Leipziger Kirchenglocken läuten am 1. September

zum Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkrieg

Der katholische Propst Lothar Vierhock (links) und Reverend Martin Reakes-Williams von der Leipzig English Church rufen zum Glockenläuten am 1. September auf. Die Glocke im Bild stammt noch aus der ehemaligen Leipziger Propsteikirche, die von Bomben im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.Leipzig, 27.08.09: Anlässlich des Beginns des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren sollen am Dienstag, den 1. September 2009 um 5:45 Uhr die Glocken aller etwa 100 Kirchen in Leipzig und Umgebung läuten und die Menschen zum Gedenken an damaliges und gegenwärtiges Kriegsgeschehen und zum Gebet für Frieden und Versöhnung aufrufen - in Gotteshäusern oder zum persönlichen Gebet. "Aufgrund von Rassenideologie, Größenwahn und Intoleranz wurde damals ein Krieg losgetreten, der Millionen Menschen vernichtete", erklärte der Leipziger Propst Lothar Vierhock, einer der Initiatoren aus dem Stadtökumenekreis, dazu gestern auf einer Pressekonferenz in Leipzig. "Das Läuten soll eine Erinnerung und Mahnung sein, dass solche Ereignisse nicht wieder eintreten."

Am frühen Morgen des 1. September 1939 überfiel Deutschland den Nachbarstaat Polen. Mit der Radionachricht "seit 5:45 Uhr wird zurückgeschossen" bestätigte Adolf Hitler offiziell Kriegshandlungen gegen Polen. Mit der deutschen Invasion begann der Zweite Weltkrieg. Millionen Frauen und Männer wurden zur Zwangsarbeit gepresst. Das europäische Judentum wurde nahezu vollständig vernichtet. Am Ende des Krieges gab es Millionen Tote und Verwundete. Viele verloren ihre Heimat.
Ein Gebet an diesem Tag könne das Versöhnungsgebet von Coventry sein, auf welches der Stadtökumenekreis hinweist (Text: siehe unten). In Sachsen wurden während des Zweiten Weltkriegs etwa 1.800 Kirchenglocken beschlagnahmt. Davon sind bislang nur etwa 420 Stück wieder an ihre alten Stätten zurückgekehrt.

Auch weitere Veranstaltungen und Aktionen erinnern in Leipzig an den 70. Jahrestag des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges. So beginnt auf dem Ostfriedhof 15.30 Uhr eine Gedenkfeier, mit der auch ein neu gestaltetes Denkmal für die polnischen Opfer des zweiten Weltkrieges eingeweiht wird. Der Botschafter der Republik Polen, Dr. Marek Prawda, Bürgermeister Michael Faber und Superintendent i.R. Friedrich Magirius werden in Ansprachen an die Opfer erinnern. Außerdem werden viele Teilnehmer aus den etwa 300 Katholiken zählenden Gemeinden in Leipzig Plagwitz und Engelsdorf erwartet.

Herzlich eingeladen wird auch zu einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in der Nikolaikirche um 17 Uhr. Mit Texten von Zeitzeugen, die durch Schülerinnen und Schüler des Evangelischen Schulzentrums gesprochen werden, soll die Lage zu Kriegsbeginn auf der Seite der Opfer wie der Täter lebendig werden. Beteiligte am Gottesdienst sind außerdem Schülerinnen und Schüler des Bischöflichen Maria-Montessori-Schulzentrums, Pfarrer Roman Pracki aus Krakau, Superintendent Martin Henker, Superintendent i. R. Friedrich Magirius, Propst Lothar Vierhock, Reverend Martin Reakes-Williams und Nikolaikantor Jürgen Wolf.


Zum Versöhnungsgebet von Coventry

Am 14. November 1940 zerstörten deutsche Bombergeschwader die Stadt Coventry in England und mit ihr die mittelalterliche Kathedrale St. Michael. Auf dem Altar des zerstörten Gotteshauses errichtete die Gemeinde von Coventry ein Kreuz aus verkohlten Dachbalken. Noch heute steht es auf dem Altar in der Ruine. Dieses Kreuz gilt als Zeichen der Versöhnung und des Friedens. Es wurde nach dem Krieg von Coventry in die von englischen Bomben zerstörten deutschen Städte gebracht, als Zeichen für einen Neuanfang in diesem Versöhnungsprozess beider Völker. Nachdem 1947 in Kiel das erste Nagelkreuzzentrum gebildet war, gibt es inzwischen in Deutschland über 50 solcher Zentren, die zur Nagelkreuzgemeinschaft zusammengefasst sind, weitere in anderen Ländern weltweit.

Leitwort dieser Gemeinschaft sind die Worte, die der damalige Dompropst Richard Howard in die Chorwand der zerstörten Kathedrale in Coventry einmeißeln ließ: FATHER FORGIVE. Daraus entwickelte sich ein Gebet, das regelmäßig freitags um 12 Uhr im Chorraum der Ruine in Coventry und in vielen Nagelkreuzzentren gebetet wird. 

Wir alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes,
den wir bei Gott haben sollten.          (Römer 3, 23)
Darum lasst uns beten:
Vater, vergib!

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt,
Volk von Volk, Klasse von Klasse:
Vater, vergib! 

Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker,
zu besitzen, was nicht ihr eigen ist:
Vater, vergib! 

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt
und die Erde verwüstet:
Vater, vergib! 

Unseren Neid auf das Wohlergehen
und Glück der anderen:
Vater, vergib! 

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not
der Heimatlosen und Flüchtlinge:
Vater, vergib! 

Den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet
Vater, vergib! 

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst
zu vertrauen und nicht auf dich:
Vater, vergib! 

Lehre uns, o Herr, zu vergeben und uns vergeben zu lassen,
dass wir miteinander und mit dir in Frieden leben
Darum bitten wir um Christi willen.

Amen.   




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