Sonntagsworte ...

3. Sonntag im Jahreskreis
am 21. Januar 2018


Im heutigen Evangelium fasst Markus den Inhalt der Botschaft Jesu in einem genialen programmatischen Satz zusammen, der gleichsam die Überschrift über sein Evangelium ist.

Jesus verkündet: Die Zeit ist erfüllt,
                            das Reich Gottes ist nahe.
                            Kehrt um,
                            und glaubt an das Evangelium! (Mk 1,15)

Schon sehr lange wartete Israel auf den verheißenen Messias – den wahren König, Priester und Propheten. Nun kommt der Verheißene mit dem unscheinbaren Namen: Jesus aus Nazareth.

Damit gilt für Israel: Die Zeit ist erfüllt!

Aber auch für Rom erfüllt sich die Zeit, wenn auch in ganz anderen Bereichen. Für diese Weltstadt war der Gipfelpunkt erreicht im Herrschen über viele Völker in einem großen Reich, das sich über drei Kontinente erstreckte, mit der Organisation seiner Machtausübung durch ein ausgefeiltes Reichsgesetz, einer beachtlichen Disziplin im Heer, einer Währung, einer genialen Infrastruktur, einer erstaunlichen Kriegskunst, seiner großartigen Bautätigkeit – alles war so perfekt wie noch nie in der damaligen Welt.  

Die Zeit ist erfüllt! Der Höhepunkt erreicht.

Die Griechen – von den Römern besiegt, dennoch die Lehrer der Römer – hatten mit ihrer Philosophie, ihrer Kunst in Dichtung, ihren Dramen und Tragödien, ihrer vollkommenen Architektur, Bildhauerei und Malerei eine Höhe erreicht, die alles bisherige in den Schatten stellte. Auch für sie galt:

Die Zeit ist erfüllt!  Absolute Höhepunkte waren erreicht.

Gleichzeitig aber starb der Glaube an die Götter und damit auch jede Ethik bei diesen Völkern. Moralische Abgründe taten sich auf. Erschreckende Sittenlosigkeit, Korruption, Grausamkeit und unersättliche Begierden in der Gesellschaft machten sich breit, was in den griechischen Dramen und den römischen menschenverachtenden Spielen zum Ausdruck kam.

Dennoch sehnte man sich nach echter Religion und interessierte sich sehr für entsprechende Ideen, die gelegentlich aus dem Orient nach Europa gelangten.

Die Zeit war voller Erwartung – reif für etwas Neues, Großes.

Somit formuliert Markus in vieler Hinsicht sehr treffend:

Die Zeit ist erfüllt – für die ganze Welt.

Man kannte viele untergegangene Reiche, die alle letztlich enttäuscht hatten. Man ahnte, dass auch das Römische Reich nicht ewig bestehen wird, was die Aufstände im Osten und die Drohungen aus dem Norden deutlich machten.

Unter diesen Begleitumständen predigte Jesus:

„Das Reich Gottes ist nahe!“ das sich von allen Reichen dieser Welt beträchtlich unterscheidet; er konkretisierte es gleichsam mit seinen Heilungen und Wunderzeichen und machte es erfahrbar durch seine Güte und Menschen-freundlichkeit und letztlich in seinem Gehorsam zu seinem Gott bis in den Tod und letztlich in seiner Auferstehung von den Toten. Der Mensch gewordene Gottessohn Jesus Christus ist der Anfang dieses Gottesreiches in unserer Welt. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen für seine Zuhörer – damals wie auch heut:

  1. Kehrt um! - d.h. besinnt euch auf die schenkende Güte Gottes, auf die Regeln Gottes, stellt alles Unrecht ab, werdet selbstkritisch, hinterfragt eure Lebenspraxis und -
  2. Glaubt an das Evangelium! - Hört auf das Wort Jesu, denkt, redet und handelt nach der Liebe, nach der sich jeder Mensch sehnt, die Jesus sehr konkret in seinem irdischen Leben verwirklicht hat.

Die Menschen aller Jahrhunderte und aller Kontinente sind dazu eingeladen. Deshalb hat Christus seine Kirche gegründet, die als 'Zeichen und Werkzeug' weltweit die Menschen auf dieses Reich Gottes hin anspricht, versammelt und führt.

Für diese große Aufgabe sucht Jesus im heutigen Evangelium Jünger, die ihm bedingungslos und konsequent folgen, wie unser heutiger Abschnitt aus dem Evangelium des Markus berichtet.

Die beiden Fischer vom See Genezareth Simon – der spätere Petrus und sein Bruder Andreas – sind nach Mk die ersten beiden Jünger, die ihm folgen. Sie lassen sich herausrufen aus ihrer Welt, um einer größeren zu dienen und sie zu gewinnen.

Ebenso konsequent folgen die beiden Brüder Jakobus und Johannes – von ihrem Vater Zebedäus ohne Widerspruch aus dessen Fischereibetrieb freigegeben.

Seit 2000 Jahren wirkt dieser Satz, diese Botschaft, dieses Angebot Gottes in unserer Welt. Zu allen Zeiten fanden und finden sich Menschen, die diesen Ruf Jesu hören und befolgen. Gott will das Heil für uns alle. Er will letztlich alle Menschen in seinem Reich versammeln. Deshalb schickte er schon Jona nach Ninive – s. unsere heutige Lesung – und ließ seine Heilsbotschaft ausrichten. Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Da reute Gott das Unheil, das er ihnen angedroht hatte, und er führte die Drohung nicht aus (Jona 3,10).

Auch heut ergeht sein Ruf und noch immer gilt sein Angebot.

Trotz aller Fortschritte erkennen auch wir die Begrenztheit unserer Welt und den Frust vieler unserer Zeitgenossen. Wir sehen aber auch das Bemühen um die Mängel in unserer heutigen Gesellschaft und die rätselhafte Hoffnung in den Menschen, die für eine bessere Welt aktiv sind. Wir werden durch die heutige Botschaft erinnert an Möglichkeiten, die uns in die Hände gegeben sind und die wir nutzen sollten:

Uns ist ja eine große Hoffnung geschenkt. Wir wissen um die Zusage Gottes an uns. sein Reich zu erben; kennen die Richtung seines Bemühens: Das Reich Gottes – der neue Himmel und die neue Erde; dürfen uns als berufene und ernst genommene Mitarbeiter Jesu verstehen und können sicher sein, dass Gott letztlich alles vollenden wird – auch das, was wir nicht schaffen können.

Denn was er begonnen hat, vollendet er auch.

Mit diesen großen Vorzeichen und Anregungen sollten auch wir uns rufen lassen zu den Aufgaben, die in unserer Welt, in unserer Kirche, in unserer Gesellschaft, in unseren Familien, in unserer eigenen Lebenspraxis übernommen und erledigt werden sollten.                                                               Amen.

 

 



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