Licht bewegt die Bautzener

Christliche Gemeinden der Stadt starten Kunstprojekt mit Ludger Hinse


Künstler Ludger Hinse vor seinem "Lichtkreuz" im Bautzener Dom. Fotos: Michael Baudisch

Künstler Ludger Hinse vor seinem "Lichtkreuz" im Bautzener Dom. Fotos: Michael Baudisch

Bautzen, 04.03.2019 (KPI): Zu einem Kunstprojekt unter dem Titel „Licht bewegt“ mit dem Künstler Ludger Hinse (70) wird von Aschermittwoch, 6. März, bis Pfingstsonntag, 9. Juni, in Bautzen eingeladen. An 13 wichtigen Orten der Stadt und dem näheren Umland werden dann Lichtkreuze und andere Arbeiten des Recklinghausener Künstlers zu sehen sein: in Kirchen - darunter der St. Petri-Dom -, in der Gedenkstätte Bautzen, im Stadtmuseum und dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater und im Bischof-Benno-Haus in Schmochitz. Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit über 80 Veranstaltungen, die der Künstler auch häufig persönlich gestalten wird.

Die Realisierung des Projektes geht auf eine gemeinsame Initiative der katholischen und der evangelischen Gemeinden des ökumenisch genutzten St. Petri-Doms der Stadt zurück. Bereits vor Monaten hatte Dompfarrer Veit Scapan für die Vorbereitungsgruppe den Kontakt zu Hinse aufgenommen, in dessen Werken die Themen „Kreuz“, „Licht“ und „Farben“ eine zentrale Rolle spielen. Dompfarrer Scapan: „Hatten wir zunächst über einen Einkehrtag für die Pfarrei nachgedacht, wurde im Gespräch mit Ludger Hinse schnell klar: wir machen mehr zusammen.“

Es entwickelte sich ein Projekt, über das die Gemeinde auch mit den Einwohnern der Stadt ins Gespräch kommen möchte, so Dompfarrer Scapan: „Was ist für uns Licht, was bewegt uns?“ Das Kunstprojekt bietet nun vielerlei Anknüpfungspunkte. "Dabei sind ja nicht nur Kreuze, sondern auch zahlreiche andere Installationen in Bautzen zu sehen", betont der Dompfarrer. "Das sind nach meiner Wahrnehmung auch 'Wellenbrecher', die die Leute einladen und neugierig machen sollen."

Ludger Hinse berichtet, dass er bereits bei seinem ersten Besuch in Bautzen vor rund 15 Jahren vom St.Petri-Dom der Stadt begeistert war. Mit rund 40 seiner Werke wird er nun in der Stadt präsent sein. "Im Dom sind beispielsweise meine Werke 'Labyrinth des Lebens und des Todes', 'Das Buch der Bücher' und 'Menschenkreuze' zu sehen", so Hinse.

Für Pfarrer Dr. Kay Weißflog von der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Petri in Bautzen hat die Ausstellung noch einen weiteren Pluspunkt. "Gerade in dieser Zeit, in der Bautzen heftige Schlagzeilen macht, ist es wichtig, noch einmal neue Perspektiven zu eröffnen. Und diese wunderbaren Kreuze, diese Gebilde aus Licht und warmen, freundlichen Farben, bringen die Ambivalenz dieses Symbols zusammen."


Der Künstler und das Kreuz


Seit 1988 hat Ludger Hinse zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen gestaltet. Der gebürtige Recklinghausener lebt und arbeitet in seiner Heimatstadt. Zur künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Kreuz kam er während eines Aufenthalts in Chile. Hier hörte er Berichte, wie Mütter mit den Fotos ihrer verschwundenen Söhne und Töchter gegen die damalige Militärdiktatur demonstrierten. An der Spitze ihrer Protestzüge trugen die Mütter einige Holzkreuze. „Und diese einfachen Kreuze hatten die Militärjunta, die geballte Macht des Staates, davon abgehalten, gegen die suchenden Mütter vorzugehen.“ Ein Erlebnis, das auf Hinse tief beeindruckte.

Über hundert Kreuze hat der Künstler daraufhin geschaffen und an 60 Orten in ganz Europa aufgestellt, darunter in der Berliner St. Hedwigskathedrale. Das Kreuz ist für ihn nicht Zeichen des Todes, sondern des Lichtes und der Auferstehung. "In der Romanik wurde das Kreuz ja noch als Segenszeichen betont. Erst mit der Gotik wandelte sich die Bedeutung zu einem Leidenszeichen", betont Hinse.


„Licht bewegt“ in Bautzen

Von Aschermittwoch bis Pfingstsonntag wird ein umfangreiches Programm das Kunstprojekt „Licht bewegt“ begleiten, für das Landesbischof Dr. Carsten Rentzing und Bischof Heinrich Timmerevers gemeinsam die Schirmherrschaft übernommen haben.

Los geht es mit einem ökumenischen Gottesdienst mit den beiden Bischöfen am Aschermittwochabend um 18 Uhr im St. Petri-Dom. Bis Ostern stehen dann nahezu täglich Veranstaltungen auf dem Programm, von Führungen, Vorträgen, einer Werkstatt für Kinder, Friedensgebeten oder Geistlicher Musik bis hin zu Seminaren oder Theateraufführungen. An zahlreichen Terminen wirkt der Künstler dabei persönlich mit. Und auch nach Ostern geht das Programm mit verschiedenen Angeboten bis zum ökumenisch begangenen Abschlussgottesdienst am Pfingstsonntag weiter. Veranstaltungsorte der Reihe werden dabei übrigens auch die Trauerhalle eines Bestattungsunternehmens, eine Werkhalle und das Klarissenkloster in Bautzen sein.

MB

Eine Programm-Übersicht aller Veranstaltungen können Sie hier als pdf-Datei herunterladen: Hier klicken...


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Fotos: Michael Baudisch



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