Alois Andritzki: Seligsprechung steht bevor

Bischof Reinelt erhält in Rom Zusicherung für Abschluss des Prozesses 2010

Alois Andritzki

Alois Andritzki (1914-1943)

Dresden/Vatikanstadt, 12.10.2009 (KPI): Das Seligsprechungsverfahren für den 1943 im Konzentrationslager Dachau ermordeten sorbischen Priester des Bistums Dresden-Meißen Alois Andritzki steht vor seinem Abschluss. Mit dieser erfreulichen Nachricht ist Bischof Joachim Reinelt Ende vergangener Woche von einer Visite im Vatikan zurückgekehrt. Der Bischof hatte bei seinem Besuch in Rom unter anderem den Sitz der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse aufgesucht. Hier hatte er sich über Fortschritte des Seligsprechungsprozesses für Alois Andritzki unterrichtet, der vor über einem Jahrzehnt seine Anfänge genommen hatte.

Demnach soll im Verlauf des nächsten Jahres im Vatikan der Beschluss zur Seligsprechung des sorbischen Geistlichen gefasst werden. Die Vorbereitungen der offiziellen Seligsprechungsfeier dürften ein weiteres Halbjahr in Anspruch nehmen. Mit der endgültigen Seligsprechung könnte folglich bis zur Jahresmitte 2011 zu rechnen sein.

"Ich freue mich außerordentlich darüber, dass die Seligsprechung Alois Andritzkis offensichtlich kurz bevorsteht", so Bischof Joachim Reinelt. "Alois Andritzki hat in schweren Zeiten glaubwürdig als Christ und als Priester gelebt und gewirkt. Ich denke, dass er den Menschen auch heute noch als gutes Beispiel dienen kann, vor allem was seinen Widerstand gegen die Nazi-Ideologie angeht. Außerdem war Alois Andritzki, der eine große natürliche Freude am Glauben ausstrahlte, stets ein Vorbild für die Jugendlichen. Und natürlich genießt er ganz besonders unter den sorbischen Katholiken seiner Heimat eine enorme Verehrung."

Dass der Heilige Vater die Seligsprechung persönlich vollzieht, scheint fraglich. Papst Benedikt XVI. hat 2005 die neue Regelung ausgegeben, dass Seligsprechungen nicht mehr in Rom, sondern in den Heimatländern der neuen Seligen stattfinden und von einem päpstlichen Beauftragten geleitet werden sollen. 

Der Seligsprechungsprozess

Am 2. Juli 1998 hatte Bischof Reinelt im Rahmen eines Wallfahrtsgottesdienstes im sorbischen Rosenthal das Seligsprechungsverfahren für Kaplan Andritzki eröffnet. Von diesem Zeitpunkt an wurden während eines so genannten "Informativprozesses" von einer Kommission im Auftrag des Bischofs alle verfügbaren Dokumente und Informationen über Alois Andritzki gesichtet und ausgewertet. Zusätzlich wurden Interviews mit Zeitzeugen und Wegbegleitern Andritzkis geführt. Am 22. März 2001 fand dieses Verfahren auf Bistumsebene mit einer feierlichen Messe im Bautzener St. Petri-Dom seinen Abschluss. Die Akten wurden dabei feierlich an den römischen Anwalt Dr. Andrea Ambrosi übergeben.

In einer "Positio super Martyrium" (Stellungnahme über das Martyrium) fasste der römische Advokat die Unterlagen und Zeugenaussagen zusammen und erstellte eine Analyse dazu. Das fertige Werk überreichte Ambrosi am 6. Mai 2003 in der Dresdner Kathedrale an Bischof Reinelt. Am 17. Dezember des gleichen Jahres übergab der Bischof die Positio an Papst Johannes Paul II.

Alois Andritzki wäre bei seiner Seligsprechung neben dem Heiligen Bischof Benno von Meißen (um 1010 bis 1106) der erste Selige des Bistums, der zudem hier geboren wurde.

In der sorbischen Region erinnern zahlreiche Gedenktafeln und auch ein Kirchenfenster der Pfarrkirche in Radibor an Alois Andritzki. In Bautzen und Dresden sind Straßen nach ihm benannt. Der Kindergarten in Radibor, eine polnische Grundschule und eine Pfadfindergruppe tragen seinen Namen. 

Alois Andritzki - Biographie

Alois Andritzki wurde am 2. Juli 1914 in Radibor geboren. Er hatte drei Brüder und zwei Schwestern. Die Brüder studierten alle Theologie, drei wurden Priester, darunter Alois.

Nach dem Abitur an der Domstiftlichen Katholischen Oberschule in Bautzen studierte er von 1934 bis 1937 Theologie und Philosophie in Paderborn. 1936 wurde er Redakteur der sorbischen Studentenzeitung "Serbski student" und Sprecher der sorbischen Studenten. Von 1938 bis 1939 absolvierte er das Priesterseminar in Schmochtitz bei Bautzen.

Am 30. Juli 1939 im Bautzener St. Petri-Dom zum Priester geweiht, wurde Alois Andritzki Jugendseelsorger und Kaplan an der Hofkirche in Dresden und zugleich Präses der Dresdner Kapellknaben und der Dresdner Kolpingfamilie. Die Jugendlichen bewunderten ihn wegen seiner Geradlinigkeit und Sportlichkeit. Seine Verachtung des nationalsozialistischen Regimes verhehlte Andritzki nicht, was ihn ins Visier des Staatsapparates brachte. Nach einer Theateraufführung verhörten ihn Gestapo-Leute. Zu den Jugendlichen sagte er danach: „Das war erst der Anfang." Am 21. Januar 1941 wurde er verhaftet - die Anklageschrift nennt „heimtückische Angriffe auf Staat und Partei" als Begründung. Im Oktober 1941 wurde Andritzki ins Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er die Häftlingsnummer 27829 erhielt.

Während des Transportes lernte er den Benediktinerpater Maurus Münch aus Trier kennen. In den ersten Tagen im KZ gelobten beide, niemals zu klagen, niemals ihre Ehre als Akademiker mit Füßen zu treten und keinen Augenblick ihre priesterliche Berufung zu vergessen. Ein gutes Jahr waren beide zusammen im KZ. Mit anderen Priestern bildeten sie einen Studienkreis, in dem an drei Abenden in der Woche aus der Heiligen Schrift gelesen wurde. Aus diesem Bibelkreis entstand ein Liturgiekreis.

In Dachau erkrankte Andritzki an Typhus. Als er im Sterben lag, bat er einen Häftlingspfleger, ihm einen Priester zur Spendung der Sakramente zu rufen. Seinem Wunsch wurde allerdings nicht stattgegeben. Am 3. Februar 1943 wurde Alois Andritzki durch eine Giftspritze ermordet. Die Urne mit der Asche des ermordeten Priesters, die die Verwaltung des KZ Dachau der Familie zuschickte, wurde am 15. April 1943 in Dresden auf dem Alten katholischen Friedhof in der Friedrichstraße beigesetzt.

Stichwort: Selige und Heilige

Die katholische Kirche verehrt Selige und Heilige als Zeugen vorbildhaften Christseins in ihrer Zeit. Die Seligsprechung stellt eine Frau oder einen Mann als Beispiel christlichen Lebens für die Kirche eines Landes, eines Bistums oder auch für eine bestimmte kirchliche Gemeinschaft heraus. Dagegen dehnt die Heiligsprechung diese Verehrung auf die ganze Weltkirche aus.

Der Seligsprechung geht ein kirchliches Untersuchungsverfahren voraus, das vom Ortsbischof eingeleitet wird. Die Ortskirche ist auch verantwortlich für das Sammeln von Informationen über den betreffenden Menschen, die belegen, dass sein Leben und Sterben außerordentlich war, ob er im Ruf der Heiligkeit stand, herausragende Tugenden vorlebte, ein Martyrium erlitt oder Wunder tat.

Nach Abschluss dieses Verfahrens werden die gesammelten Akten nach Rom an die vatikanische Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen weitergeleitet. Sie prüft in einem eigenen Verfahren die Echtheit der Dokumente und Zeugenaussagen, holt Gutachten ein und gibt abschließend eine Empfehlung an den Papst. Bei Menschen, die als Märtyrer seliggesprochen werden, entfällt - wie im Fall von Alois Andritzki - die Notwendigkeit eines Wunders.
                                                                                                                                              MB   


Viele Informationen über Alois Andritzki finden Sie auch im Internet auf www.andricki.de und www.kaplan-andritzki.de.


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