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Bistum Dresden Meissen
Rotraut Dietz auf einem Foto aus dem Jahr 2023. © Rafael Ledschbor / Katolski Posol
28. August 2026

Aus erlebtem Schmerz wurde ein Segen für andere

Ehemalige Seelsorgehelferin und Pfarrhaushälterin Rotraut Dietz (82) am 20. August in Bautzen verstorben

Bautzen. Sie hat selbst erfahren, was es heißt, die Heimat zu verlieren und als Fremde nicht willkommen zu sein. Rotraut Dietz antwortete darauf mit Liebe und stellte ihr Leben in den Dienst für Gott und ihre Mitmenschen. Sie trat für jene ein, die Zuflucht, Beistand und Gemeinschaft suchten. Ihr Leben voller Hingabe, Mitgefühl und unermüdlichem Einsatz für die Kirche und den Nächsten hat sie Gott dem Herrn zurückgegeben. Sie verstarb am Donnerstag, 20. August, im Alter von 82 Jahren in Bautzen.

Geboren in Grundmühlen bei Teplitz (heute Teplice), wuchs Rotraut Dietz ohne Vater auf, der 1944 verstarb, als sie erst einige Monate alt war. Die Vertreibung im Jahr 1945 prägte ihr Leben nachhaltig: Nur mit dem Nötigsten strandete die Mutter mit ihren zwei kleinen Töchtern im thüringischen Treffurt. Die Erfahrung, als Flüchtling fremd zu sein und nicht überall freundlich aufgenommen zu werden, brannte sich tief in ihr Herz ein – und wurde später zur Triebfeder ihres beispielhaften christlichen Wirkens.

Sorbisch erlernt

In Treffurt reifte durch den engen Kontakt zur Pfarrgemeinde ihr Wunsch heran, ihr Leben ganz in den Dienst des Evangeliums zu stellen. Sie trat in die Gemeinschaft der Schönstätter Marienschwestern ein und ließ sich zur Seelsorgehelferin ausbilden. Nach ihrer Versetzung nach Bautzen im Jahr 1975 unterrichtete sie unter anderem Erstkommunionkinder. Vielen Bautzenern blieb sie aus dieser Zeit liebevoll als „die Nonne“ in Erinnerung, obwohl sie die zeitlichen Gelübde nicht mehr verlängert hatte. Über viele Jahre stand sie zudem als Pfarrhaushälterin an der Seite von Pfarrer Dr. Rudolf Kilank (1937–2012) in Bautzen und Ostro. Mit großer Hingabe kümmerte sie sich nicht nur um den Haushalt, sondern erlernte an der Sorbischen Sprachschule in Milkel die sorbische Sprache, um im Gemeindeleben und Unterricht noch tiefer die Herzen der sorbischen Gläubigen zu erreichen. Etliche Jahre hat sie außerdem Treffen von Pfarrhaushälterinnen in der Oberlausitz organisiert, damit diese ihre Erfahrungen austauschen können.

Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand blieb Rotraut Dietz unermüdlich aktiv. Seit 2012 engagierte sie sich in der Dompfarrei St. Petri in Bautzen – im Pfarrgemeinderat, bei der Führung von Besuchergruppen sowie Aufsicht im Dom sowie in der Elisabeth-Gruppe im Besuchsdienst für einsame und ältere Menschen.

Engagement für Geflüchtete

Seit dem Jahr 2014 war sie eine wichtige Stütze der Caritas-Flüchtlingshilfe in der Oberlausitz. Getragen von ihrem Glauben und dem biblischen Wort „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40), nahm sie sich geflüchteter Menschen mit mütterlicher Wärme an. Sie half bei Hausaufgaben, begleitete bei Behördengängen und gestaltete Initiativen wie das „Weltcafé“ und die „Küche International“ maßgeblich mit. Für ihr außerordentliches bürgerschaftliches Engagement wurde ihr 2019 die Annen-Medaille des Freistaates Sachsen verliehen.

Rotraut Dietz war eine vertrauensvolle, offene und stets bescheidene Frau, die aber auch eine große Prise Humor hatte. Wir danken Gott für das Zeugnis ihres Lebens und empfehlen sie seiner barmherzigen Liebe an. Möge sie in Gottes vollkommener Liebe ruhen.

Rafael Ledschbor

Das Requiem findet am Donnerstag, 17. September, um 9.00 Uhr im St.-Petri-Dom in Bautzen statt. Abschließend ist die Urnenbeisetzung auf dem Nikolaifriedhof.