Bischofskonferenz zur Exkommunikations-Aufhebung von Traditionalisten-Bischöfen

Bischof Heinrich Mussinghoff (Aachen) zur Pius-Priesterbruderschaft


In einer Stellungnahme für die Deutsche Bischofskonferenz hat sich Bischof Heinrich Mussinghoff (Aachen) zur Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X. geäußert.

Dresden/Bonn, 28.01.2009 (dbk): Stellungnahme des Vorsitzenden der Unterkommission für
die religiösen Beziehungen zum Judentum der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff, zur Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X.:


Mit einem Dekret von Kardinal Giovanni Battista Re, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe, vom 21. Januar 2009 hat Papst Benedikt XVI. die Strafe der Exkommunikation vom 2. Juli 1988 gegen die vier Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X. aufgehoben. Dessen ungeachtet sind sie weiterhin suspendiert, also rechtlich an der Ausübung des Weiheamtes gehindert. Das Dekret ist Ausdruck des päpstlichen Willens, ein bestehendes Schisma aufzuheben. In seinem Bemühen um die Überwindung des Skandals kirchlicher Spaltung und um die Einheit der Kirche und in der Kirche unterstützen wir den Papst.

Freilich hat der Schritt von Papst Benedikt XVI. Anlass zu einer Reihe kritischer Nachfragen gegeben. Sie beziehen sich auf die Übereinstimmung mit den jüngeren Stellungnahmen der Päpste Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Die Besorgnis wurde besonders dadurch verstärkt, dass ein Interview eines der vier von der Exkommunikation befreiten Bischöfe, Bischof Richard Williamson, bekannt wurde. In diesem Fernsehinterview hatte Bischof Williamson behauptet, die historische Evidenz spräche gegen die Existenz von Gaskammern und es seien nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden. Dieser ausdrücklichen Leugnung des Holocaust, die bereits Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen in Deutschland ist, widersprechen wir auf das Schärfste. Darüber hinaus haben die vier Bischöfe und die Verantwortlichen der Pius-Bruderschaft vielfach deutlich gemacht, dass sie die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Beziehung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra Aetate“ vom 28. Oktober 1965 nicht beachten. Das Dekret von Kardinal Re spricht von noch offenen Fragen, deren Lösung in Gesprächen zwischen dem Apostolischen Stuhl und der Pius-Bruderschaft ansteht. Wir äußern die deutliche und große Erwartung und dringende Bitte, dass in den Gesprächen die vier Bischöfe und die Pius-Bruderschaft ihre Treue zum Zweiten Vatikanischen Konzil und insbesondere zur Erklärung „Nostra Aetate“, deren Anliegen Papst Johannes Paul II. sich in seinem langen Pontifikat so beharrlich und segensreich zu eigen gemacht hat, unmissverständlich und glaubwürdig bekunden. Nach dem übergroßen Entgegenkommen des Papstes erwarten wir nun eine klare Aussage der Bruderschaft und ihrer Bischöfe insbesondere zu „Nostra Aetate“.

In diesen Tagen können wir nicht von den gegenwärtigen Irritationen im katholisch-jüdischen Verhältnis absehen. So hat es nach den bedrückenden Tagen des Hamas-Israel-Krieges auch von katholischer Seite eine Kritik am Staat Israel gegeben, die wir zurückweisen müssen. So hat der Herausgeber der Katholischen SonntagsZeitung für Deutschland Dr. Dirk Hermann Voß in einem Leitartikel den israelischen Einsatz im Gazastreifen „wie in einem Blutrausch“ genannt und ihn als „vollständig der Logik der Gewalt“ verschrieben dargestellt. Damit sind die Grenzen einer argumentativen und begründbaren Kritik an der Politik des Staates Israel eindeutig überschritten. Protest und Klage sind angesichts der Opfer in der jüngsten kriegerischen Auseinandersetzung sehr wohl verständlich. Aber das Recht auf Sicherheit des Staates Israel und seiner Bürger darf nicht durch eine undifferenzierte Kritik faktisch bestritten werden. Eine solche Kritik untergräbt das notwendige Eintreten für ein Leben in Sicherheit und Frieden für das palästinensische Volk.

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