Jahrestagung nimmt Engagement der Kirche in der Gesellschaft in den Blick

Konferenz der Gemeindereferentinnen und -referenten tagte vom 30. September bis 2. Oktober im Bischof-Benno-Haus

Gruppenbild der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahrestagung. Fotos: Benjamin Braun

Gruppenbild der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jahrestagung mit Bischof Heinrich (vorne links). Fotos: Benjamin Braun

„Gegen Realität hilft kein Wünschen, sie stellt Aufgaben.“ (R. Bucher)

Schmochtitz/Bautzen, 09.10.2019: Die Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten des  Bistums Dresden-Meißen haben sich vom 30.9. bis 2.10.2019 zu ihrer Jahreskonferenz in Schmochtitz getroffen. Im Mittelpunkt dieser Tage stand das Ringen um eine angemessene Verhältnisbestimmung von Kirche - und darin speziell der Rolle pastoraler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - angesichts der politischen und gesellschaftlichen Situation, die auf allen Ebenen einer hohen Dynamik des Wandels unterworfen ist. Das Thema der Konferenz stand inhaltlich in Verbindung mit der Priesterwerkwoche. Beide Konferenzen wurden von Vertreterinnen und Vertretern der jeweiligen Berufsgruppen in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Personalentwicklung  vorbereitet. Das gemeinsame Ringen um Inhalte wurde von den Beteiligten als „inspirierender und herausfordernder Diskurs“ beschrieben.

Das Thema der Konferenz wurde in drei Schritten entfaltet:

„Wir nehmen die Welt um uns bewusst wahr und die Menschen, die darin leben.“

Pfarrer Andreas Dohrn (ev. Pfarrer in Leipzig) und Ine Dippmann (freiberufl. Hörfunkjournalistin) nahmen zu Beginn der Konferenz auf dem „Sachsensofa“ Platz und berichteten aus ihren Perspektiven, wie sie die Welt in Sachsen wahrnehmen und wie sich die Wahlergebnisse der Landtagswahl 2019 einordnen lassen.

Unter der Fragestellung „Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft?“ berichtete Gregor Engelbreth (Leiter des Kath. Büros in Berlin und Brandenburg) von globalen Megatrends und wo sich diese in Sachsen, in Deutschland, in Europa und auf der ganzen Welt in konkreten Erfahrungen zeigen.

„Wir stellen uns als Kirche in diese Wirklichkeit hinein und nehmen wahr, wie Menschen ihre Verantwortung zur Gestaltung der Welt leben.“

Einen weiteren Impuls, auf Grundlage eines  Vortrags von Eberhard Tiefensee „Wie stellt sich Kirche in die Welt von heute?“ gaben Elisabeth Neuhaus (Leiterin der Hauptabteilung Pastoral & Verkündigung)und Benno Schäffel (Leiter der Hauptabteilung Personal). Die Inhalte machten deutlich, dass es schwindelerregende Veränderungen in Kirche und Gesellschaft gibt. Die sich an den Vortrag anschließende Diskussion griff die genannten Herausforderungen auf:

„Mission ist Sendung, nicht Magnetismus!“
„Würden wir es auch tun, wenn es uns nichts bringt?“
„Es geht nicht um ein Comeback der Kirche, sondern um die sogenannten Anderen!“
„Die Anderen sind nicht defizitär, sondern anders!“
„Was heißt unter diesen Betrachtungen eine „Ökumene der Dritten Art“?

Anhand von drei Projektvorstellungen wurde das Engagement in der Gesellschaft ganz konkret:

B. M. Ebermann vom Ostritzer Friedensfest, K. Seifert vom Anna&Sascha e.V. in Annaberg-Buchholz und A. Hampel von der Zeit-Tausch-Börse Taucha stellten ihre Erfahrungen in den Projekten vor und beantworteten in den anschließenden Workshops viele interessierte Fragen. Den Frauen ist es gelungen, ihr christliches Profil und ihre Prägung im Alltag zur Wirkung zu bringen. Ihr Glaubenszeugnis war berührend und ermutigend.

„Wir verstehen gemeinsam, welche Rolle pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern darin zukommt beziehungsweise worin ihr unverzichtbarer Beitrag besteht.“

Angesichts des vielzitierten Bedeutungsverlustes von Kirche stellt sich die Frage nach dem christlichen Beitrag zur Gestaltung der Welt auch für die pastoral Mitarbeitenden neu. Benno Schäffel und Monika Münch entfalteten unter der Überschrift „Prinzip der Personalität“ fünf Grundhaltungen, aus denen heraus Priester, Diakone und Gemeindereferentinnen und –referenten den ihnen anvertrauten Gläubigen dienen können, damit diese ihren spezifischen Beitrag zur Mitgestaltung der Welt einbringen und so zum „Salz der Erde“ werden können.

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung kam das Miteinander an den beiden Abenden in der Scheune des Bischof-Benno-Hauses nicht zu kurz. Ein besonderer Höhepunkte war das Konzert von Liedermacher und Journalist Daniel Heinze (Radio PSR).

Lebhaft diskutiert wurde während der Tagung.

Lebhaft diskutiert wurde während der Tagung.

O-Töne zur Konferenz:

„Angesichts der sozialen, gesellschaftlichen und politischen Veränderungen in der Welt könnte die Betroffenheit darüber unser Team lähmen oder uns resignieren lassen. Entgegen dem Trend der Diskursunfähigkeit war allerdings während der Konferenz die Suche nach den Antworten auf die Frage nach unserem Auftrag als Kirche, aber auch als Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Pfarreien und in der Kategorialseelsorge sehr lebendig. Durch die „Taucherbrille“ geschaut haben wir Schätze entdeckt, und so waren die verschiedenen Zeugnisse von Personen, die Verantwortung in ihrem konkreten Umfeld wahrnehmen, sehr inspirierend. ‚Es bleiben Fragen offen, aber wir werden sie leben, bis wir in die Antworten wachsen‘, um mit Rilke zu schließen.“ (Claudia Böhme, Gemeindereferentin in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt Leutersdorf)

„Es waren sehr intensive Tage – reich gefüllt mit viel Input. Auch die spirituelle Ausrichtung in den Gebetszeiten und Gottesdiensten ist enorm wichtig und tragend. Der nüchterne Blick auf die Welt und die Wirklichkeit, die uns umgibt, macht deutlich: die Gestalt von Kirche, die wir kennen, ist unwiederbringlich vorbei. Damit geht auch die Veränderung unseres Selbstverständnisses als Seelsorgerinnen und Seelsorger einher. Das muss uns aber nicht ängstigen – im Gegenteil: unser Sendungsauftrag ist auf die Anderen ausgerichtet – auch wenn die nicht unter dem Label ‚Kirche‘ laufen. Das Evangelium lebt in so vielen Menschen außerhalb der ‚verlässlichen Struktur‘ – dorthin aufzubrechen ist einfach dran.“ (Matthias Demmich, Gemeindereferent in der Pfarrei St. Barbara Riesa)

„Fragend begann unsere diesjährige Diözesankonferenz der Gemeindereferentinnen und –referenten in Schmochtitz. Wie geht es dir? Quo vadis Sachsen? Welchen Auftrag hat die Kirche heute? Wozu sind wir gesandt? Welche Haltungen brauchen wir dafür? Haben wir genug Kraft? Wer stärkt uns den Rücken? Vielfältige Fragen wurden gestellt in kleinen Kreisen und in großer Runde. Antworten gegeben aber auch versucht, Lösungen zu finden. Viele Fragen blieben, neue kamen hinzu. Wir nehmen sie mit in unseren Alltag. Ob wir sie beantworten können?“
(Maria Clausen, Gemeindereferentin in der Pfarrei St. Simon und Juda Crostwitz)


Text: Stephan Schubert / Regina Schulze
Fotos: Benjamin Braun


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Fotos: Benjamin Braun



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