Diaspora - "heilsgeschichtliches Muss" (Karl Rahner)

Schlaglichter vom 2. Tag der "pastorale! 2019"

Bischof Heinrich Timmerevers und Msgr. Georg Austen

Rechtzeitig zur "pastorale! 2019" liegt ein neues Heft des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken vor: "Katholisch in Deutschland: Der Osten. Christsein in extremer Diaspora". Msgr. Georg Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, überreichte Bischof Heinrich Timmerevers die Broschüre heute Vormittag in Magdeburg.

Magdeburg, 20.09.2019: Mit einem ebenso reichhaltigen Programm wie gestern wartete "die pastorale! 2019" auch an ihrem zweiten Tag auf: Vorträge, Workshops, kulturelle und geistliche Angebote bildeten einen bunten "Strauß" - dadurch wurde andererseits die sprichwörtliche "Qual der Wahl" zur Herausforderung. Hier ein paar wenige Kostproben:

"Dem Populismus widerstehen" - unter diesem Motto veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz kürzlich eine Arbeitshilfe zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen. Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, Berlin, erläuterte die Hintergründe und den Aufbau der Arbeitshilfe und gab einige Hinweise zur Begriffsklärung.

Prof. Dr. Anreas Lob-Hüdepohl zur DBK-Arbeitshilfe "Dem Populismus widerstehen"

Ein voller Gemeindesaal zeugte von großem Interesse: Prof. Dr. Andreas Lob-Hüdepohl bei seinem Referat zur DBK-Arbeitshilfe "Dem Populismus widerstehen".


Prof. Dr. Eberhard Tiefensee

"Welche Mission haben wir?" - so fragte der Workshop, der Statements von Prof. Dr. Eberhard Tiefensee (o.), Dr. Anne Rademacher und Msgr. Georg Austen beinhaltete.

Anne Rademacher
Dr. Anne Rademacher betonte, dass Jesus immer (!) von der Diaspora spreche - im Griechischen hängen die Wörter für "säen" und "Diaspora" sprachlich zusammen. Im Gleichnis vom Sauerteig, das Jesus erzählte, gehe es nicht um die Kirche, sondern um das Himmelreich. Dieses sei verborgen und dennoch wirksam... Der Sauerteig vermische sich mit dem übrigen Teig.






Msgr. Georg Austen
Msgr. Georg Austen wies darauf hin, dass der Dialog wichtig sei und es daher Orte geben müsse, an denen Glaubensbildung stattfinden und Glaubensgemeinschaft erfahren werden könne. Daher zählt in den Pfarreien der nordischen Diaspora das Kirchencafé nach dem Sonntagsgottesdienst - wenn auch mit einem Augenzwinkern - als "8. Sakrament".


Engagement von Pfarreien in Migrantenarbeit

Ein weiterer Workshop befasste sich mit "Möglichkeiten und Facetten des Engagements von und in Kirchengemeinden". Die Teilnehmenden waren sich einig, dass diese Aufgabe "ein komplexes Feld" sei, für das es Netzwerke und Partner brauche. Nur im Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen sowie mit politischen Partnern sei diese Arbeit zu bewältigen. Umso bitterer die Erkenntnis, dass oft das Fachpersonal fehlt.


Hochzeitsmessen -1

Claudia Leide und Stephan Schubert - beide arbeiten in der Hauptabteilung Pastoral und Verkündigung im Bischöflichen Ordinariat Dresden - berichteten von ihrer Teilnahme an den Hochzeitsmessen in Chemnitz, Dresden und Leipzig. Sie stellten das Konzept ihres Messestandes vor. "Wir wollen uns auf unerwartete Weise präsentieren - nicht wie Kirche sonst auftritt", betonten die beiden. "Das Thema der Menschen, die an unseren Stand kommen, ist nicht Kirche, sondern Partnerschaft, Liebe. Und das greifen wir auf." In einem kleinen Rollenspiel demonstrierten sie, wie so eine Begegnung ablaufen kann:

Hochzeitsmessen -2

Hochzeitsmessen -3


"Was ist von/mit ostdeutschen Christ*innen zu lernen?", fragte Prof. Dr. Christian Bauer in seinem Vortrag. Anhand der Kinderbücher, die von Pater Fridolin und seiner Rasselbande erzählten, zeigte er auf, wie die Theologie des 20. Jahrhunderts - mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, der Würzburger und der Dresdner Pastoralsynode - mit dem Begriff der Diaspora umging und in ihr rezipiert wurde. Der bedeutende Theologe Karl Rahner habe die Diaspora als "heilsgeschichtliches Muss" bezeichnet; sie sei also kein "Betriebsunfall". Eine wichtige Rolle habe auch der Erfurter (Weih-)Bischof Hugo Aufderbeck gespielt. - Bauer ist überzeugt, dass die Zukunft der Kirche in der Synodalität liegt, nicht im Klerikalismus. Und er zitierte Papst Franziskus: "Ich wünsche mir eine ganz und gar synodale Kirche."

Prof. Dr. Christian Bauer



Umwelt-Workshop

Hochaktuell: ein Workshop beschäftigte sich mit dem Thema "Schöpfungsfreundliche Gemeinde - praktische Herausforderungen nach Laudato si". Die Teilnehmenden waren sich einig, dass es sehr schwierig ist, die Ideen und Willensbekundungen auch in konkrete Handlungen umzusetzen.


Öffentlichkeitsarbeit

Ideen und Anregungen für Öffentlichkeitsarbeit im Non-profit-Bereich gab es in einem Workshop mit Daniel Heinze. Der Hörfunk-Profi gab den Teilnehmenden einige Überlegungen und konkrete Beispiele mit an die Hand, wie sie mit neuen, vielleicht sogar überraschenden Ideen Aufmerksamkeit erzielen können.


Begegnung

Auch das ist Teil der "pastorale! 2019": Am Straßenrand kamen zwei junge Männer mit dem Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch und zwei Ordensfrauen ins Gespräch...

Vesper

Wohltuend nach den vielen Begegnungen, Themen, Wörtern...: die Vesper mit den Benediktinern von der Huysburg in der Kathedrale St. Sebastian.

Anders Kardinal ArboreliusIn seiner Ansprache ermutigte Anders Kardinal Arborelius, Stockholm, eben in der Diaspora Gottes Gnade zu empfangen. Denn "wir sind berufen, Zeugen zu sein - jeder von uns". Und er rief die Anwesenden dazu auf, "die Frohe Botschaft immer mehr zum eigenen täglichen Brot zu machen". Er versteht es als besonderen Segen der Diaspora (vor allem in den nordeuropäischen Ländern), "dass Gottes Gnade Menschen verschiedener Nationen zu uns gesandt hat, mit uns Kirche - weltweite Kirche - zu sein".



Fotos + Text: Elisabeth Meuser



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