

Diese traurigen Erfahrungen ließen sich noch weiter fortsetzen.

Die Tatsache der Passion Jesu deutet sich darin an, aber auch die Tatsache der Passion vieler Menschen unserer Welt findet darin ihren Ausdruck.

Diese schlichte Aufzählung von menschlichen Nöten setzt sich leider auch in unseren Tagen in noch viel schlimmeren Tatsachen fort. Hilfe tut not!

Das Evangelium will uns deutlich machen, dass unsere Hilfsbereitschaft genau der richtige "Gottesdienst" wäre und uns mit Christus fester verbinden würde. Wir werden erinnert:

Der König wird ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.                        

Aber auch:

Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan (Mt 25,40/45).

Die Könige unserer Weltgeschichte ließen Menschen für sich sterben – Jesus ist für die Men­schen gestorben – für uns. Deshalb haben wir keine andere Mission zu erfüllen als die Jesu. Er weist uns eindeutig einen Weg, der das Spiel mit der Macht durchkreuzt. Kirche Christi ist dort, wo sie nicht sich selber lebt, sondern für die anderen da ist, wo sie sich für die Rechtlosen einsetzt und das Recht derer vertritt, denen Unrecht widerfährt. Kirche Christi ist dort, wo sie nicht nur ihre eigene Sache vertritt, sondern die Sache derer, die durch niemanden sonst vertreten werden.

Deshalb wächst Kirche Christi dort, wo von der Selbsthingabe mehr erwartet wird als von der Selbstbehauptung.

Bei aller dafür notwendigen Logistik aber sollten unsere Hilfsmaßnahmen im Geiste Jesu geschehen, dann ist er in Wahrheit unser König.

Christus kam in unsere Welt, um uns als seine Geschwister anzusprechen und in sein göttliches Ich aufzunehmen.                           

Der Apostel Paulus vergleicht unsere Kirche mit den vielen Gliedern des Leibes (s. 1 Kor 12,12-31), die trotz ihrer Vielheit eine Einheit bilden.

Dennoch gibt es in diesem Leib krasse Diskrepanzen: Glieder, die es sich recht gut gehen lassen, und Glieder, die hungern, dürsten, frieren, krank sind, auf der Flucht sind ...

Jedes Glied dieses Leibes hat seinen besonderen Auftrag – auch wir. Jeder von uns sollte sich fragen: Erfülle ich meinen Auftrag nicht, weil ich nur meine eigenen Interessen, Wünsche und Ziele verfolge, dann kann die Kirche ihre Sendung in dieser Welt nicht so verwirklichen, wie es möglich und nötig wäre. Wenn auch ich als ein lebendiges Glied in ihr im Geist Jesu wirksam werde, habe ich meine Berufung verstanden und angenommen, erfülle meine Aufgabe und kann andere Menschen Kirche erfahren lassen.

Was Kirche ist, erleben wir in ihrer beglückenden und Gemeinschaft stärkenden Kraft erst dann, wenn wir in ihr lebendige und wache Glieder sind. 

Genau das bewirkt der Geist Jesu. Seine Kraft durchdringt die Kirche. Deshalb feiern wir ja auch Pfingsten. Er ist jener innere Antrieb, der uns aus dem Gefängnis unserer Selbstsucht und Gleichgültigkeit ausbrechen lässt. Wo wir uns von diesem Geist ergreifen lassen, da ist Leben, das uns selbst und andere zur Freiheit der Kinder Gottes führt.

Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist
(1 Kor 2,12).

Wer nicht darauf wartet, bis seine Umgebung eine bessere geworden ist, sondern sein eigenes Denken ins Positive wendet, erneuert nicht nur sein Leben, sondern auch das Angesicht jener Welt, in der er lebt.

Er tritt ins Licht Christi, rettet in Not geratene Brüder und Schwestern – ungerecht benachteiligte Glieder des einen Leibes – und geht bewusst Christus, dem König, entgegen, der am Kreuz, dem großen Plus unserer Weltgeschichte, seine Gerechtigkeit im Erbarmen für uns alle verwirklicht hat. Christus ist König, weil seine Liebe die Menschen zu­sammenführt und erneuert.

Lasst uns seinem Wort folgen, indem wir anderen in ihrer Not beistehen und dadurch ihm dienen und ihm mit Zuversicht entgegengehen können!         Amen.

 

 

Vgl. Karljosef Lange, Das Wort an die Gemeinde, Bd. C II Evangelien, S. 366-373

Vgl. Rudolf Stertenbrink, In Bildern und Beispielen, Herder-Verlag 1995, Bd. 1, Kap. 31 

 

 

 



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