Pontifikalamt und Festakademie zum Gedenken an Prinz Max von Sachsen

am 11. April in Dresden

Bei der symbolischen Übergabe des Primizkelches von Prinz Max: Prof. Dr. Frank Zschaler aus Eichstätt (links), Prinz Alexander als Nachkomme des sächsischen Königshauses (Mitte), Bischof Heinrich Timmerevers (rechts).

Bei der symbolischen Übergabe des Primizkelches von Prinz Max: Prof. Dr. Frank Zschaler aus Eichstätt (links), Prinz Alexander als Nachkomme des sächsischen Königshauses (Mitte), Bischof Heinrich Timmerevers (rechts).

Dresden, 12.04.2019 (KPI): Ein außergewöhnlicher Mann mit einer unglaublichen Biografie: Prinz Max von Sachsen (1870-1951). Am gestrigen Abend rückte er in Dresden erneut in den Blickpunkt. Im Rahmen eines Pontifikalamtes mit den Bischöfen Heinrich Timmerevers und als Gast Gregor Maria Hanke (Eichstätt) sowie bei einer anschließenden Festakademie wurde seiner gedacht. Bischof Heinrich nannte den Prinzen eine "beeindruckende Persönlichkeit und revolutionäre Gestalt", die visionär Themen gesetzt und den Mut besessen habe, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen.

Prinz Max war ein Bruder des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. und gab seinem Leben nach Militärdienst und Studienzeit eine entscheidende Wende: Er wurde Priester und absolvierte die ersten Stationen seines priesterlichen Wirkens im Bistum Eichstätt. Bescheiden wirkte er in Arbeitervierteln und ließ Finanzspritzen aus dem sächsischen Königshaus den Armen zugutekommen. Der Eichstätter Bischof Hanke nannte Prinz Max einen "weit sehenden Menschen. In vielen Aspekten war er seiner Zeit voraus, was ihm auch deutliches Unverständnis seiner Zeit einbrachte." So habe er geradezu prophetisch gewirkt, indem er die ökologische Bewegung vorwegnahm. Als Experte für die Ostkirchen trat er für deren Einheit mit der Westkirche auf Augenhöhe ein und wurde vom Papst gemaßregelt. Im Ersten Weltkrieg erlebte er als freiwilliger Feldgeistlicher Kriegsgräuel und wurde zum bekennenden Pazifisten.

Prinz Max: schrullig - oder seiner Zeit voraus?

Prinz Alexander von Sachsen erinnerte in seinem Grußwort daran, dass sein Urgroßonkel Prinz Max auch ein intensiver Gegner von Tierversuchen war. Seine Liebe zum Leben sei soweit gegangen, dass er selbst bei der überfälligen Behandlung seines Hundes nach einem Flohbefall den Arzt bat, "die Flöhe aber bitte nur betäuben". In Deutschland habe er vielfach als "schrullig" gegolten, etwa durch seine Angewohnheit, auch auf Schuhe und Gürtel, die aus tierischem Leder gefertigt waren zu verzichten. Seine Modernität habe sich aber ebenso stark in seinem Einsatz gegen das Leid der Armenier im Osmanischen Reich gezeigt wie in seiner Aussage angesichts der Gräueltaten der Deutschen Armee im 1. Weltkrieg in Belgien: "Wenn es einen Gott gibt, müssen wir diesen Krieg verlieren."

Max von Sachsen (rechts) bei einem Besuch in Dresden. Foto: Archiv

Max von Sachsen (rechts) bei einem Besuch in Dresden. Foto: Archiv

Der König und Bruder schickte ihn daraufhin nach Wermsdorf in eine, wenn auch recht lockere Internierung. Aus tiefster christlicher Überzeugung trat Max sowohl für die Lebensreform-Bewegung als auch für Vegetarismus und Tierschutz ein. Frühzeitig warnte er öffentlich vor dem aufkommenden Nationalsozialismus und dem Antisemitismus. Außerdem war er bekannt für seine materielle Bedürfnislosigkeit und Hilfsbereitschaft allen Notleidenden gegenüber. In Fribourg/Schweiz verbrachte Prinz Max die längste Zeit seines Lebens, Stationen seines Lebens führten ihn aber unter anderem auch nach Leipzig, London, Würzburg, Lemberg, Köln und viele weitere Orte. Und nicht wenige, die ihn kennenlernen durften, waren nach seinem Tod davon überzeugt, mit einem Heiligen zusammengelebt zu haben. Auf dem Friedhof der Kanisius-Schwestern in Bürglen bei Fribourg, deren Hausgeistlicher er war, liegt er bestattet.

Der Primizkelch des Prinzen – ein Teil des Nachlasses – fand auch in der Eucharistie zum Gedenken an Prinz Max Verwendung.

Der Primizkelch des Prinzen – ein Teil des Nachlasses – fand auch in der Eucharistie zum Gedenken an Prinz Max Verwendung.

Max von Sachsen vermachte in seinem Testament von 1948 alle seine liturgischen Textilien sowie seinen Primizkelch an sein sächsisches Heimatbistum. Bei seinem Tod 1951 schienen die politischen Verhältnisse für eine Übergabe jedoch wenig geeignet. Im Rahmen der Heiligen Messe kehrte dieser Nachlass nun ins Bistum Dresden-Meißen zurück, übergeben von Prinz Alexander und Prinzessin Gisela von Sachsen als Nachfahren der königlichen Familie, sowie von Prof. Frank Zschaler von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, in deren Universitätsarchiv sich der Nachlass von Prinz Max seit 2006 befindet. Bischof Heinrich: "Damit wird der letzte Wille Prinz' Max von Sachsen nun eingelöst. Ein bewegender Augenblick." Der Eichstätter Bischof erinnerte an die traditionell engen Beziehungen der Bistümer Dresden-Meißen und Eichstätt bereits aus DDR-Zeiten. "Mit Prinz Max kommt nun ein weiterer Schnittpunkt hinzu", so Bischof Hanke.

Bischof Heinrich mit dem Primizkelch des Prinzen. Rechts daneben Bischof Hanke.

Bischof Heinrich mit dem Primizkelch des Prinzen. Rechts daneben Bischof Hanke aus Eichstätt.

Prof. Zschaler bei seinem gut besuchten Vortrag im Haus der Kathedrale in Dresden.

Prof. Zschaler bei seinem gut besuchten Vortrag im Haus der Kathedrale in Dresden.

Der Abend zu Prinz Max von Sachsen war Teil der Woche der Brüderlichkeit und fand in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. statt.

Wer mehr über Max von Sachsen erfahren möchte: Eine Sonderausstellung stellt den sächsischen Prinzen vom 13. April bis 3. November im Pillnitzer Schlossmuseum vor - mehr dazu...


Die Ausstellung informiert umfassend über das Leben Max' von Sachsen und zeigt viele Fotos und Ausstellungsstücke.

Die Ausstellung informiert umfassend über das Leben Max' von Sachsen und zeigt viele Fotos und Ausstellungsstücke.

Während der Sonderausstellung ist der Kelch des Prinzen in Schloss Pillnitz zu sehen. Hier positioniert Prof. Zschaler das aus vergoldetem Silber geschaffene Gefäß in der Vitrine.

Während der Sonderausstellung ist der Kelch des Prinzen in Schloss Pillnitz zu sehen. Hier bereitet Prof. Zschaler das aus vergoldetem Silber geschaffene Gefäß für seinen Platz in der Vitrine vor.

Text/(Fotos: Michael Baudisch



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