Fall der Mauer – Verfall des Anstands?

Katholische Akademie eröffnet Leipziger Veranstaltungsreihe „Hass und Hetze“

Katholische AkademieLeipzig, 02.10.2018: Am Donnerstag, 4. Oktober 2018, um 19.00 Uhr findet in der Stadtbibliothek Leipzig eine Abendveranstaltung der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen statt, die der Frage nachgeht, ob Zusammenhänge zwischen nach 1989 gemachten Transformationserfahrungen und der heutigen politischen Kultur in Sachsen bestehen.

Zu Beginn wird die Leipziger Lektorin und Autorin Barbara Handke einige Passagen aus Ihrem 2018 veröffentlichten Debütroman „Wo ist Norden“ vortragen, der um die Erfahrungen einer deutschen Großfamilie im Mecklenburg der 1990er-Jahre kreist. Daran schließt sich eine Podiumsdiskussion mit Privatdozent Dr. Oliver Decker, Direktor des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung an der Universität Leipzig, und dem Germanisten und Historiker Hassan Soilihi Mzé, der bis Juni 2018 der Leipziger SPD vorsaß, an.

Der Abend setzt bei der Gegenwartsliteratur an, um davon ausgehend aktuelle Herausforderungen für die Diskussionskultur in Sachsen zu beleuchten: Ähnlich wie für die Protagonisten in Barbara Handkes Roman „Wo ist Norden“ bedeutete 1989 für die meisten Menschen in Ostdeutschland einen enormen biographischen Einschnitt. Die sich an die Friedliche Revolution anschließenden Erfahrungen des Abschieds, Umbruchs, Machtverlusts und der Transformation bestimmen vielfach auch heute das politische Denken und Handeln.

Kann jedoch davon gesprochen werden, dass gesellschaftliche Verrohungstendenzen wie Hasskommentare in den sozialen Netzwerken und Schreichöre bei Politikerbesuchen eine Folge jener Erlebnisse oder gar ein Spezifikum Ostdeutschlands sind? Was bedeutet dies für junge Menschen, die gerade in Ostdeutschland aufwachsen? Könnte ein anderer Umgang mit prägenden Erfahrungen aus der Zeit nach 1989 dazu beitragen, wieder konstruktiver miteinander zu diskutieren?

Der Gesprächsabend markiert mit seiner kontroversen Fragestellung zugleich den Beginn der Veranstaltungsreihe „Hass und Hetze“, die das Leipziger Programm des Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen im Herbst 2018 prägt. Akademiedirektor Dr. Thomas Arnold erklärt hierzu: „Gerade die jüngsten politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Sachsen unterstreichen für uns die Notwendigkeit, mit Bildungs- und Dialogangeboten Akzente gegen Hass und gesellschaftliche Verrohungstendenzen in der analogen wie in der digitalen Welt zu setzen. Als katholische Institution stellen wir uns dabei nicht zuletzt der Frage, wie dies aus christlicher Weltverantwortung heraus geschehen soll.“

jb


Veranstaltungsort:

Stadtbibliothek Leipzig
Saal Huldreich Groß, 4. OG
Wilhelm-Leuschner-Platz 19-11
04107 Leipzig
    

Weitere Veranstaltungen dieser Reihe:

17.Oktober | 19:00 Uhr | Propstei St. Trinitatis
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Über das tägliche Leben mit dem Antisemitismus
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Dr. Felix Klein, Berlin

24.Oktober | 19:00 Uhr | Stadtbibliothek
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08. November | 19:00 Uhr | Stadtbibliothek
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13. November | 19:00 Uhr | Propstei St. Trinitatis
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27. November | 19:00 Uhr | Stadtbibliothek
Friedensstifter oder Feuerteufel?
Zur Instrumentalisierung von Religion
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05. Dezember | 19:00 Uhr | Propstei St. Trinitatis
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Was dem Hass entgegengesetzt werden kann
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Weitere Informationen zur Reihe unter http://leibnizforum-leipzig.de/hass-und-hetze.



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