Kamenz benennt Weg nach Dr. Bernhard Wensch (1908-1942)

Jugendseelsorger Wensch kam 1942 im KZ Dachau ums Leben


Der künftige Dr.-Bernhard-Wensch-Weg, hier bei der Verlegung des Stolpersteins 2008.
Einen Dr.-Bernhard-Wensch-Weg wird es künftig in Kamenz geben. Auf seiner jüngsten Sitzung beschloss der Stadtrat, einen Weg an der Pfarrkirche nach dem Jugendseelsorger zu benennen, der 1942 im Konzentrationslager Dachau ums Leben kam.

Kamenz, 04.02.09 (KPI): Einen nach dem katholischen Priester Dr. Bernhard Wensch benannten Weg wird es nach dem Willen des Kamenzer Stadtrats künftig in der Lessingstadt geben. Auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen die Stadträte, den Weg an der Pfarrkirche St. Maria Magdalena künftig nach dem Jugendseelsorger des Bistums Meißen (heute Dresden-Meißen) zu benennen, der auch in Kamenz wirkte und 1942 im Krankenlager des Konzentrationslagers Dachau ums Leben kam.

An Pfarrer Wensch, der besonders durch sein Engagement für die Jugend ins Visier der Nationalsozialisten geriet, erinnert am zukünftigen Dr.-Bernhard-Wensch-Weg bereits ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig und eine Plakette des Künstlers Egino Weinert. Bereits zur feierlichen Stolperstein-Verlegung im vergangenen Oktober hatte der Kamenzer Pfarrer Dr. Michael Kleiner den Vorschlag aufgebracht, den betreffenden Weg nach Dr. Bernhard Wensch zu bennnen.

In der Nacht nach der Verlegung des Stolpersteins hatten Unbekannte die Weinert-Plakette aus ihrer Verankerung gerissen und gestohlen. Pfarrer Dr. Kleiner konnte allerdings beim Kölner Künstler einen Nachguss des Originals bestellen.

Als Geste der Solidarität mit ihren katholischen Mitchristen hatte die evangelische Gemeinde die Kosten für den Nachguss übernommen. Diese erneuerte Plakette soll nun bei der Einweihnung des Dr.-Bernhard-Wensch-Wegs nochmals in den Blickpunkt gerückt werden.


ZUR PERSON: BERNHARD WENSCH

Bernhard Wensch wurde 1908 in Berlin-Wilmersdorf geboren. 1918 übersiedelte die Familie nach Dresden. Hier besuchte Wensch das König-Georg-Gymnasium und legte 1927 das Abitur ab. Theologie studierte er in Innsbruck, wo er 1930 zum Doktor der Philosophie und Theologie promovierte. 1934 empfing er im Bautzener Dom die Priesterweihe. Nach Kaplanstätigkeiten in Kamenz wurde Wensch 1937 zum ersten Diözesanjugendseelsorger des Bistums Meißen (heute Bistum Dresden-Meißen) berufen. Hellsichtig durchschaute er die Propaganda der Nationalsozialisten und wollte junge Menschen befähigen, gegen den Strom des Zeitgeistes zu schwimmen. So reiste er durch das Bistum, um in Kursen und Einkehrtagen zur Jugend zu sprechen.

Als Seelsorger, der sich der Gleichschaltung von Kirche und Verbänden durch den nationalsozialistischen Staat widersetzte, stand Bernhard Wensch unter besonderer Beobachtung der NSDAP und der Gestapo. Am 19. Mai 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet und über Monate in Untersuchungshaft gefangen gehalten und verhört. Anlass dafür war die Beschlagnahme von Rundbriefen, die katholische Jugendliche in Sachsen verfasst und hergestellt hatten. Die Anklage gegen ihn lautete, die Jugend „gegen den Staat aufgehetzt“ zu haben. Ohne gerichtliches Urteil blieb er weiter in Haft.

Zunächst wurde Bernhard Wensch ins KZ Oranienburg gebracht, am 7. November 1941 kam er ins KZ Dachau, wo er im Pfarrerblock eingesperrt wurde. Dort zeigte er insbesondere angesichts der von der SS gegen die inhaftierten Geistlichen gerichteten Aktionen eine vorbildhafte Ruhe, Gefasstheit und Hingabebereitschaft.

Hermann Scheipers, der vermutlich letzte heute noch lebende Priesterhäftling des KZ Dachau, berichtet, dass Bernhard Wensch während der seit Frühjahr 1942 unter den Häftlingen herrschenden Typhusepidemie heimlich und unter Lebensgefahr zum Invalidenblock kam und ihm, der dort todkrank lag, sowie anderen kranken Häftlingen die Kommunion brachte. Einmal habe ihm Bernhard Wensch seine ganze eigene Tagesration Brot geschenkt, obwohl er selbst bereits vom ständigen Hungern krank war und unter schwerem Durchfall litt. Bald darauf wurde Bernhard Wensch selbst ins Krankenrevier eingeliefert, wo er nach drei Tagen am 15. August 1942 starb.

Asche – angeblich die sterblichen Überreste von Bernhard Wensch – wurde von der KZ-Verwaltung den Angehörigen des Verstorben zugeschickt. Sie wurde 1942 in der Priestergruft auf dem Alten Katholischen Friedhof an der Friedrichsstraße in Dresden beigesetzt.

MB

www.mariamagdalena-kamenz.de


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