"Mischen Sie sich ein!"

Schlaglichter vom 3. Tag der "pastorale! 2019" in Magdeburg

Vortrag Prof. Dr. Maria Widl

Vortrag von Prof. Dr. Maria Widl, Erfurt, im gut gefüllten Saal der Kathedralpfarrei St. Sebastian

Magdeburg, 21.09.2019: Erwachsenenbildung ist heute "ein zentrales Thema, weil dauernd alles neu ist", sagte Prof. Dr. Maria Widl in ihrem Vortrag "Religion in der Säkularität. Perspektiven und Herausforderungen theologischer Erwachsenenbildung" heute im Rahmen der "pastorale! 2019". Widl, seit 2005 Professorin für Pastoraltheologie und Religionspädagogik an der Universität Erfurt ist, wie darauf hin, dass im Gegensatz zu früher, wo Jüngere von Älteren lernten, heute meist Ältere von Jüngeren lernen. Und da die Jüngeren oft nicht mehr gewillt seien, das zu lernen, was auch die Erwachsenen nicht wissen, "sind junge Menschen wenig motiviert, sich mit Glaubensfragen auseinanderzusetzen". Das große Maß an Wahlfreiheit heutzutage bedeute aber auch ein großes Maß an Entscheidungsverantwortung.

"Menschen, die keine Religion haben, haben nicht das Gefühl, dass ihnen etwas fehlt", so die Beobachtung von Prof. Widl. Pointiert formulierte sie den Unterschied Prof. Dr. Maria Widlzwischen Ost- und Westdeutschland in dieser Hinsicht so: "Im Westen sind die meisten Atheisten getauft."

In der Erwartungshaltung der Kirchenmitglieder (nicht nur) an die Erwachsenenbildung erkennt sie drei Deutungsmuster: das traditionale (es geht vorrangig darum, den Glauben zu bewahren, darum sucht man neue Formen der Katechese), das moderne (es geht um den Fortschritt und die Freiheit des Menschen; man sucht wissenschaftlich fundierte Bildung, eine niveauvolle Auseinandersetzung mit aktuellen Themen) und das postmoderne (es geht darum, das Alte in der heutigen Zeit neu zu gestalten, sich auf neue Weise mit den zentralen religiösen Themen auseinanderzusetzen).

Angesichts der aktuellen Diskussionen wies Prof. Widl darauf hin, dass bereits das Zweite Vatikanische Konzil das Volk Gottes als Trägerin der Pastoral bezeichnete.


Workshop mit Dr. Christian Henneke

Auf großes Interesse stieß bei den "pastorale! 2019"-Teilnehmenden auch ein Workshop mit Dr. Friederike Maier und Dr. Christian Henneke mit dem Titel "Pfarreileitung im Team nach CIC 517,2 und seine charmanten Varianten". Dargestellt wurden verschiedene Leitungsmodelle, die in Pfarreien des Bistums Magdeburg praktiziert werden bzw. derzeit verwirklicht werden, im Werden begriffen sind. Als wichtige Frage tauche dabei in vielen Phasen immer wieder die Frage nach der Entscheidungskompetenz auf - aber auch nach den Möglichkeiten, die Aufgabenmenge zu bewältigen.

Dr. Christian HennekeDr. Christian Henneke berichtete aus dem Bistum Hildesheim, dass es auch dort nicht mehr heiße: "Wir kriegen das noch irgendwie hin!" Aber es stelle sich die Frage, wie man Kirche neu denken könne. Die Diaspora ermögliche einen anderen Blick: "Wir leben als Christen in der Minderheit." Das französische Erzbistum Poitiers habe sich - nach CIC 516,2 - die Idee zu eigen gemacht: "Kirche ist da, wo Menschen leben." Es gehe um das Selbstbewusstsein als Gemeinschaft von Gläubigen, in der alle gemeinsam Verantwortung tragen. Notwendig sei, so Henneke, eine Veränderung der Perspektive, in der es nicht mehr um die Bestandswahrung gehe. Dies sei ein "massiver Veränderungsprozess, der mindestens 20 Jahre dauern wird".


Workshop "Synodaler Weg" - 1

Der Synodale Weg war Thema eines weiteren Workshops ("Auf dem Weg zum verbindlichen Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland"). Wolfgang Klose, ZdK-Mitglied aus Berlin, ist überzeugt, dass es gelingen kann, "die Botschaft, die wir haben, wieder an den Mann, an die Frau zu bringen. Es gibt Probleme in der Kirche - aber wir haben eine Botschaft für die Menschen! Wie wird Kirche sich so aufstellen, dass wir unsere Botschaft glaubwürdiger verkündigen können?"

Stephanie Hauk, Geschäftsführerin des Katholikenrats im Bistum Dresden-Meißen, betonte, dass es ein Weg bleiben werde - auch über das Ende des auf zwei Jahre geplanten Synodalen Weges hinaus. Die Glaubwürdigkeit der Kirche habe in den vergangenen Jahren sehr gelitten und müsse wiederhergestellt werden. "Es muss sich was ändern! Es kann nicht mehr heißen: Es war schon immer so und muss so bleiben!"

Die Vorsitzende des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen, Martina Breyer, appellierte an die Anwesenden, sich in den Prozess des Synodalen Weges einzubringen: "Mischen Sie sich ein! Warten Sie nicht erst, ob Sie gefragt werden!"

Erster Rückblick auf "die pastorale! 2019"

Elisabeth NeuhausIn einem Pressegespräch wagte Elisabeth Neuhaus (l.), Leiterin der Hauptabteilung Pastoral und Verkündigung im Bischöflichen Ordinariat Dresden, ein erstes Resümee: "Ich erlebe hier hochengagierte Menschen, die ihrer Kirche sehr verbunden sind. Ich nehme die Einsicht in die Notwendigkeit von Veränderungsprozessen wahr, zugleich aber ein Zögern in der Umsetzung. Beim konkreten Wie kommen die Widerstände - das ist ganz natürlich!"
Die "pastorale! 2019" in Magdeburg habe sie als ein Abgleichen in Verstehen und Verständigung erlebt. "Rahmenpläne, die einfach umgesetzt werden, funktionieren nicht mehr. Es geht um eine Haltungsänderung", so Neuhaus. "die pastorale! 2019" sei "wie eine Tankstelle, die Kraft gibt für die Niederungen des Alltags".
Sie dankte dafür, dass die Initiative zu dieser Tagung von der Basis ausgegangen sei, nicht von den Ordinariaten, und für die Arbeit, die mit der Vorbereitung und Durchführung verbunden waren. "Bitte bleiben Sie aufmerksam und wach, wann es Zeit wäre, miteinander ins Gespräch zu kommen!"

Guido Erbrich, Leiter des Roncalli-Hauses in Magdeburg und Mitinitiator der "pastorale! 2019" fasste zusammen: "Der Aufwand hat sich gelohnt! Wie wir hier miteinander ins Gespräch gekommen sind, ist ein Quantensprung gegenüber früher." Er nimmt "ein gemeinsames Ringen um Lösungen, die wir noch nicht haben", wahr. Trotz verschiedener Meinungen habe es keine Rechthaberei gegeben, sondern "eine Atmosphäre der Empathie".



Fotos + Text: Elisabeth Meuser



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