Unbekannte Täter stehlen Gedenkplatte des NS-Opfers Kaplan Wensch

nach Stolperstein-Verlegung in Kamenz


Diese Gedenktafel entwendeten die Täter (siehe Pfeil).
Unbekannte Täter haben in der vergangenen Nacht in Kamenz zwei Gedenkstätten an Opfer des NS-Regimes zerstört. An einer Pforte zur katholischen Kirche in Kamenz wurde eine Gedenktafel aus der Wand gerissen und gestohlen.





























Kamenz, 14.10.2008 (KPI): Unbekannte Täter haben in der vergangenen Nacht in Kamenz zwei Gedenkstätten an Opfer des NS-Regimes zerstört. An einer Pforte zur katholischen Kirche in Kamenz wurde eine Gedenktafel aus der Wand gerissen und gestohlen, die an den im KZ Dachau umgekommenen Kaplan Bernhard Wensch erinnert. Ein sogenannter „Stolperstein“ zur Erinnerung an den Kamenzer Kaufmann Adolf Grünberger in Nähe des Marktplatzes wurde mit Teer übergossen.

Erst am Tag zuvor hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig unter großer Anteilnahme der Bevölkerung für beide NS-Opfer seine Stolpersteine in den Boden eingelassen. Auf einer Messingplatte sind dabei jeweils die Namen und wichtigsten biografischen Daten der beiden Männer zu lesen. Seit 1993 hat der Kölner Künstler bereits 12.000 Stolpersteine an über 300 Orten in mehreren Ländern Europas gesetzt. Die Steine sollen jeweils an der letzten Wirkungsstätte von NS-Opfern an diese erinnern.

Der Kamenzer Pfarrer Dr. Michael Kleiner reagierte schockiert auf die Zerstörungstaten: „Ich bin entsetzt. Das hat mich wirklich tief getroffen“, sagte er in einer ersten Reaktion. Erst am Freitag letzter Woche hatte er die Bronzeplatte für Bernhard Wensch an der Gartenmauer der Pfarrkirche einsetzen lassen. „Ich wollte damit Kritikern der Stolpersteine, die eine Auseinandersetzung mit dem Thema auf Augenhöhe wünschen, entgegenkommen“, so Pfarrer Kleiner. Auf der etwa 30 Zentimeter hohen Tafel ist unter der Überschrift „Dr. Wensch Bernhard“ im oberen Teil ein Porträt des Jugendseelsorgers dargestellt, der schützend seine Hände über den Köpfen einer Gruppe von Jugendlichen erhebt. Rechts davon ist ein SS-Mann zu sehen, links der Erzengel Michael. Die Szene fasst die Lebensleistung Kaplan Wenschs zusammen. Im Dritten Reich hatte der Jugendseelsorger wesentlich dazu beigetragen, dass die Jugendlichen des Bistums nicht der Ideologie des Nationalsozialsmus verfielen. In einem Brief an seine Schützlinge, die zur Wehrmacht eingezogen waren, hatte er den Heiligen Michael als Vorbild erwähnt. Der Brief wurde für die Staatsmacht zum letzten Anlass, Kaplan Wensch zu verhaften und ins Konzentrationslager Dachau zu sperren.

Die Bronzetafel an der Gartenmauer stammte aus der Werkstatt des Kölner Künstlers Egino Weinert und war die originalgetreue Kopie eines Werks, dessen Original sich in der Jugendbildungsstätte des Bistums im Winfriedhaus in Schmiedeberg befindet. „Ich werde mich natürlich darum bemühen, Ersatz für die Tafel zu erhalten“, so Pfarrer Dr. Kleiner. „Glücklicherweise bewahrt der Künstler seine Vorlagen auf.“ Die Kripo in Kamenz hat Ermittlungen zu den Vorfällen aufgenommen. Pfarrer Dr. Kleiner hofft nun außerdem auf eine starke Reaktion der Gesellschaft gegen braunen Terror in der Lessingstadt.






Die Gedenktafel für den Bistumsjugendseelsorger Dr. Wensch. Foto: Katolski Posol / Pfarrer G. Werner


Etwa 100 Menschen nahmen teil, als der Kölner Künstler Gunter Demnig gestern Nachmittag den Stolperstein für Kaplan Wensch verlegte.


Pfarrer Dr. Michael Kleiner (links) und Gunter Demnig.


Der Stolperstein für den Bistumsjugendseelsorger vor der Verlegung.


Rosen legten mehrere Kamenzer Bürgerinnen und Bürger in Erinnerung an Kaplan Wensch ab.


Der Stolperstein wird in den Boden eingesetzt.


Text und Fotos: Michael Baudisch

Mehr Informationen zu Kaplan Dr. Bernhard Wensch - hier klicken...


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