Lob Gottes aus 220 Kehlen

Zwei Reiseberichte von der Bistums-Chorwallfahrt an den Bodensee Anfang Oktober

in der Kirche des Klosters Mehrerau

In der Kirche des Klosters Mehrerau (alle Fotos: Barbara Dittrich)

Haben Sie schon einmal einen Chor mit 220 Sängerinnen und Sängern erlebt, der ohne technische Verstärkung zur Ehre Gottes sang? Und wenn bei einem teilweise 8-stimmigen Gloria-Ruf die Kirche vibrierte und bei der zarten Agnus-Dei-Melodie die Herzen in Bewegung gerieten, dann konnte selbst mancher Sänger ein paar Takte nicht mitsingen, weil ihm vor innerer Berührtheit die Stimme versagte. Das aber war nicht schlimm, da es den anderen über 200 Sängern nicht zum gleichen Zeitpunkt so erging.

Doch nun der Reihe nach: Wie kam es dazu? Der Cäcilienverband unseres Bistums lud nach vier Jahren wieder zu einer Chorwallfahrt ein. Es meldeten sich aus den Chören unseres Bistums 270 Menschen, darunter 220 Mitglieder, an. So machten sich am 3. Oktober sechs Busse auf den Weg zum Bodensee, zunächst zur Autobahnkirche Trockau. Dort sangen wir zum ersten Mal alle gemeinsam ein Morgenlob mit anschließender Probe, dann ging es weiter zu unserem Quartier nach Bregenz (Österreich).

Dazu waren viele Vorbereitungen nötig. Der Vorstand des Cäcilienverbandes stemmte zusammen mit dem Reisebüro Schmidt aus Radibor die organisatorische Vorbereitung: Sie knüpften im Vorfeld die Verbindungen zu den Kantoren und Leitern der Kirchen, wo gesungen werden sollte, und sorgten sich um das Rahmenprogramm. Die Kantoren bereiteten die Gesänge vor. Im Frühjahr gab es dann das Wallfahrtsheft mit allen mehrstimmigen Gesängen, die im Vorfeld in den Heimatchören geprobt werden konnten.

RavensburgEs war eine Chor-Wallfahrt, das heißt, wir gaben keine Konzerte am Bodensee, sondern wir sangen ausschließlich in Gottesdiensten: vom Morgenlob über Vesper-Gottesdienste bis hin zu Hl. Messen – und das in diesen Tagen vom 3. bis 7. Oktober insgesamt achtmal (!); beispielsweise im Zisterzienserkloster Mehrerau (Österreich), in St. Gallen und Heiden (beide Schweiz), in Lindau und Ravensburg (s. Foto rechts). So hatte auch der Präses des Cäcilienverbandes, Diakon Matthias Tauchert, als (meist) liturgischer Leiter viel zu tun. Den Abschluss bildete am Sonntag die Hl. Messe in Hard (Österreich) zusammen mit der dortigen Gemeinde. Dabei überstieg die Zahl der Wallfahrer die Zahl der dortigen Gottesdienstgemeinde. Unsere 4 Kantoren, die ein gutes Team bildeten und sich bei der Leitung der Gesänge abwechselten, überraschten uns noch am Samstag mit einer von ihnen gestalteten Abendmusik im Kloster Mehrerau, das fußläufig von unseren Hotels entfernt war.

Neben dem Singen – uns und anderen zur Freude und Gott zur Ehre – gab es auch Begegnungen und andere schöne Erlebnisse. In Ravensburg kümmerten sich Sänger vom dortigen Chor liebevoll um uns, führten uns in Gruppen durch ihre Altstadt und verstärkten uns bei der Wort-Gottes-Feier. In St. Gallen besichtigten wir gruppenweise die berühmte Stiftsbibliothek mit über 1000-jährigen Handschriften. Lindau erreichten wir per Schiff und hatten noch genügend Freizeit zur Erkundung dieser Insel, bevor wir dann in der Stiftskirche die Vesper sangen.

Es waren gelungene Tage, ein Geschenk für die Teilnehmenden, wie immer wieder zu hören war. Und Geschenke kann man nicht machen, zum Beispiel das wunderbare sonnige Wetter an den drei Aufenthaltstagen. In St. Gallen und Lindau konnten wir die Straßencafés bevölkern und immer wieder die herrliche Bergwelt rund um den Bodensee genießen. Im wahrsten Sinne „erfüllt“ und dankbar traten wir am Sonntag nach der Hl. Messe die Heimreise in den Bussen an – dabei die oft gehörte Bemerkung: Wohin geht‘s in 4 Jahren?

Reisebericht aus Chemnitz


Gerade als wir uns am Sonntagmorgen zur Heimreise rüsteten, zeigte sich am Himmel über dem Bodensee ein Regenbogen, der seinem Namen alle Ehre machte – und unter diesem farbenfrohen Gruß aus der Höhe verließen wir Bregenz und unsere Unterkünfte.
Vier ereignisreiche und erfüllende Tage lagen da hinter 270 Wallfahrern – darunter 220 SängerInnen aus dem gesamten Bistum –, die sich zur diesjährigen Chorwallfahrt des Diözesancäcilienverbandes aufgemacht hatten.

Zum sechsten Mal gab es eine solche große Reise, die im Vierjahresrhythmus stattfindet und den vereinigten Chören nicht nur touristische Perlen wie schon Venedig, Bergamo, Olomouce, Brügge, Antwerpen und heuer z. B. St. Gallen zeigt, sondern vor allem einen musikalischen Bogen spannt, der uns zusammenbringt. Unter der Federführung der Kirchenmusiker des Bistums entstand ein Chorheft, in dem sich für alle gut singbare Stücke finden. Daraus hatten schon alle fleißig geübt, und so waren die Proben, die auf unserer Reise nach dem täglichen Morgenlob stattfanden, gut vorbereitet.

Am 3.10. starteten wir am frühen Morgen von allen Enden des Bistums (von Schirgiswalde und Schneeberg, von Leipzig und Chemnitz, Gera und Dresden...) und trafen uns zu einer ersten Statio in der Autobahnkirche Trockau an der A9. Das war schon zum ersten Mal ein beeindruckendes Bild: sechs große Reisebusse, so viele Menschen. Und vor allem: so viele bekannte Gesichter, aber auch erfreulich viele "Debütanten"! Ziel in diesem Jahr war die Bodenseeregion.

in Trockau

In Trockau.

In den folgenden drei Tagen verwöhnte uns der Himmel mit strahlendem Blau, Sonne und angenehmen Temperaturen, was der Stimmung immer sehr zuträglich ist, und so erkundeten wir am Donnerstagmorgen die Zisterzienserabtei Mehrerau direkt am Ortsrand von Bregenz, lernten Prior Vincent kennen, der uns (so wie übrigens alle, denen wir in diesen Tagen begegnen sollten) ein großes Gefühl des Willkommenseins entgegenbrachte, und machten uns dann auf in die Basilika in Weingarten, um dort vor allem die Orgel mit ihrem berühmten Register „vox humana“ zu hören.

Von Weingarten ist es nur ein Katzensprung nach Ravensburg, wo uns der "zwischenmenschliche Höhepunkt" unserer Reise erwartete: Der 35 Sänger zählende Chor der Liebfrauenkirche hatte ein buntes und hoch engagiertes Programm für uns vorbereitet! 12 Mitglieder des Chores erkundeten mit wiederum jeweils 12 von uns auf unterschiedlichsten Wegen die Stadt, eine große Wandertruppe kraxelte zum höchsten Punkt und genoss von da die Aussicht, es gab Sonderführungen im Museum, Turmbesteigungen... oder auch einfach nur Kaffee und Kuchen und Gespräche im Gemeindehaus. Ein gemeinsamer Gottesdienst, bei dem sich die Ravensburger unter uns mischten, war ein schöner Abschluss dieser Stunden dort. Das große Engagement des Chores um Kantor Rüdinger hat uns alle tief berührt und beglückt.

in Heiden (Schweiz)

In Heiden (Schweiz)

Tag zwei führte uns in die Schweiz. Am Vormittag zu Morgenlob und Probe ins hoch über dem Bodensee gelegene Heiden. Auf der Fahrt dorthin stießen wir denn auch durch die morgendliche Wolkendecke und hatten so zwar keinen Seeblick, dafür aber ein Gefühl von "dem Himmel sehr nah".
Gut für den Nachmittag gerüstet ging es dann nach St. Gallen. Eine wunderschöne Stadt! Es gab die Möglichkeit, in einer kleinen Führung einen Blick in die Stiftsbibliothek und die St. Galluskapelle zu werfen und in einer großen Freizeitphase die Stadt zu erkunden. Überall begegnete man denn also an diesem Nachmittag entspannt schlendernden Leuten, die aufgrund ihres um den Hals getragenen Schildchens als Mitreisende zu erkennen waren.
Den würdevollen Abschluss dieses Tages bildete ein Gottesdienst im eindrucksvollen Dom, den wir musikalisch gestalteten. Auch dort hatten Sakristan und Kantor alles perfekt vorbereitet. Wunderbar!

Markthalle in Altenrhein

Die Markthalle in Altenrhein.

in LindauAm Samstag dann endlich Zeit auf dem Bodensee. Auf dem Weg dahin konnten wir noch einen Blick in die von Hundertwasser gestaltete Markthalle in Altenrhein werfen, und dann ging es per Fähre nach Lindau: zum Bummeln und Schauen und zu einer Vesper im Münster (s. Foto rechts).
Den Abschluss dieses Tages machte dann, zurück in Bregenz, ein besonderes Highlight: um 21 Uhr eine Abendmusik in der dunklen Kirche des Klosters Mehrerau, bei dem unsere vier mitgereisten Kantoren Michael Formella, Bernadette Schmidt, Marco Gulde und Stephan Rommelspacher die Orgel für uns zum Klingen brachten.

Am Sonntagmorgen hieß es dann – unter o.g. Regenbogen – Abschied nehmen. Ein gemeinsamer Gottesdienst in der St. Sebastian-Kirche in Hard bildete den würdevollen Abschluss. Die dortige Gemeinde hatte extra für uns ihre Sonntagsmesse eine Stunde vorverlegt, und so feierten wir mit ihnen zusammen Erntedank mit viel Musik! Nicht ohne uns und unsere Mitsänger zu Hause in unseren Chören für die Zukunft unter Gottes Segen zu stellen und uns für in zwei Jahren zum BistumsChorTag und für 2022 zur nächsten Wallfahrt zu verabreden, brachen wir dann alle wieder auf in Richtung Heimat – und während RB noch an seinem 6:0 Sieg feilte, war z.B. der eine Leipziger Bus wohlbehalten zurück. Die restlichen 5 Busse schafften auch alle den Weg nach Hause – je nachdem, wohin sie mussten.

Fünf prallgefüllte Tage, 270 aufgetankte und ermutigte Herzen! Den Organisatoren ein herzlicher Dank für diese wertvolle und schöne Zeit.

Claudia Heinze, Leipzig



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