Bonifatiuswerk 2017

Auszug aus dem Brief vom Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken an den Generalvikar des Bistums Dresden-Meißen:

Paderborn, 13. Juli 2017

Förderung der katholischen Tageseinrichtungen für Kinder

BonifatiuswerkWie Sie wissen, hat das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken e.V. im Jahr 2015 eine umfangreiche Evaluierung der religionspädagogischen Arbeit der Tageseinrichtungen Ost und der Förderung durch das Diasporahilfswerk in Auftrag gegeben und durchführen lassen. Im Gefolge dessen hatte ja der damalige Generalvorstand in seiner Sitzung vom 16. November 2016 eine Modifizierung seiner Vergabepraxis ab dem 01. Januar 2018 beschlossen. Das angedachte Verfahren haben wir Ihnen im Brief vom 09. Februar 2017 mitgeteilt. Ergänzend zu unseren damaligen Ausführungen möchten wir hiermit noch einmal betonen, dass es uns insgesamt selbstverständlich nicht um eine Reduzierung der Mittel oder um eine unzumutbare Verkomplizierung des Verfahrens gehen soll, sondern um eine Fokussierung der Ausgaben für die Fort- und Weiterbildung im religionspädagogischen Bereich (75 % der eingesetzten Gelder) und eine transparente Darstellung der erfolgten Maßnahmen. Grundsätzlich geht es uns um die Vermeidung eines "Gießkannenprinzips", bei dem auch diejenigen Einrichtungen fortlaufend Gelder erhalten könnten, die sich vielleicht in diesen Bereichen weniger engagieren als andere. Deshalb haben wir uns entschlossen, die schwerpunktmäßige Förderung der Tageseinrichtungen zwar beizubehalten (die Förderung bleibt einer der größten Einzelposten im Haushalt der Diaspora-Kinder- und -Jugendhilfe), die Fachberatung/ Fachstelle vor Ort aber stärker in die Vergabe der Mittel mit einzubinden. Der Pro-Kopf-Zuschuss als Richtwert wird, nicht zuletzt auch auf Grund der zu erwartenden Spendenentwicklung bei den kirchlichen Hilfswerken, zum 1.1.2018 allerdings auf 45,00 EUR festgesetzt. Auf der Grundlage der Belegungszahlen von 2017 wird ab dem 1.1.2018 für jedes (Erz-)Bistum entsprechend eine Pauschale festgelegt.

Dieses Geld wird als Vorschuss nach der Bewilligung, wie üblich, an die Ordinariate / Generalvikariate überwiesen und wird von den entsprechenden Fachstellen verwaltet. Die Tageseinrichtungen (Kitas) richten auf dieser Grundlage ihre Anträge direkt an die Fachstellen in den (Erz-) Bistümern. Dort wird entschieden, ob dem Antrag stattgegeben werden kann, und die Fachstellen zahlen die Maßnahme an die Einrichtungen aus. Neu ist also, dass die Einrichtungen sich die geplanten Maßnahmen und Anschaffungen im Vorfeld durch die Fachstelle genehmigen lassen und die Zuweisung nicht mehr automatisch bekommen, sondern erst nach Zusage durch die Fachstelle. Dabei ist es nicht erheblich, ob die Maßnahmen einrichtungsbezogen vor Ort oder übergreifend in einem Dekanat oder größerem pastoralen Raum stattfinden (eine solche Vernetzung untereinander wäre sogar wünschenswert).
Zu fördernde Maßnahmen im Bereich religionspädagogischer /katechetisch pastoraler Fort- und Weiterbildung könnten z.B. sein:
•    Fortbildungen zur Didaktik und Methodik religiöser Elementarerziehung und religionssensibler Erziehung,
•    "Sprachkurse des Glaubens" für pädagogische und pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Elementarbereich,
•    Pastorale Kurse und Projekte, die der Vernetzung von katholischer Kindertagesstätte und Gemeinde dienen,
•    Veranstaltungen zur religiösen und/ oder institutionellen Profilbildung katholischer Tageseinrichtungen für Kinder,
•    Kooperationsveranstaltungen z.B. mit katholischen Bildungshäusern in Bezug auf Fort- und Weiterbildungskurse für pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
•    Kurse, die allgemein die Auskunftsfähigkeit im Glauben im Elementarbereich stärken,
•    Fortbildungen und Besinnungstage, die das persönliche Glaubensleben der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stärken,
•    Kurse, die Hilfestellungen bei Gottesdienstentwürfen und Gebetstexten für verschiedene Anlässe im Elementarbereich bieten,
•    Bibelpastoral orientierte Projekte im KiTa-Bereich,
•    Projekte, die die musisch-liturgische Bildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern,
•    Kurse im Bereich von "Brauchtum / Rituale", z. B. Heiligenverehrung, Feste im Kirchenjahr,
•    Kurse zur besonderen Begleitung von Lebensknotenpunkten im Elementarbereich (Eintritt/ Austritt KiTa, Schulanfang usw.).

Wir wollen nach wie vor ausdrücklich deutlich machen, dass wir mit der Schwerpunktsetzung der Förderung im religiösen Elementarbereich die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher, Fachberaterinnen und Fachberater und auch des pastoralen Personals besonders wertschätzen wollen. Es geht uns darum, diese zentrale Form einer frühen Kinderpastoral auch zukünftig zu ermöglichen und Spenderinnen und Spender dafür zu gewinnen. Dabei möchten wir aber insbesondere die religionspädagogischen und kinderpastoralen Kompetenzen der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch entsprechende Fort- und Weiterbildung noch gezielter fördern. Die Vorlage zur Erfassung der tatsächlich erfolgten Maßnahmen legen wir diesem Schreiben als Ausdruck bei. Um das Verfahren zu vereinfachen, können die Fachstellen diese Liste digital nutzen und am Ende des Kindergartenjahres dem Bonifatiuswerk zumailen.

Förderung religiöser Bildungsmaßnahmen (Frohe Herrgottstunden, Kinder- und Jugendpastoral

In seiner Sitzung vom 28.04.2017 hat der Bonifatiusrat zudem eine Modifizierung in der Einsatz- und Vergabepraxis der bisherigen Förderbereiche "Religiöse Vorschulerziehung (Ost) j Frohe Herrgottstunden" und "Kinder und Jugendpastoral (Ost)" beschlossen. In diesen beiden Bereichen hat sich gezeigt, dass eine Anpassung der Mittelvergabe zwingend erforderlich ist. Es geht in keinem Fall um eine Kürzung der Mittel, sondern lediglich um eine mehr transparente Darstellung der stattfindenden religiösen Bildungsmaßnahmen und um die Ermöglichung z.B. der Förderung auch neuer Wege in der Glaubensbildung.

Zum Hintergrund
• "Frohe Herrgottstunden" waren oder sind eine Form elementarer Religionspädagogik, die gerade dort Anwendung findet oder fand, wo eine religiöse Vorschulerziehung nicht im ausreichenden Maß gewährleistet werden konnte oder kann (z.B. durch eine vorhandene katholische Tageseinrichtung für Kinder in der Nähe). • Der Haushaltsposten "Kinder- und Jugendpastoral" bezieht sich auf verschiedenste kinder- und jugendpastorale Bildungsmaßnahmen in den Ostdiözesen.
• Die "Frohen Herrgottstunden" werden in em1gen Bistümern nicht mehr durchgeführt (z.B. Görlitz) bzw. in stark reduzierter Anzahl (z.B. Bistum Erfurt). Bisher werden insgesamt 150.000,00 EUR jährlich hierfür vom Bonifatiuswerk zur Verfügung gestellt (bzw. auch für andere analoge elementare Formen der Religionspädagogik). Die Schlüsselzuweisung für die einzelnen Bistümer errechnet sich nach einem zur Vergabe der Bauprojekte analogen Verteilungsschlüssel auf die (Erz-)Diözesen (siehe bestehende Vergabeordnung, 17).
• 100.000 EUR werden den Ostbistümern jährlich für "Kinder- und Jugendpastoral" pauschal zur Verfügung gestellt. Die Schlüsselzuweisung für die einzelnen Bistümer errechnet sich ebenfalls nach einem zur Vergabe der Bauprojekte analogen Schlüssel (siehe Vergabeordnung, 17).
• Die Haushaltsposten "Religiöse Vorschulerziehung" und "Kinder- und Jugendpastoral" werden in einen Gesamtposten "Religiöse Bildungsmaßnahmen" überführt. Dies ist u. a. auch eine Angleichung an die bisherige Verfahrensweise in der nordwestdeutschen Diaspora ("Religiöse Bildungsmaßnahmen West"). Hinsichtlich der Transparenz in der Darstellung der Verwendung der Spendengelder und einer möglichen Wirksamkeitsüberprüfung (Forderungen des DZI-Siegels) soll hier ein deutlicher Fortschritt erzielt werden.
• Bildungsmaßnahmen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (von religiöser Vorschulerziehung bis hin zu internationalen Jugendbegegnungen und Weltjugendtagen) sollten nunmehr über den Gesamtposten "Religiöse Bildungsmaßnahmen" abgerechnet werden (wie bisher zum Teil bereits analog im Fall der Diasporabistümer im Nordwesten praktiziert). Das gilt auch z. B. für Maßnahmen der Familienpastoral (in diesem Kontext können auch erwachsene Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den entsprechenden Familien abgerechnet werden.)
• Die Gewichtung der Förderung von kinder- oder jugendpastoralen Maßnahmen obliegt dann dem einzelnen (Erz-)Bistum und richtet sich nach der Zahl und Qualität der jeweils dort eingehenden Einzelanträge. Was dringend zu vermeiden ist, sind pauschalisierte Zuweisungen.
• Die Bemessungsgrundlage ist das bisherige Budget für "religiöse Vorschulerziehung" und "Kinder- und Jugend pastoral". In diesem Fall entstehen keine zusätzlichen Ausgaben für das Bonifatiuswerk. Auch für die (Erz-)Bistümer entstehen keinerlei finanzielle Beeinträchtigungen.
• Zu Beginn des jeweiligen Haushaltsjahres erhalten die (Erz-)Bistümer das entsprechende mögliche Budget zugewiesen. Jede einzelne Maßnahme soll dann bei einer zuständigen Fachstelle im Seelsorgeamt (z.B. Abteilung Jugend pastoral, Abteilung Familien- oder Kinderpastoral) mit eindeutiger Zielformulierung beantragt werden. Die Fachstelle entscheidet gemäß Vergabeordnung, ob und in welcher Höhe dem Antrag entsprochen werden kann.
• Die Aufwendungen für die Einzelmaßnahmen werden am Ende des Kalenderjahres dem Bonifatiuswerk von der Fachstelle nachgewiesen. Das beigefügte Formular soll dazu eine Hilfestellung bieten und die Arbeit erleichtern bzw. den Aufwand gering halten. Zuviel gezahlte Gelder werden schließlich zeitnah an das Bonifatiuswerk zurückerstattet. Um das Verfahren zu vereinfachen, kann die Fachstelle die beigefügte Liste digital nutzen und am Ende des Kalenderjahres dem Bonifatiuswerk zumailen.

Förderwürdige Projekte im Bereich religiöser Bildungsmaßnahmen
Förderbar sind z.B. u.a.
•    Tage religiöser Orientierung
•    Dazu zählen u.a.: Besinnungstage, Exerzitien, Schulendtage für Schüler/innen
•    katholischer Schulen.
•    Wallfahrten,
•    Weltjugendtage, Eurocamps,
•    internationale religiöse Jugendbegegnungen,
•    religiöse Ferienfreizeiten und andere diakonische Maßnahmen,
•    Familienkatechetische Tage,
•    Kinderbibeltage,
•    Gruppenleiterschulungen und Projekte im Rahmen der Sakramentenkatechese,
•    Religiöse Jugendevents,
•    Projekte im Bereich religiöser Elementarerziehung (z.B. Frohe Herrgottstunden) (siehe dazu auch aktuelle Vergabeordnung).
•    Besonders innovative und kreative (und finanziell aufwändigere) singuläre Maßnahmen im Bereich religiöser Bildung können zudem als Einzelmaßnahme beim Bonifatiuswerk beantragt werden. Dazu ist das entsprechende Antragsformular zu nutzen. Eine potenzielle Förderung solcher Einzelmaßnahmen erfolgt in Absprache mit der Fachstelle des (Erz)Bistums.

Prüfung, Ziel und weitere Vorgehensweise
• Ausgehend von den Erfahrungen zunächst der ersten beiden Kalenderjahre werden nach Rücksprache mit den (Erz-)Bistümern und auf der Grundlage des bisherigen Budgets die Zuweisungen jeweils neu festgelegt. Mit einer solchen Ausrichtung auf der Grundlage von Erfahrungswerten wird im Fall der "Religiösen Bildungsmaßnahmen West", also der nordwestdeutschen (Erz-)Diözesen (Vergabeordnung, 16) seit einigen Jahren bereits gut, transparent und nachvollziehbar gearbeitet.
• Mit dem angedachten System wird eine gerechtere, mehr transparente und (notwendig) besser nachweisbare Verwendung der Mittel avisiert. Die Verwaltung der Gelder soll über eine Fachstelle des (Erz) Bistums erfolgen, z.B. das Seelsorgeamt I Abteilung Pastorale  Dienste. Es ist wichtig, dass hier jeweils nur ein kompetenter Ansprechpartner dafür benannt wird. Der Punkt wurde im Bonifatiusrat eingehend erörtert. Es wurde deutlich gemacht, dass es allein um die transparente und nachvollziehbare Darstellung der Verwendung von derzeit bereitgestellten Fördergeldern geht und nicht um eine Einschränkung der Mittelzuweisungen. Diese ist derzeit in keinem Fall beabsichtigt. Auch geht es darum, z.B. neue Wege im religiösen Elementarbereich mit zu ermöglichen und zu fördern, etwa in der Familienkatechese.

Die Religiösen Kinderwochen (RKW) werden weiterhin nach dem eigens in der Vergabeordnung dargestellten Modus bezuschusst. Hinsichtlich der RKW soll in nächster Zeit in Zusammenarbeit mit den (Erz-)Bistümern eine Evaluierung der Inhalte, der Organisation und der Vergabepraxis mit einem jugendpastoralen Institut erfolgen.
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