Warum meine Rom-Reise wegen des Staatskirchenvertrages spannend war
Ein Beitrag von Gabriele Römer*
Rom. 30 Jahre Staatskirchenvertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Freistaat Sachsen - Anlass für eine besondere Reise nach Rom. Vom 22. bis 25. September 2026 reisten Vertreterinnen und Vertreter des Bistums Dresden-Meißen gemeinsam mit einer Delegation der Sächsischen Staatsregierung in die Ewige Stadt. Ich nahm als Mitglied des Vorstandes des Katholikenrates im Bistum Dresden-Meißen teil.
Dass Kirche und Staat gemeinsam nach Rom reisten, war bereits ein besonderes Zeichen. Neben dem Jubiläum des Staatskirchenvertrages ging es bei den zahlreichen Begegnungen und Gesprächen auch um aktuelle Herausforderungen – insbesondere um die Frage, wie Synodalität in unserer Kirche konkret gelebt werden kann und die Finanzierung der Bischöflichen Schulen.
Gemeinsam auf dem Weg der Synodalität
Ein besonderer Höhepunkt war für mich die Begegnung mit Kardinal Mario Grech, dem Generalsekretär der Bischofssynode. Gemeinsam mit Herrn Dr. Schwope, dem Sekretär des Bischofs em., konnte ich die Situation in unserem Bistum vorstellen und die Anliegen des Katholikenrates einbringen. Dabei ging es um zentrale Fragen: Wie können Gläubige stärker an Entscheidungen beteiligt werden, z.B. bei der Wahl eines neuen Bischofs? Und wie kann Synodalität so vermittelt werden, dass sie nicht nur ein Begriff für kirchliche Gremien bleibt? Für mich steht dahinter die grundlegende Frage, wie Menschen sich mit ihren Erfahrungen, Fragen und Sorgen in der Kirche gehört fühlen können.Kardinal Grech brachte das Wesen der Synodalität auf einen einfachen und zugleich anspruchsvollen Punkt: Gemeinsam auf den Heiligen Geist hören und gute Lösungen finden.
Begegnungen, die bleiben
Ein unvergesslicher Moment war die Generalaudienz mit Papst Leo XIV., bei der die Dresdner Kapellknaben mitwirkten. Die jungen Sänger aus Dresden in Rom zu erleben, war für mich ein besonderer Höhepunkt.
Weitere Stationen führten uns unter anderem zum Campo Santo Teutonico, zum Cranach-Triegel-Altar und an die Päpstliche Universität Gregoriana. Wir erhielten Einblicke in internationale Verträge des Heiligen Stuhls und in die Ausbildung geistlicher Berufe. Dass die Vorstellung des Cranach-Triegel-Altars sehr persönlich durch den Künstler selbst erfolgte, wird für uns alle in Erinnerung bleiben.
Auch die Begegnung mit Kunst und Geschichte machte deutlich, wie eng Sachsen und Italien miteinander verbunden sind. Bei der Eröffnung der Ausstellung „Italienischer Barock in Sachsen“ im Museo Napoleonico wurde sichtbar, wie über Jahrhunderte kulturelle Brücken entstanden sind.
30 Jahre Staatskirchenvertrag
Im Päpstlichen Institut Santa Maria dell’Anima feierten wir gemeinsam mit der sächsischen Delegation Gottesdienst und anschließend den Festakt zum 30-jährigen Bestehen des Staatskirchenvertrages. Diözesanadministrator Andreas Kutschke und Ministerpräsident Michael Kretschmer würdigten dessen Bedeutung und richteten den Blick zugleich auf die Zukunft. Dieser Vertrag schafft einen verlässlichen Rahmen für die Beziehungen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche. Jeder säkularisierte und demokratische Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann, sondern die von den Religionen, der Gesellschaft und auch Bildungseinrichtungen hervorgebracht werden. Umso wichtiger ist und bleibt die staatliche Unterstützung gerade für die konfessionellen Schulen, die einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Der Staatskirchenvertrag ist die kodifizierte Garantie, dass sich gerade die Bischöflichen Schulen darauf verlassen dürfen.
Was von der Reise bleibt
Vier Tage Rom waren geprägt von Begegnungen, Gesprächen und vielfältigen Eindrücken. Der Staatskirchenvertrag war der Anlass der Reise, doch immer wieder ging es um die Zukunft: um das Verhältnis von Kirche und Staat, um unsere Schulen und vor allem darum, wie Kirche Menschen beteiligt und ihnen zuhört.
Für mich bleibt besonders der Gedanke der Synodalität: Gemeinsam auf den Heiligen Geist hören und gute Lösungen finden. Darin liegt auch ein wichtiger Auftrag für die Arbeit des Katholikenrates.
Die Romreise hat gezeigt, wie wertvoll Begegnungen sind – zwischen Kirche und Staat, zwischen Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven und zwischen dem Bistum und Rom. 30 Jahre Staatskirchenvertrag sind deshalb nicht nur Anlass für einen Blick zurück. Sie sind eine Einladung, Beziehungen mit Leben zu füllen und gemeinsam verlässlich und kooperativ Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
* Gabriele Römer aus Kamenz ist Mitglied des Katholikenrats im Bistum Dresden-Meißen.