Nachruf für Prälat Weisbender


Dresden, 14.2.2001 (KPI) Prälat Hermann Joseph Weisbender ist am 13. Februar 2001 in Dresden kurz vor Vollendung seines 79. Lebensjahres verstorben. Er war Domkapitular des Domkapitels St. Petri zu Dresden und führte den päpstlichen Titel Apostolischer Protonotar.

Weisbender wurde am 24. Februar 1922 in Köln geboren. Nachdem der Krieg seine Studien unterbrochen hatte, beendete er sie an der Päpstlichen Universität Gregoriana und wurde am 10. Oktober 1952 in Rom zum Priester geweiht. Ins Bistum Meißen kam er 1953 als Seelsorger, zunächst als Kaplan Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) in die Pfarrei St. Johann Nepomuk. Schon 1956 rief ihn Bischof Otto Spülbeck als seinen Sekretär nach Bautzen, das damals noch der Sitz des katholischen Bistums war. In dieser Funktion nahm er mit seinem Bischof am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Das hat ihn nachhaltig geprägt.

Nach einer Zeit als Pfarrer in Wilsdruff wurde Weisbender 1964 Direktor der Diözesancaritas. Die soziale Arbeit innerhalb der Kirche aufzuwerten und geistlich zu begründen, wurde er nicht müde. Er sah sie als ein "Grundelement jeder pfarrlichen Arbeit" an. Dieses Engagement von Christen aus der Kirche heraus forderte er ein. Es verlangte von ihm selbst in Verhandlungen mit den damaligen Behörden Fingerspitzengefühl und diplomatisches Geschick. So gelang es ihm 1967, einen Vertrag mit der Staatlichen Versicherung der DDR zu schließen, der die Krankenversicherung der Ordensschwestern ermöglichte.

Ab 1973 konnte Prälat Weisbender seine Führungsqualitäten als Geistlicher Geschäftsführer und Cheflektor des St. Benno-Verlages Leipzig einsetzen. In dieser Zeit war er zugleich Pfarrer von Wechselburg. Die Rekonstruktion der kostbaren romanischen Stiftskirche Wechselburg ist auch seinem Einsatz mit zu verdanken. Später hat er in Dresden sein Kunstverständnis und seinen Schönheitssinn für das Innere der Dresdner Hofkirche eingebracht. Bischof Gerhard Schaffran hat ihn 1983 als seinen Generalvikar nach Dresden berufen.

Nach der Emeritierung von Bischof Schaffran 1987 wählte das Domkapitel Weisbender zum Administrator des Bistums. Schon Mitte der 80er Jahre hatte Weisbender im Klima der Perestroika in der Sowjetunion und der Endphase der DDR den Gedanken eines Dialogforums unter dem Dach der Kirche entwickelt. Sofort nach der Wende gründete Weisbender die Katholische Akademie Dresden, ein "mutiger Schritt in der Phase der Öffnung der Kirchen nach der wiedergewonnenen Freiheit" (Prälat Rachwalski). Ab 1988 war der Prälat Seelsorger in Dresden-Pillnitz. Seine letzten Jahre waren von schwerer Krankheit geprägt. Erst 1998 trat er in den Ruhestand und lebte im Haus der Elisabeth-Schwestern im St. Joseph-Stift Dresden.

Weisbenders innerste Berufung war, ein Mann der Caritas, der Nächstenliebe, zu sein. Er nahm die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten an und gab vielen, die am Rande der Gesellschaft standen, Mut, Vertrauen und Hilfe zu einem Neuanfang. Er konnte sich in Leid und Schmerz anderer einfühlen. Trotz seiner Krankheit behielt er bis zuletzt ein waches Herz und ein offenes Ohr für Notleidende und Ratsuchende.



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