2.700 Katholiken aus Sachsen und Ostthüringen kamen zur großen Bistumswallfahrt

am Sonntag, 16. September, im Kloster Wechselburg

Gut gefüllt: der Klosterhof beim Eröffnungsgottesdienst. Foto: Michael Baudisch

Gut gefüllt: der Klosterhof beim Eröffnungsgottesdienst der Bistumswallfahrt.

Wechselburg, 16.09.2018 (KPI): „Gott suchen, wo er nicht vermisst wird.“ Unter diesem Titel steht eine kleine Ausstellung in der oberen Etage des Wechselburger Klosterladens. Auf Schautafeln erfährt der Besucher hier Wissenswertes zur Geschichte dieses traditionsreichen Ortes, zu seiner berühmten Basilika und zum Leben der Benediktinermönche. Mit der Überschrift der Ausstellung haben die Ordensleute eine Erfahrung aufgegriffen, der sie sich in ihrem Alltag häufig stellen müssen: Glaube und Kirche – das scheinen Themen zu sein, mit denen viele Menschen in Sachsen und Ostthüringen kaum noch Berührung haben. Heute allerdings ist alles anders. Die rund 2.700 Menschen, die bei bestem Spätsommerwetter heute zur großen Wallfahrt des Bistums Dresden-Meißen ins Kloster hoch über der Mulde gekommen sind, geben und erleben ein ganz anderes Bild.

Den ganzen Tag über konnte man auf dem weitläufigen Klostergelände erfahren, was Kirche in Sachsen und Ostthüringen ausmacht. Mit einer Morgenandacht in der Basilika hatte der Tag um 9 Uhr für alle früh Angereisten einen besinnlichen Auftakt genommen. Um 10 Uhr feierten dann alle Wallfahrer auf dem Klosterhof mit Bischof Heinrich eine festliche Heilige Messe. Und erlebten prompt eine Überraschung: Bischof Heinrich konnte verkünden, dass Papst Franziskus der Wechselburger Wallfahrtskirche den Ehrentitel einer „Basilica minor“ verliehen hat. „Basilica minor“ ist in der katholischen Kirche ein Ehrentitel, der bedeutungsvolle Kirchen auszeichnet und vom Papst verliehen wird. Weltweit gibt es nur etwa 1.500, in Deutschland gar nur 76 solcher Gotteshäuser. Wechselburg wird nun die Nummer 77 und ist dabei, außerhalb Berlins, die erste dieser Basiliken in den neuen Bundesländern. (Mehr dazu - hier klicken...)

Pater Maurus

Der Prior des Klosters Wechselburg, Benediktinerpater Maurus Kraß, begrüßte die Wallfahrer.

„Wer immer du bist, sein Wort gilt dir.“ – Unter diesem Leitwort nach einer Mönchsregel des Heiligen Benedikt stand der Tag. Bischof Heinrich Timmerevers griff in seiner Predigt diesen Gedanken auf. Mit Blick auf die Christusstatue am Kreuz des Wechselburger Lettners schilderte er die Beobachtung, dass diese Christusfigur dem Betrachter - besonders vom Priestersitz aus - unmittelbar ins Gesicht blicke. "Er schaut mich an. Er sieht mich. Im Kreuz ist Heil, Hoffnung und Leben", so Bischof Heinrich.

Zugleich ging der Bischof in seiner Predigt auf die jüngsten fremdenfeindlichen Ereignisse in Chemnitz ein. Er erinnerte daran, dass er vor zwei Wochen bei einem ökumenischen Gottesdienst wenige Stunden vor den ausländerfeindlichen Protesten in Chemnitz die Bibelstelle gewählt hatte "Suchet der Stadt bestes und betet für sie." Bischof Heinrich: "Frieden in der Stadt ist das beste und wertvollste." Er rief die Gläubigen dazu auf, für die Würde jedes Menschen einzutreten und sich nicht einschüchtern zu lassen. Unter großem Applaus ermutigte er zur Solidarität mit den Opfern von Hass und Gewalt.

Der Dresdner Bischof ging in seiner Ansprache aber auch auf die jüngsten zusammenfassenden Ergebnisse einer Studie zur sexuellen Gewalt von Priestern und Ordensleuten gegen Minderjährige ein, deren Resultate von kurzem vorab ihren Weg in die Medien gefunden hatten. Sichtlich bewegt sagte er: "Es fällt mir schwer, das in Worte zu bringen. Ich schäme mich. Es ist erschütternd, das wahrzunehmen, und es tut unendlich weh." Priester und Ordensleute hätten dabei in vielen Fällen die menschliche Würde mit Füßen getreten. Bischof Heinrich bat alle Opfer um Entschuldigung und rief zu einem Moment des Schweigens für sie auf. Zugleich sicherte er eine verstärkte Präventionsarbeit zu.

Bischof mit Konzelebranten am Altar.

Neben Bischof Heinrich feierten als Konzelebranten (v.l.n.r.) Generalvikar Andreas Kutschke, Bischof emeritus Joachim Reinelt und der Prior des Klosters, Benediktinerpater Maurus Kraß, die Heilige Messe mit.


Bläser aus dem gesamten Bistum gestalteten den Gottesdienst mit

Projektchor aus der Pfarrei Heilige Mutter Teresa

Gaben zum Gottesdienst den richtigen Ton an: der „BistumsBläserChor“ unter Leitung von Kantor Marco Gulde aus Dresden sowie ein Projektchor der Pfarrei Hl. Mutter Teresa Chemnitz unter Leitung von Kantor Matthias Böhm gestalteten die Heilige Messe musikalisch.

Gebärdendolmetscherin







Eine Gebärdendolmetscherin übersetzte für Gäste mit Hörbehinderung den Gottesdienst.


Gabenbereitung

Gabenbereitung


Spielwiese

Im Anschluss an den Gottesdienst wandelte sich das weitläufige Klosterareal zu einem quirligen Veranstaltungsgelände. Auf einer „Wallfahrtsmeile“ präsentierten knapp dreißig Pfarreien, kirchliche Einrichtungen und Initiativen ihre Arbeit und ihre Projekte, darunter beispielsweise die „Bunte Kirche Neustadt“, der sorbische Cyrill-Methodius-Verein, die Ökumenische Telefonseelsorge, das „netzwerk-gebet.de“ oder die Katholische Akademie des Bistums.

Glücksrad


Bei einem bunten Unterhaltungsprogramm auf der Bühne konnten die Gäste des Tages unter anderem den stellvertretenden Bürgermeister des Ortes, Stefan Theuer, die Vorsitzende des Katholikenrates, Martina Breyer, oder beispielsweise Vertreter der City-Pastoral Chemnitz im Interview mit KNA-Redakteurin Karin Wollschläger und Radio PSR-Redakteur Daniel Heinze erleben, aber auch beispielsweise den schwungvollen Gesang des Bistumskinderchores. Diözesanarchivarin Dr. Birgit Mitzscherlich stellte im Saal des „Hauses der Begegnung“ das neu erschienene Buch „Basilika und Kloster Wechselburg – Geschichte und Spiritualität. Ein Wallfahrtsort im Wandel“ vor.

Bistumskinderchor

Gewohnt spritzig: der Kinderchor der Bistümer Dresden-Meißen und Görlitz unter Leitung von Friedemann Wutzler und Martin S. Müller.

Den ganzen Tag über bestand außerdem die Möglichkeit zur Kreuzverehrung und zum stillen Gebet in der Wallfahrtskirche. Die Basilika des Klosters Wechselburg ist – neben der Wallfahrtskirche im sorbischen Rosenthal – einer der beiden Wallfahrtsorte im Bistum Dresden-Meißen. Berühmt ist die eindrucksvolle romanische Kirche vor allem für ihren Lettner: Die Triumphkreuzgruppe gilt als eines der gelungensten Kunstwerke des 13. Jahrhunderts.

In der Basilika.

Den ganzen Tag über wurde zur Kreuzverehrung in der Basilika eingeladen. 


Wallfahrtsmeile

Viele Besucher nutzten den Tag für einen Rundgang auf der Wallfahrtsmeile.


Sein 850-jähriges Gründungsjubiläum kann das Kloster Wechselburg in diesem Jahr feiern. Seit 25 Jahren beleben Mönche der bayerischen Benediktinerabtei Ettal das Kloster inzwischen wieder neu, nachdem der Ort rund 450 Jahre ohne Ordensleben auskommen musste. Heute sind hier – nach dem Tod eines Mitbruders vor 14 Tagen – drei Ordensmänner zu Hause. Sie pflegen die klösterlichen Gebetszeiten, sind in der Wallfahrts- und Pfarrseelsorge engagiert, wirken als Geistliche Begleiter und in der Polizeiseelsorge. Außerdem führen sie ein Jugend- und Familienhaus, bieten Gästewohnungen an, betreiben einen Klosterladen und hegen einen Klostergarten.

Wechselburg bietet sich als Wallfahrtsziel 2018 besonders an: Das Kloster feiert heuer sein 850-jähriges Gründungsjubiläum. In einem „Familienzentrum“ gab es viele Spiel- und Bastelangebote für große und kleine Kinder; hier war außerdem Clown Tomtom zu erleben. Am „Treffpunkt Jugend“ wurde zu Gesprächen über Gott, Kirche und Welt und zum Genießen kleiner Erfrischungen eingeladen.

Der Klosterladen in Wechselburg.

Auch der Klosterladen hatte den Tag über geöffnet.

Mit einer Wallfahrtsstunde – musikalisch gestaltet von den Dresdner Kapellknaben unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Matthias Liebich – endete am Nachmittag der Wallfahrtstag. In seiner Folge dürfte das Bistumstreffen noch an weit entfernter Stelle für Freude sorgen: Die Kollekte des Tages ist für die Pfarrei des aus dem Bistum Dresden-Meißen stammenden Pfarrers Bosco Marschner im russischen Bistum Saratow bestimmt.
                                           
Text: Michael Baudisch
Fotos: Elisabeth Meuser / Michael Baudisch



www.kloster-wechselburg.de



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