"Herr, bleibe bei uns!"

Regionalwallfahrt der katholischen Gehörlosen aus fünf ostdeutschen Diözesen am 5./6. September

Predigt Bischof em. Müller

Bischof em. Rudolf Müller bei der Predigt in der Wallfahrtskirche Neuzelle

Dresden, 09.09.2009 (KPI): Ungefähr 120 gehörlose Katholiken aus den (Erz-)Diözesen Berlin, Erfurt, Magdeburg, Dresden-Meißen und Görlitz kamen am 5.  und 6. September zu einer regionalen Wallfahrt in Neuzelle zusammen. Der Ortspfarrer Ansgar Florian - zugleich Gehörlosenseelsorger für das Bistum Görlitz -, die Pfarrgemeinde Neuzelle sowie die Gemeinschaft der katholischen Gehörlosen im Bistum Görlitz hatten dazu eingeladen.

Eine erste Wallfahrergruppe erreichte den Wallfahrtsort schon am Freitag, weitere kamen am Sonnabend nach, so dass sich schon eine stattliche Gruppe auf den Wallfahrtsweg durch den Ort machen konnte. Unter der liturgischen Leitung des emeritierten Görlitzer Bischofs Rudolf Müller begann dieser eindrucksvolle Zug, der nur dadurch getrübt wurde, dass weitere Stationen draußen nicht aufgesucht werden konnten. Die Pilger zogen daher durch den Regen direkt in die Stiftskirche und beteten weitere Stationen dort. Bischof Müller lud dazu ein, sich auf die Botschaft des Auferstandenen einzulassen, die nicht nur den Emmaus-Jüngern damals galt, sondern uns heute gilt.

Anschließend servierte die Pfarrgemeinde Gegrilltes zum Abendbrot und ein froher gemeinsamer Abend konnte beginnen: die vorbereitete Tombola und Video-Informationen über die Gemeinschaften der Gehörlosen in den einzelnen Diözesen sorgten für gute Unterhaltung. Und, wie immer bei Gehörlosentreffen war Zeit für Kommunikation und Austausch notwendig.

Bischof Müller entließ die Pilger später mit einem kurzen Abendsegen dann in die Nachtquartiere oder in den „gemütlichen Teil" des Abends, wobei das Eintreffen einer weiteren Pilgergruppe am späten Abend weiterhin viel Leben im Neuzeller Pfarrsaal bedeutete.

Mit der Ankunft eines großen Pilgerbusses aus Berlin war am nächsten Morgen die Wallfahrerschar am Sonntag vollständig geworden - es gab kurze Stärkungen als Frühstück, und alle bereiteten sich auf die festliche Eucharistiefeier in der Stiftskirche vor. Die Hl. Messe feierte Bischof Müller gemeinsam mit vier Priestern aus der Gehörlosenseelsorge: Pfr. Haase (Bistum Erfurt), Pfr. Werner (Bistum Magdeburg), Pfr. Wörl (Erzbistum Berlin), Pfr. Pyka (Bistum Dresden-Meißen) und Pfr. Florian (Bistum Görlitz). Der Gebärdenchor aus dem Bistum Erfurt wirkte aktiv mit, ebenso Gehörlose aus dem Bistum Dresden-Meißen. Die Gehörlosenseelsorge aus dem Bistum Magdeburg hatte den Gottesdienst intensiv vorbereitet. Wunderschön gestaltete Wallfahrtskerzen und die Banner der Gehörlosenvereine machten den Gottesdienst zu einem Fest für die Augen. Dass alles gut verstanden wurde, wurde durch den Einsatz der beiden Dolmetscherinnen Carola Postler (Zwickau) und Ursula Schiebel (Erfurt) ermöglicht. Bischof Müller lud alle Anwesenden in der Predigt ein, sich von Jesus Christus berühren zu lassen, so wie Jesus bei der Heilung den Taubstummen berührt hat. Vielen wird der eindrucksvolle Anblick von den Wallfahrern mit ihren gelben Tüchern sicher noch lange in Erinnerung bleiben.


Wallfahrer in der Kirche

Die Wallfahrer in der Neuzeller Kirche - gut erkennbar an den gelben Tüchern.

Nach dem Gottesdienst standen Führungen auf dem Programm: durch die interessante neue Ausstellung im Kreuzgang der ehemaligen Abtei Neuzelle, durch die wunderschöne Klosterkirche und hoch auf den Dachstuhl der Stiftskirche. Hilfreiche Geister hatten schon die Suppe für das Mittagessen vorbereitet, und so gab es noch bis weit in den Nachmittag viele Gespräche, Informationen und den Abschluss der Tombola. Die Erlöse dieser Verlosung sowie die Kollekte der Wallfahrt wollen die gehörlosen Pilger P. Callistus, einem Lazaristenpater in Nigeria, zukommen lassen. Seit einige von ihnen ihn 2008 bei der internationalen Gehörlosenwallfahrt in Rom kennen gelernt haben, möchten sie seine Arbeit -den Aufbau einer Gehörlosenschule - aktiv unterstützen.

Ein Teil der angereisten Pilgerschar reiste erst am Montag ab, ein größerer Teil machte sich aber schon am Sonntag Nachmittag auf den Heimweg.

Gruss

Ein junger Wallfahrer aus dem Bistum Erfurt grüßt mit dem internationalen Zeichen für Sympathie und Zusammenhalt.

Die Gemeinschaften der beteiligten Diözesen haben sicher gezeigt, dass es wichtig ist, Glauben gemeinsam zu leben und zu feiern. Gehörlose Christen in der ostdeutschen Diaspora gehören gleich in mehrfacher Hinsicht zu einer Minderheit, aber der Zuspruch, nicht alleingelassen zu sein in Glauben und Leben, mag sie in den Alltag hinein begleiten. „Herr, bleibe bei uns!"

Einer der Wallfahrer war Alfons Rogge, der unlängst wiedergewählte 1. Vorsitzende des Verbandes der Katholischen Gehörlosen Deutschlands. Er schreibt: „Vielen Dank an alle, die diese wunderschönen Begegnungen untereinander im Glauben organisiert haben. Viele schöne Begegnungen in der Vergangenheit bei Gehörlosenwallfahrten sind immer noch nach gut 40 Jahren in Erinnerung. Und diese hat ganz bestimmt wieder Platz in den Herzen der TeilnehmerInnen gefunden." Er hebt hervor, dass die Neuzeller Stiftskirche mit ihrer Bildersprache (Emmaus-Jünger) für Gehörlose sehr gut verständlich sei. Er denkt, dass dies nicht der letzte Gehörlosengottesdienst in dieser Kirche gewesen ist. 


Wallfahrtskerzen

Zur Gabenbereitung waren die Wallfahrtskerzen an den Altar mit dem Gnadenbild gebracht worden.

Fotos und Text: Peter Brinker


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