"Die Schätze des Zweiten Vatikanums heben"

Zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Albert Franz


Ihm geht es um die wesentlichen Fragen von Gesellschaft und Religion, von Mensch und Glaube heute. Wer nun aber einen nur theoretisch denkenden Wissenschaftler ohne Bodenhaftung erwartet, wird im Gespräch mit Prof. Albert Franz immer wieder überrascht.

Dresden/Radebeul, 10.09.2007 (KPI): Um seine eigene Person macht er keinen Wirbel: „Das ist alles nicht wichtig!“, wischt der Dresdner Theologe Prof. Dr. Albert Franz diesbezügliche Fragen gleich vom Tisch. Ihm geht es um die wesentlichen Fragen von Gesellschaft und Religion, von Mensch und Glaube heute. Wer nun aber einen nur theoretisch denkenden Wissenschaftler ohne Bodenhaftung erwartet, wird im Gespräch immer wieder überrascht.

Am kommenden Sonntag, dem 16. September, feiert Albert Franz seinen 60. Geburtstag. Geboren im fränkischen Unterleinach (bei Würzburg), studierte er nach dem Abitur Philosophie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom (1967-70) und danach Theologie in Würzburg (1970-71) und Rom (1971-73). Nach seiner Priesterweihe 1974 und einer kurzen Kaplanszeit in Würzburg folgten ein Promotionsstudium am Johann-Adam-Möhler-Institut in Paderborn und vier Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophische Grundfragen der Theologie an der Kath. Universität Eichstätt (1976-1980), wo er 1982 zum Doktor der Theologie promovierte. Von 1980-83 war Albert Franz als Subregens im Würzburger Priesterseminar tätig, anschließend drei Jahre lang Pfarrer in Würzburg-Rottenbauer. Als Hochschulassistent kehrte er für zwei Jahre nach Eichstätt zurück und erwarb durch seine Habilitation dort 1988 die Lehrbefähigung „für philosophische Grundfragen der Theologie und für Fundamentaltheologie“. Im gleichen Jahr wurde er Ordinarius für Philosophie an der Theologischen Fakultät Trier.

Nachdem er fünf Jahre lang Ordinarius für Philosophie an der Theologischen Fakultät in Trier war, wurde er gefragt, ob er nicht das Institut für Theologie an der TU Dresden mit aufbauen wolle. Prof. Franz nahm die Herausforderung an, „aus einem sehr kirchlich geprägten Milieu ins Gegenteil einzutauchen und zu schauen, ob es möglich ist, in diesem atheistischen Umfeld an einer Technischen Universität Theologie präsent zu machen und in den hiesigen Diskurs einzubringen“, wie er sagt. So begann er am 1. Oktober 1993 im Institut für katholische Theologie an der TU Dresden mit drei (!) Studenten – heute sind mehr als 150 Studierende für dieses Fach eingeschrieben. „Ich habe es wirklich nicht bereut, hierher gegangen zu sein und das alles miterlebt zu haben“, resümiert Prof. Franz. Doch dazu tragen nicht nur die Zahlen bei, sondern auch zu spüren, dass es neben dem quantitativen auch einen qualitativen Zuwachs am Institut gibt – genauso wie er selber hier im Osten Wurzeln geschlagen hat: wohnhaft in Radebeul, fühlt er sich „mit der Gemeinde in Coswig verwurzelt“, in der er oft den Sonntagsgottesdienst feiert.

Auch das St. Marien-Krankenhaus in Dresden schätzt seine Unterstützung als Seelsorger. Ihm selber kommt es dabei darauf an, mit seinem Auftreten auch dort ein möglichst lebendiges Kirchenbild zu vermitteln: „Geht gut miteinander um, nehmt eure Aufgaben ernst und freut euch des Lebens – das ist katholisch!“, fasst er seine Grundhaltung lebensnah zusammen.

Als „durch und durch westlich geprägter Mensch“, wie er sich selber beschreibt, hat er sich auf den Osten eingelassen – nicht nur auf den Osten Deutschlands, sondern auch Europas. So überrascht es kaum, dass zwischen den theologischen Büchern auf seinem Schreibtisch ein Sprachführer „Polnisch“ liegt. Begeistert erzählt er, im Osten eine ihm zuvor verschlossene Welt entdeckt zu haben. Das habe auch seine Theologie geprägt, denn der Reichtum der Möglichkeiten, Christ zu sein, sei dadurch größer geworden. So setzte er sich dann auch dafür ein, dass es die Europäische Gesellschaft für Katholische Theologie – zehn Jahre lang war er Vorsitzender der Deutschen Sektion dieser Theologenvereinigung und ist seit 2005 Vizevorsitzender des gesamten Verbandes – auch in Osteuropa gibt, beispielsweise in Polen und Litauen. So konnte auch ein Dialog zwischen den theologischen Kulturen in Osteuropa entstehen.

Als Brückenbauer zwischen Ost und West plädiert er sowohl im kirchlichen wie im gesellschaftlichen Bereich dafür, „die jeweiligen Erfahrungen zusammenzutun und miteinander zu fragen: was machen wir jetzt daraus?“ – anstatt an alten Mustern festzuhalten.

Seine Sorge gilt am Institut für Katholische Theologie den Studenten – dass sie nach den Verunsicherungen durch die Studienreform wieder in Ruhe studieren können – und dem interdisziplinären Dialog, den er gerne vertieft sähe. In Bezug auf die Seelsorge plädiert er dafür, „mit Entschiedenheit die theologischen und spirituellen Schätze des Zweiten Vatikanums weiter zu heben und den Reichtum gerade der erneuerten Liturgie positiv sichtbar zu machen“.

Dass Kirche eine Institution ist, die sich um den Menschen müht und zugleich nicht um ihrer selbst willen existiert, sondern ein Instrument, das das Handeln Gottes an den Menschen sichtbar machen soll – das prägt das Kirchenbild und das Engagement von Prof. Franz. Daher wünscht er sich in der Kirche mehr Vertrauen auf den Geist Gottes und von daher mehr Mut, auch Neues zu wagen – und weniger ängstliche Versuche, die Kirche durch institutionelle Maßnahmen retten zu wollen.

Elisabeth Meuser


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