Ökumenischer Festgottesdienst in Chemnitz - und Bestürzung über Ausschreitungen

in Chemnitz am 26. August

Ökumenischer Gottesdienst in Chemnitz

(alle Fotos: Christian Langrzik)

Chemnitz, 28.08.2018: Unter dem Leitwort "Da ist Leben im Fluss" hatten die Chemnitzer Christen gemeinsam mit Landesbischof Dr. Carsten Rentzing und dem Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, am vergangenen Sonntag, 26. August, zu einem festlichen ökumenischen Gottesdienst in der St. Petrikirche eingeladen. Anlass war das Stadtfest im Rahmen der 875-Jahrfeiern der Stadt Chemnitz.

Einzug

Im Verlauf des Gottesdienstes stellten fünf Chemnitzer Bürgerinnen und Bürger in kurzen persönlichen Impulsen ihre Erinnerungen, Erlebnisse und Visionen vor. So erinnerte die Oberbürgermeisterin an ihre Amtszeit und äußerte sich erfreut über den Geburtenanstieg – was gebe es Schöneres, als für neue Kinderbetreuungsplätze und Schulen in einer Stadt zu sorgen, so ihr Fazit. Ein Professor blickte auf 50 Jahre im Dienste der Wissenschaft zurück, auf Veränderungen in der Stadt, in der Gesellschaft und in der Technik; er erinnerte daran, dass manche traditionsreichen Betriebe heute nicht mehr existieren – aber neues sei gewachsen, die Stadt Chemnitz aufgeblüht. Als sichtbares Zeichen dafür nannte er Kompetenz und äußeres Erscheinungsbild der Technischen Universität, das mache ihn zuversichtlich. Ein künftiger Abiturient, der Chemnitz seit seiner Geburt kennt, will nun auch Neues kennenlernen und freut sich auf die Veränderungen in der Welt, die er mitgestalten möchte – die Entscheidung aber ist gar nicht so leicht. Eine Frau aus einer geistlichen Gemeinschaft erzählte von ihren ersten Eindrücken in Chemnitz und von Begegnungen mit den vielfältigen Menschen, die hier wohnen, welche Schwierigkeiten eine Schichtarbeiterin hat, regelmäßig Gottesdienste zu besuchen, oder eine junge Frau, die aus einem fernen Land kam und hier, in einer für sie fremden Kultur, gerade eine Arbeit aufgenommen hat. Ein Schüler der 5. Klasse berichtete, er fühle sich hier wohl, weil er hier wohne, wo seine Freunde wohnen, weil es die Kletterhalle und den schönen Küchwald gebe. Da ist Leben im Fluss, in der Stadt, in der ein kleiner Fluss der Stadt den Namen gab – aus dem sorbischen Kamenica, auf deutsch Steinbach, wurde einst Chemnitz.

Bischof Heinrich Timmerevers

Bischof Heinrich Timmerevers während des ökumenischen Gottesdienstes am 26. August in Chemnitz.

Ökumenischer Gottesdienst in Chemnitz

Chöre auf der Empore


Leben im Fluss ist auch in der Chemnitzer Ökumene sichtbar und zum Festgottesdienst, der vom MDR-Fernsehen direkt übertragen wurde, war dies auch unüberhörbar, denn die musikalische Gestaltung lag in den Händen der evangelischen und des katholischen Kantoren der Stadt. Sie hatten die Chöre und Bläsergruppen aus den vielen Chemnitzer Gemeinden exzellent auf diesen Gottesdienst vorbereitet. Für die zahlreichen Christen in der gut besetzten St. Petrikirche war dieser Gottesdienst Zeichen der gelebten Ökumene in der Stadt Chemnitz.

Christian Rösler


Die Nachrichten vom tödlichen Ausgang einer Auseinandersetzung in Chemnitz am Samstagabend waren den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am ökumenischen Gottesdienst noch nicht bekannt. Bischof Heinrich Timmerevers zeigte sich darüber traurig - und bestürzt über die anschließenden Ausschreitungen:

„Die Geschehnisse und Ausschreitungen in Chemnitz haben in uns eine tiefe Betroffenheit und Besorgnis ausgelöst. Die tödliche Messerstecherei in der Nacht zum Sonntag stellt eine Straftat dar, die noch aufzuklären und mit rechtsstaatlichen Mitteln zu ahnden ist. Sie kann aber niemals rechtfertigen, dass sich Bürger zu fremdenfeindlichen, menschenverachtenden und volksverhetzenden Demonstrationen zusammenrotten. Denn eine Straftat darf nicht dazu instrumentalisiert werden, gegen ganze Volksgruppen Wut zu schüren; das gilt erst recht, wenn diese Straftat noch nicht vollständig aufgeklärt ist. Aus christlicher Sicht kann zudem Gewalt keine Antwort auf Gewalt sein. Unsere Antwort als katholische Kirche auf diese Geschehnisse kann nur in Versuchen einer Befriedung bestehen – und das wird sie auch.“





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