Leben am Toten Meer - Archäologie aus dem Heiligen Land

Neue Sonderausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz vom 27.09.2019 bis 29.03.2020

Chemnitz, 26.09.2019: Ab dem 27. September präsentiert das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) – seine neue Sonderausstellung „Leben am Toten Meer – Archäologie aus dem Heiligen Land“. Darin wird die Kulturgeschichte der Region in einer zeitlichen Tiefe von rund 12.000 Jahren und in acht Themenfeldern vorgestellt. Um ein multimedial gestaltetes Landschaftsmodell des Toten Meeres herum schließen sich konzentrisch die Themen Wellness, Mobilität, Höhlen, Dörfer, Städte, Macht und Ohnmacht sowie Kult und Religion an. Sie werden vor allem durch Exponate, aber auch durch Modelle und virtuelle Rekonstruktionen beleuchtet. Abgerundet wird die Präsentation zum einen durch einen Bereich zur Forschungsgeschichte, die durch das Spannungsfeld aus Religiosität, Wissenschaft und Politik geprägt ist. Zum anderen werden die außerordentlichen Textilfunde, deren Erhalt der extremen Trockenheit der Region geschuldet ist, vorgestellt.

Obwohl der Schwerpunkt der Ausstellung auf der Zeit bis zur Frühislamischen Epoche liegt, wird jeweils ein Ausblick auch in die Gegenwart gegeben, beispielsweise mit drei aktuellen Interviews zum Leben in dieser Konfliktregion. Ziel der Ausstellung ist es, die Kulturgeschichte dieser lebensfeindlich anmutenden und dennoch anziehenden Region vorzustellen, die auch in der Vergangenheit keine Einheit darstellte, und viel mehr bietet als nur Schreckensszenarien wie Sodom und Gomorra.

VR-Brillen zeigen Rekonstruktionen von antiken Gebäuden wie zum Beispiel einen Palast des Herodes in Jericho oder eine Dockanlage aus hellenistischer Zeit am Toten Meer. Foto: smac / Dirk Hanus

VR-Brillen zeigen Rekonstruktionen von antiken Gebäuden wie zum Beispiel einen Palast des Herodes in Jericho oder eine Dockanlage aus hellenistischer Zeit am Toten Meer. Foto: smac / Dirk Hanus

DIE THEMEN

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Frage nach den Gründen, warum es Menschen seit Jahrtausenden in diese unwirtliche Region zieht und sie sich dort niederlassen. Es wird auf die Bedeutung des hohen Salzgehalts des Sees (ca. 30% Salz, normales Meerwasser hat ca. 3,5-4%), seiner wohltuenden Mineralien, auf das natürliche Vorkommen von Asphalt (Bitumen), die Möglichkeit des Dattelpalmenanbaus sowie die Nutzung des Balsamstrauches für Öle und Parfüm eingegangen. Oasen bieten die Möglichkeit für Ackerbau und Viehzucht, da hier durch Wasser aus den Wadis oder durch Quellen das nötige Trinkwasser für Menschen, Pflanzen und Tiere zur Verfügung steht.

DAS BEGLEITPROGRAMM

Neben öffentlichen Rundgängen durch die Sonderausstellung, die jeden Donnerstag und jeden Samstag stattfinden, bietet das smac auch Themenführungen  zu den Römern und zu Spuren des Glaubens am Toten Meer sowie Familienführungen an. Gruppenführungen können unter buchung@smac.sachsen.de angemeldet werden. Für Schülergruppen eignen sich die speziellen Schulprogramme, die altersgerecht und entweder lehrplanbezogen für fachspezifischen (Geschichte, Geografie, Religion/Ethik) oder für fachübergreifenden Unterricht konzipiert sind.

Die Podiumsdiskussionen zu alternativen Wohnformen – Stichwort Kibbuz – und zu den drei abrahamitischen Weltreligionen sind sowohl mit Wissenschaftlerinnen als auch mit Persönlichkeiten aus dem entsprechenden Umfeld besetzt.

"Kult & Religion"

Wenn man etwas mit dem Toten Meer verbindet, dann Kult & Religion. So stellt dieses Thema den Höhepunkt der Ausstellung dar. Beeindruckende Zeugnisse des Ahnenkults aus dem präkeramischen Neolithikum sind vor allem die mit Gips überzogenen Schädel und Steinmasken. Aus dem späten Chalkolithikum ist der Hortfund aus der Cave of the Treasure (Nahal Mischmar) berühmt, von dem ein Teil der 429 Kupferobjekte in der Ausstellung gezeigt werden kann, darunter mehrere Zepter.

Die Sensation, den der Fund der Schriftrollen von Qumran vor 70 Jahren auslöste, wird in der Ausstellung ein wenig entzaubert. Der Ausgräber, der Dominikanermönch Roland de Vaux, interpretierte die dicht bei den Höhlen gefundenen Siedlungsreste als Kloster der jüdischen Sekte der Essener. Diese Auslegung ist noch immer weit verbreitet. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es sich um die Reste eines Gutshofs handelt, und die umliegenden Höhlen dienten zur Aufbewahrung der Heiligen Schriften der Gutsherren, aber auch anderer Menschen, die ihre Schriftrollen dort deponieren wollten oder mussten. 

Die Schriftrollen, von denen etwa 850 bekannt und die nur in Fragmenten erhalten sind, sind inzwischen ein politischer Spielball zwischen den politischen Mächten am Toten Meer. Vier originale Fragmente von Phylakterien-Texten, also vier kleine Pergamentstücke mit Bibeltexten aus Gebetskapseln aus Höhle 4 von Qumran, die über Umwege an die Universität Heidelberg gelangten, können in der Ausstellung gezeigt werden.

Römischen Autoren wie Plinius der Ältere (gest. 79 n. Chr.) verdanken wir frühe Beschreibungen zum Toten Meer. Pilger besuchten ab byzantinischer Zeit die Region, wobei Lots Kloster das vornehmliche Ziel war. Ausgrabungen in der Region ab Mitte des 19. Jh. waren geprägt von der Suche nach biblischen Orten wie dem laut Bibel durch Posaunen zerstörten Jericho oder den durch Feuer verwüsteten Sodom und Gomorra.

Mit der Etablierung der Archäologie als Wissenschaft im Laufe des 20. Jh. beackerten vor allem britische Archäologinnen und Archäologen das Feld ihres Mandatsgebietes Palästina. Heutzutage sind archäologische Untersuchungen vornehmlich international geprägt und zielen darauf ab, die Kulturgeschichte der Region zu rekonstruieren und zu erhalten.

Das trockene Klima am Toten Meer ist ideal für die sonst so seltene Erhaltung von Textilien. Belege für unterschiedliche Stoffe und Webtechniken zeigen Funde von der Jungsteinzeit bis in byzantinische Zeit.

Mehr Infos zur Sonderausstellung - hier klicken...



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