Weg der Erinnerung in Dresden

am 8. November auf den Spuren jüdischen Lebens

Mit dem Fahrrad durch Dresden - wie hier beim Weltjugendtag 2005 - geht es beim Weg der Erinnerung.

Mit dem Fahrrad durch Dresden - wie auf dem Foto bei den Tagen der Begegnung am Weltjugendtag 2005 - geht es beim Weg der Erinnerung.


Dresden, 02.11.09: Am Sonntag, den 8. November findet unter dem Thema „Unbekannte Geschichte(n) über Verrat und Hilfe" der diesjährige „Weg der Erinnerung" in Dresden statt. Er beginnt 11 Uhr an der Gedenktafel an der Kreuzkirche und führt zu mehreren Stationen, die in einem thematischen Zusammenhang stehen. Seit mehreren Jahren wird am Sonntag vor oder nach dem 9. November zum „Weg der Erinnerung" eingeladen - einer Fahrradtour auf den Spuren jüdischen Lebens und Leidens in Dresden. Damit wird der „Reichspogromnacht" von 1938 gedacht, in der deutschlandweit die Synagogen brannten und jüdische Einrichtungen zerstört wurden.

Abstrakte Geschichte wird erfahrbar und lebendig in persönlichen Erlebnissen, die erzählt werden und letztlich „die Geschichte" formen. So sucht der „Weg der Erinnerung" in diesem Jahr Orte in unserer Stadt auf, an denen sich Geschichten um Hilfe und Verrat in der Zeit der nationalsozialistischen Judenverfolgung ereigneten. Am ehemaligen Gefängnis im heutigen Polizeipräsidium Schießgasse wird die Geschichte von Horst Weigmann erzählt: Ein Mann verkleidet sich und gibt sich als SS-Kommissar aus, um seine jüdische Mutter aus dem Gefängnis zu befreien. Er bezahlt diese Rettungsaktion mit seinem Leben.

Auf der Hauptstraße wird erinnert an „Hilfe auf der Straße" für ausgegrenzte jüdische Bürger. Auf dem Gelände des heutigen Dreikönig-Gymnasiums werden Schulgeschichten von Ermutigung und Erniedrigung, die jüdische Schüler durch Lehrer und Mitschüler erfuhren, vergegenwärtigt. Am Gericht auf der Sachsenallee wird deutlich werden, dass Denunziation und Verrat ein wichtiger und „zuverlässiger" Baustein jeder Diktatur ist. Die Rettungsgeschichte des Sterns der in der Pogromnacht zerstörten Synagoge wird am Ort, wo dieser seinen neuen Platz fand, erzählt: An der Neuen Synagoge. Es sind alltägliche, kleine und unbekannte Erlebnisse, die doch in der Zeit eines totalitären Regimes von größter Bedeutung waren, lebensrettend oder lebensbedrohend. Diese Geschichten zeigen, dass jeder Mensch, auch wenn seine äußere Freiheit in einer Diktatur eingeschränkt ist, immer noch einen Entscheidungsspielraum hat, menschlich zu handeln - oder  sich diesem zu verweigern.

Die Stationen werden in diesem Jahr von Schülern des St.-Benno-Gymnasiums, einer katholischen Jugendgruppe, der Aktion Sühnezeichen und der jüdische Jugendgruppe vorbereitet. Zum Abschluss laden die Veranstalter zu einem Imbiss in das Gemeindehaus ein.  Für die Organisation zeichnen die Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit, die katholische Dekanatsjugend Dresden, das Evangelische Stadtjugendpfarramt Dresden und die Jugend der Jüdischen Gemeinde Dresden verantwortlich. Die Stationen werden von Schulklassen oder Jugendgruppen vorbereitet und gestaltet. An Plätzen ohne Hinweis auf den geschichtlichen Bezug werden provisorische Gedenktafeln angebracht.


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