Blick zum Nachbarn: Ein Eindruck von der Synode in der Diözese Pilsen
Ein Bericht von Ordinariatsrat Bertram Wolf aus Dresden
Plzeň/Pilsen (Tschechische Republik). Unser Nachbarbistum Pilsen geht in die entscheidende Phase seiner Synode: „Nicht mehr erfinden, sondern wählen, was das Leben in den nächsten drei Jahren bringen soll.“ So beschrieb die Einladung das Anliegen des Treffens am 17. Januar 2026. Dazu kamen die 101 Delegierten aus den Gemeinden und kirchlichen Orten des Bistums in Plzeň-Litice zusammen. Die Räumlichkeiten der Koinonia Johannes der Täufer boten dafür ausgezeichnete Bedingungen.
Erstmalig waren deutsche Gäste dabei. Eine Gruppe der Ackermann-Gemeinde aus Freiburg/Breisgau besuchte ihr Partnerbistum, um mit eigenen Augen und Ohren den synodalen Geist aufzunehmen. Bertram Wolf aus dem Bistum Dresden-Meißen knüpfte an den Pfarrertausch vor einem Jahr an, um den Fortgang zu erkunden.
Zur Vorbereitung hatte das Synodenteam allen Teilnehmenden acht Stimmen und zwölf Prioritäten zugesandt, die aus den Beschlüssen der 2. Vollversammlung im November 2025 entstanden waren. In der Predigt bei der eröffnenden Eucharistiefeier machte Bischof Tomáš Holub deutlich: Die Synode ist nicht nur eine Reaktion, weil es in der Kirche nicht mehr wie früher funktioniert. Es ist ein geistliches Geschehen im Sinne der Bitte des Aussätzigen im Evangelium an den HERRN: Wenn Du willst, kannst du mich heilen.
Umgesetzt wurde diese Bitte in zwei Arbeitsphasen. Es war spürbar, dass die synodale Arbeitsweise nach zwei Wochenenden in Johannisthal, Delegiertentag und vielfältigen digitalen Möglichkeiten in der Zwischenzeit nach zwei Jahren eingeübt ist. Gemäß der Weltsynode gab es auch hier Kleingruppentische, Zeiten der Stille und natürlich lebendige Pausengespräche untereinander.
Acht Stimmen und zwölf Prioritäten
Zuerst galt es, die eigene Person auf dem Weg zur Sprache zu bringen. Welche der formulierten acht Stimmen aus den Rückmeldungen entspricht mir? Damit wurde eine innere Beteiligung erreicht. Die zweite Arbeitseinheit galt dem Ringen um Prioritäten aus der komplexen Wirklichkeit des Bistums in den Bereichen Mission, Organisation und Ökonomie. Dies ist aus meiner Sicht eine Stärke des Pilsner Weges, dass die Fragen beieinanderbleiben.
- Mission: Wie wollen wir dazu beitragen, dass die Menschen in den nächsten zehn Jahren Christus begegnen?
- Organisation: Wie werden wir die begrenzte Anzahl Priester und anderen Seelsorgern organisieren, damit sie gesund leben und dienen können und alle Gläubigen ihren Glauben voll erfahren können?
- Managment: Wie können wir das Leben und den Dienst mit den begrenzten Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, materiell sichern?
Auf zwölf Prioritäten wurden diese Fragen gebündelt. Keine leichte Arbeit, abzuwägen und Schwerpunkte zu finden. Im Plenum entwickelte sich dann ein gewisser Unterhaltungswert, weil Bischof Holub am liebsten gleich entschieden hätte, während Generalvikar Petr Hruška tapfer die vierzehntägige Rückmeldemöglichkeit verteidigte. Nach Ostern entscheidet die abschließende Vollversammlung.
Die sorgfältige und durchdachte Vorbereitung dieses Treffens sowie die Ernsthaftigkeit und Herzlichkeit der Begegnungen kann auch uns als Nachbarn inspirieren. Der synodale Geist spricht nicht nur tschechisch oder italienisch, sondern kann auch uns beispielsweise im neuen Diözesanpastoralrat prägen.
Bertram Wolf
Nachgefragt: Im Gespräch mit einer Delegierten der Pfarrei Stribro Vladislava Buchová
B. Wolf: Vor einem Jahr haben Sie berichtet, wie wichtig Sie die Synode finden. Dass Sie die Erfahrung machen, dass der Bischof wirklich zuhört und die Äußerungen der Delegierten in die Arbeit einfließt.
Frau Buchova: Ja, für mich war damals vieles neu. Ich bin ja erstmalig in so einem Gremium. Inzwischen sind wir eine Gemeinschaft geworden. Wir kennen uns nun, sind nicht mehr fremd.
B. Wolf: Können Sie beschreiben, was sich in diesem Jahr verändert hat?
Frau Buchova: Vor einem Jahr war es einfacher. Nun merke ich auch die höhere Verantwortung, die wir übernommen haben. Das ist schwer. Manchmal macht sich sogar ein Gefühl von Angst breit. Wohin führen unsere Beratungen? Was ist dringlich und kann nicht warten?
B. Wolf: Gibt es auch einen Gewinn für Sie?
Frau Buchova: Ja, dass wir Synodalität eingeübt haben. Dass wir aufeinander hören in dieser großen Vielfalt. Das geht sogar über die Synode hinaus. Ich leite eine Apotheke. Da muss man manchmal sehr direktiv agieren. Aber ich merke, wie wertvoll dieses Hören auch für meine Arbeit ist, wenn andere sich äußern.
B. Wolf: Danke für diesen persönlichen Einblick.
Mehr Informationen:
- Zur Synode der Diözese Pilsen und den Synodendokumenten (mit Übersetzungsfunktion)...
- Zur Diözese Pilsen (mit Übersetzungsfunktion)...