Papst-Position zur Aussöhnung mit dem Judentum außer Zweifel

Bischof Reinelt stärkt Papst Benedikt den Rücken


Stärkt Papst Benedikt den Rücken: Bischof Joachim Reinelt.
Als unstrittig hat Bischof Reinelt die Position Papst Benedikts XVI. zur Aussöhnung mit dem Judentum bezeichnet. In einem Interview erklärte der Bischof, Papst Benedikt sei „über jeden Zweifel an seiner Position in dieser Frage erhaben“.

Dresden, 04.02.2009 (KPI): Als unstrittig hat Bischof Joachim Reinelt die Position Papst Benedikts XVI. zur Aussöhnung mit dem Judentum bezeichnet. In einem heute veröffentlichten Interview mit der Leipziger Volkszeitung erklärte der Bischof von Dresden-Meißen, Papst Benedikt sei „über jeden Zweifel an seiner Position in dieser Frage erhaben“. Schon mehrfach habe er die hohe Bedeutung der Aussöhnung mit dem Judentum betont, die bereits sein Vorgänger Johannes Paul II. maßgeblich begonnen hat.

Papst Benedikt hatte seine Haltung zum Holocaust bislang beispielsweise in der Kölner Synagoge am 19. August 2005 deutlich gemacht, bei seinem Besuch im Konzentrationslager Auschwitz am 28. Mai 2006 und der darauf folgenden Generalaudienz am 31.05.2006, außerdem unmissverständlich am 28. Januar 2009. Wörtlich sagte der Heilige Vater bei dieser Generalaudienz: „Während ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare Solidarität mit unseren Brüdern, den Trägern des Ersten Bundes, zum Ausdruck bringe, wünsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu anstiftet, nachzudenken über die unvorhersehbare Macht des Bösen, wenn es das Herz des Menschen ergreift. Die Shoah sei für alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Reduzierung“.

Bischof Reinelt betonte mit Blick auf Kritiker des Papstes, es sei „wünschenswert, wenn diese Aussagen ebenfalls Beachtung finden würden“. Ebenfalls im Rahmen einer Generalaudienz Ende Januar hatte der Papst auch eindeutig den Zweck der Aufhebung der Exkommunikation erklärt und betont, diese habe nichts mit einer Legitimierung von Aussagen zu tun, die den Holocaust leugnen.

Zur Entstehung des päpstlichen Beschlusses, die Exkommunikation auch für den besonders umstrittenen Bischof Richard Williamson aufzuheben, sagte Bischof Reinelt: „Der Vatikan ist eine Organisation mit vielen Abteilungen. Mir scheint, dass einzelne Entscheidungen noch eine deutlich bessere Vorbereitung und Abstimmung vertragen könnten, ehe sie dem Papst vorgelegt werden.“ In diesem speziellen Fall seien mehrere Faktoren „unglücklich zusammengekommen“.

Die Exkommunikation aufzuheben sei eine Geste guten Willens des Papstes gegenüber einer kleinen Gruppierung gewesen. Dass unter den Bischöfen, denen diese Geste zugute kam, allerdings auch ein Holocaust-Leugner war, bezeichnete Bischof Reinelt „als gewaltige Panne, die so nicht hätte passieren dürfen“. Zugleich betonte der Bischof von Dresden-Meißen, dass die Piusbruderschaft mit der Aufhebung der Exkommunikation ihrer Bischöfe noch nicht zu einem Teil der katholischen Kirche geworden sei. Papst Benedikt XVI. habe deutlich gemacht, dass nun klare Signale der Traditionalisten-Bischöfe folgen müssten, wenn diese sich völlig auf den Boden der katholischen Kirche stellen möchten. Um in der katholischen Kirche anzukommen, müsse die Piusbruderschaft die Autorität des Papstes und die Lehren insbesondere des Zweiten Vatikanischen Konzils mit dessen Beschlüssen zur Ökumene, zur Religionsfreiheit und zur Aussöhnung mit den Juden anerkennen.

Wie Radio Vatikan gestern mitteilte, habe sich erstmals auch Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone in die heftige Debatte um die Lefebvre-Anhänger eingeschaltet. In einem Interview mit einer italienischen katholischen Tageszeitung betonte der Kardinal, „dem Papst und allen seinen Mitarbeitern“ sei auch künftig an „guten Beziehungen“ zum Judentum gelegen. Die Pläne für eine Papstreise nach Israel seien „in einem fortgeschrittenen Stadium“. Auf die Frage, ob derzeit „fünfzig Jahre des Dialogs“ zwischen katholischer Kirche und Judentum „in Flammen aufgehen“, antwortete Kardinal Bertone: „Wir haben nicht so einen Katastrophen-Eindruck.“ Bertone wiederholte, dass die Aufhebung der Exkommunikation gegen die vier Traditionalisten-Bischöfe nichts mit den „unglückseligen Äußerungen“ von Richard Williamson zu tun habe. Williamson, einer der vier betroffenen Bischöfe, leugnet den Holocaust.

Wörtlich sagte Bertone: „Die Priesterbruderschaft Pius X. hat sich von den Äußerungen ihres Mitbruders distanziert und den Papst für diese unerfreuliche Episode um Verzeihung gebeten. Der Papst hat sich am Mittwoch klar geäußert. Die Angelegenheit ist aus meiner Sicht beigelegt.“ Die Vatikan-Kommission Ecclesia Dei will sich derweil nicht zur derzeitigen Debatte äußern. Das Gremium ist für die Kontakte des Vatikans zu den Lefebvre-Anhängern zuständig.

rv/MB

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