Amoklauf in Winnenden: Caritas fordert flächendeckende Schulsozialarbeit


Angesichts der Ereignisse in Winnenden hat Caritasdirektor Matthias Mitzscherlich seine Betroffenheit geäußert und eine Stärkung der Schulsozialarbeit sowie die Ausbildung von Schulseelsorgern gefordert.

Dresden, 12.03.2009: Der Caritasdirektor für das Bistum Dresden Meißen, Matthias Mitzscherlich, hat seine Betroffenheit über die Ereignisse in Winnenden ausgedrückt und den Angehörigen seine tiefe Anteilnahme versichert. Gleichzeitig fordert er eine Stärkung der Schulsozialarbeit und die Ausbildung von Schulseelsorgern. Der erschütternde Amoklauf eines ehemaligen Schülers zeige, dass Elternhäuser und Schulen die komplexeren Probleme der Jugendlichen von heute nicht mehr allein lösen können, sagte Mitzscherlich am 12. März in Dresden. An allen Schulen, an denen Probleme mit lernschwierigen oder verhaltensauffälligen Schülern auftreten, muss es möglich sein, mit gezielten Angeboten reagieren zu können. „Es kann nicht sein, dass zwar mit den betroffenen Schülern und den Eltern gesprochen wird, ansonsten aber nichts passiert.“

Zwar könne die Schulsozialarbeit die Erziehungsarbeit in den Familien nicht ersetzen, wohl aber zu einer Lösung der Problemlagen beitragen. Dafür sei jedoch „die Schulsozialarbeit nicht als Notnagel oder als Aufbereitungsanlage für gesellschaftliche Defizite“ in der Schule zu sehen, betonte der Caritasdirektor.

Schulsozialarbeit nur an 96 sächsischen Schulen

Vor allem Mobbing in der Klasse, Macht- und Positionskämpfe zwischen den Schülern, wenig verlässliche Beziehungen, mangelnde soziale Kompetenz und die zu wenig ausgeprägte Anerkennungskultur führen zu Kränkungen und aggressiven Verhaltensweisen an der Schule. Schulsozialarbeit kann in diesen Problemlagen zur Lebensbewältigung, Biographiegestaltung sowie zur Krisenintervention eine wichtigen Beitrag leisten, so der Caritas-Fachreferent Jugendsozialarbeit Norbert Waldhelm. Nur an 96 sächsischen Schulen (Stand Januar 2008) ) ist die Schulsozialarbeit verankert. Dies sei eindeutig zu wenig. Norbert Waldhelm fordert deshalb eine flächendeckende Schulsozialarbeit.

Caritasdirektor Mitzscherlich sprach sich zudem für eine gezielte Medienpädagogik in den Schulen und Jugendeinrichtungen aus. Der Umgang von Kindern und Jugendlichen vor allem mit den neuen Medien entziehe sich inzwischen fast vollständig der Kontrolle durch die Erwachsenen. Vor allem die Eltern hätten hierbei eine wichtige und entscheidende Verantwortung. Mitzscherlich: „Die ersten Medienerfahrungen werden in der Familie gemacht. Im Spiegel der Interaktion bilden die Kinder Selbstbewusstsein und Identität aus.“

Mitzscherlich hält weiterhin eine intensivere Wertevermittlung in der Gesellschaft für unerlässlich. Dabei dürften Eltern und Schulen nicht alleine gelassen werden. „Für eine gezielte Wertevermittlung brauchen wir einen breiten gesellschaftlichen Konsens“, so Mitzscherlich. Politik müsse hierfür die Rahmenbedingungen schaffen, damit es in Zukunft weniger Gewaltprobleme gibt.

Kontakt: Norbert Waldhelm, Caritas-Referent Jugendsozialarbeit, Tel. 0351 4983729

(AS)


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