Gera geht den "Gang der Geschichte"

Friedensgebet, Gang nach historischem Vorbild und Open-Air-Veranstaltung zum 5. November

Ein breites gesellschaftliches Bündnis erinnert in Gera an die Ereignisse vor 20 Jahren.

Ein breites gesellschaftliches Bündnis will in Gera gemeinsam an die Ereignisse der Friedlichen Revolution vor 20 Jahren erinnern. Mit dabei sind auch Vertreter der katholischen Kirche in Gera wie Dekan Klaus Schreiter (5.v.l.).             Foto: M. Holluba/Tag des Herrn


Gera, 02.11.09: Gera wandelt auf den Spuren der Ereignisse der friedlichen Revolution von 1989. Mit dem Projekt „Gang der Geschichte" erinnert auf Initiative der Kirchen ein breites Bündnis in der Otto-Dix-Stadt am Donnerstag, 5. November, an die bewegende Zeit vor 20 Jahren, die als Ausnahmeerscheinung in die Weltgeschichte einging. Angelehnt an das historische Original lebt dann jener Gang noch einmal auf, den die Menschen damals ausgehend von der Kirche durch die Innenstadt nahmen. Dazu sind alle Geraer - jung und alt - sowie Gäste aus nah und fern herzlich eingeladen.

„Mit unserem Projekt wollen wir den Bogen von damals ins Heute spannen und deutlich machen, dass Demokratie nur funktioniert, wenn alle mitmachen und sich einbringen", sagte Geras Oberbürgermeister, Dr. Norbert Vornehm, am Mittwoch, 30. September, auf einer Pressekonferenz in Gera. „Das Engagement der Bürger hat damals in Gera wie überall in Ostdeutschland der Demokratie zum Durchbruch verholfen." Das wolle man insbesondere jungen Menschen nahebringen und für sie nacherlebbar machen.

„Wir als Kirchen haben in jener bewegenden Zeit unsere Dienste zur friedlichen Lösung der Konflikte angeboten", ergänzte der Dekan der katholischen Kirche in Gera, Klaus Schreiter. „Daraus ist die Idee geboren, dies erneut zu tun und 20 Jahre nach dem Mauerfall an die Zeit der Wende zu erinnern, an den inneren Widerstand und den Mut der Menschen."

Man habe alle angesprochen, die heute in Gera Verantwortung tragen, und habe in der Stadtverwaltung, bei Parteien und Bürgerinitiativen offene Ohren gefunden, betonte Schreiter.  Gemeinsam konzipierte man den „Gang der Geschichte" als ein lebendiges Projekt der Erinnerung. Er führt die Teilnehmer an die wichtigsten Geraer Orte der friedlichen Demonstrationen von 1989.

Wie damals gibt ein ökumenisches Friedensgebet (17.00 Uhr) in der Johanniskirche den Auftakt, ehe die Menschen 18.00 Uhr von dort mit Kerzen durch die Innenstadt zum heutigen Museumsplatz gehen, wo sie aus diesen Kerzen das Wort „Demokratie" formen. Auch die jüngsten Geraer sollen unbedingt mit von der Partie sein - mit Lampions, die sie unter anderem beim Geraer Höhlerfest selbst basteln können.

Auf einer großen Leinwand am Museumsplatz werden zunächst Bilder von vor 20 Jahren zu sehen sein, dann ein eigens vom Offenen Kanal Gera in Kooperation mit dem Stadtarchiv gedrehter Film zu den Wendeereignissen. In kurzen Interviews erinnern sich Geraer Bürger an eigenes Erleben in jener bewegten Zeit 1989, berichten, wie Menschen aus Ost und West nach der Trennung durch die Mauer wieder zusammenfanden.

Auch darüber hinaus blickt der „Gang der Geschichte" in die Zukunft. „Wie geht es heute (weiter)?" ist das Thema einer Podiumsdiskussion ab 19.15 Uhr im Elsterforum. Dort werden unter anderem Kommunalpolitiker von damals und heute, Kirchenvertreter und von der Stasi Verfolgte mit allen interessierten Bürgern über das Woher und Wohin ins Gespräch kommen. Parallel zu dieser Veranstaltung startet auf dem Museumsplatz eine Open-Air-Party, bei der Junge und Junggebliebene bis 22.00 Uhr ausgelassen feiern können. Dort ist unter anderem eine ganz besondere Band zu erleben - Geraer Rockgrößen, die sich eigens für diesen Tag zusammenfanden. Sie werden das Publikum nicht nur mit ihrer Musik erfreuen, sondern auch ihre Gedanken zu 20 Jahre friedliche Revolution darlegen sowie aus eigenem Erleben von DDR-Kultur und -Zensur erzählen. Feuerschalen und -körbe werden nicht nur eine stimmungsvolle Kulisse für diesen „Gang der Geschichte" bilden, sondern insbesondere die Jüngsten animieren, dort Knüppelteig zu backen. 

Die Veranstalter: Evangelische Kirche Gera, Katholische Kirche Gera, (alternativ: Evangelisch-Lutherischer Kirchenkreis Gera, Dekanat Gera), Otto-Dix-Stadt Gera, Stadtratsfraktion Die.Linke, Stadtratsfraktion CDU, Stadtratsfraktion SPD, Stadtratsfraktion FDP, Stadtratsfraktion Arbeit für Gera, Bündnis90/Die Grünen Gera 

Die Unterstützer: Freikirchen in Gera, Initiative Soziale Gerechtigkeit, Offener Kanal Gera, Sparkasse Gera-Greiz, Geraer Bank e.G., BStU-Behörde, Elster-Forum Gera, Seese Gastronomiebetriebe KG


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