Leben und Wirken des heiligen Benno

Der hl. Benno wirkte als 10. Bischof von Meißen von 1066 bis 1106.

Trotz der langen Regierungszeit gibt es nur wenige zeitgenössische Zeugnisse. Spätmittelalterliche Überlieferungen und Legenden haben sein Lebensbild vervollständigt.

Danach wurde Benno 1010 als Sohn eines Grafengeschlechtes von Woldenberg, auch Bultenberg genannt, in der Nähe von Goslar geboren. Als Namen seiner Eltern sind Friedrich und Bezela überliefert. Die Mutter soll mit Benno in das Bistum Meißen gekommen und auf dem Burgward Göda bei Bautzen hochbetagt gestorben sein. Bis zur Reformationszeit wurde jährlich am 12. Dezember im Meißner Dom ihr Jahresgedächtnis begangen.

Dass Benno mit fünf Jahren nach Hildesheim zu Bischof Bernward gekommen ist und nach dessen Tod Benediktiner im Kloster St. Michael in Hildesheim und später Abt dieses Klosters wurde, ist nicht gesichert.

Unbekannt ist auch das Jahr, in dem Benno in das vor 1047 gegründete Chorherrenstift St. Simon und Judas in Goslar eingetreten ist. Die Mitglieder führten den Titel „königlicher Kaplan“. Viele von ihnen wurden Bischöfe. Die Berufung Bennos in das Stift setzte voraus, dass sein Name und der Ruf besonderer Fähigkeiten am königlichen Hof bekannt waren.

Nach dem Tode des Meißner Bischofs Reiner (1065) wurde der Goslaer Stiftspropst Kraft zum Bischof von Meißen ernannt, der noch vor der Übernahme des Amtes starb. Nun wurde Benno 1066 Bischof von Meißen.

Die Kirche war in dieser Zeit unter die Vorherrschaft des Kaisertums geraten und in ein unwürdiges Abhängigkeitsverhältnis zum Staat gekommen, das zu schweren kirchlichen Missständen führte. Die Auseinandersetzung zwischen Kaisertum und Papsttum, zwischen Staat und Kirche gruppierte sich um zwei Hauptpersonen: König Heinrich IV. (1056 – 1106) und Papst Gregor VII. (1073 – 1085). Es bedurfte einer Reform der Kirche. Sie ging von dem südfranzösischen Kloster Cluny in Burgund aus. Bischöfe und Welt-geistliche schlossen sich der Reform an. Mit Papst Leo IX. (1049 – 1054) zog der Reformwille in Rom ein. Die Kirche sollte von staatlicher Bevormundung frei sein. Die Macht der Könige gründete u.a. in der „Laieninvestitur“, der Belehnung mit einem Bistum oder einer Abtei durch einen weltlichen Fürsten durch die Überreichung von Ring und Stab. Diese Überreichung erhielt die Deutung, dass damit die eigentliche bischöfliche Gewalt erteilt wird. Die Bischofsweihe sank zu einer Zeremonie herab. Gleichzeitig verpflichtete sich ein neuer Bischof zum Erscheinen bei Hofe, zur Teilnahme an Gerichtssitzungen und zur Heeresfolge im Kriege. In diese Auseinandersetzungen wurde auch Bischof Benno hineingezogen. Bischof Benno stand seiner Haltung nach auf der Seite der kirchlichen Reformer, hat sich aber keiner der Parteien in ihren mit Waffen geführten Kämpfen angeschlossen, was für viele Zeitgenossen unverständlich war.

Die ersten sieben Jahre seines bischöflichen Wirkens waren Friedensjahre, in denen sich Benno der kirchlichen Aufbauarbeit in seinem Bistum widmen konnte. Die meisten Bewohner des Bistums waren Sorben. Deswegen wird Benno als Apostel der Sorben verehrt. Er soll die sorbische Sprache erlernt haben, um den Sorben in ihrer Muttersprache das Evangelium zu verkünden. Stützpunkte seiner Sorbenmission waren Bautzen, Göda bei Bautzen, Briesnitz zwischen Dresden und Meißen, linksseitig der Elbe, Neuburg zwischen Grimma und Mügeln und Zschail bei Meißen. Auch die Pfarrkirche von Crostwitz mit dem Titel St. Simon und Juda soll eine Gründung Bennos sein.

Dasselbe gilt von der Pfarrkirche in Hainspach (Lipova/Tschechien) im böhmischen Niederland, das seit ältester Zeit zum Bistum Meißen gehörte. Auch die Kirchen in Bischdorf und Bischofswerda in der Lausitz sollen auf Benno zurückgehen. Benno soll auch bedacht gewesen sein, dass eine verbesserte Feldbestellung an manchen Orten eingeführt wird. Hier wurzelt die Überlieferung mancher Orte, die von besonders fruchtbaren Feldern sagt: „Hier ist Bischof Benno gegangen“.
Aus dem Aufstand der sächsischen Fürsten gegen Heinrich IV. 1073 hielt sich Benno heraus und verweigerte dem Kaiser damit seine Unterstützung. Deswegen ließ ihn Heinrich IV 1075 gefangen nehmen. Der Zeitgenosse Bennos Lambert von Hersfeld berichtet: „Übrigens war er (Benno) ein Mann von kirchlicher Armut. Er besaß nichts oder nur wenig von kriegerischem Pomp. Versprechungen hätte er allenfalls machen können gegen den Staat, aber nicht Waffen tragen. So war es für beide Parteien ohne Bedeutung, ob er ihr Freund war oder ihr Feind."

Das Entscheidende bei diesem geringschätzigen Urteil ist, dass Benno als ein Mann der Idee der „kirchlichen Armut“ bezeichnet wird. Darunter muss verstanden werden, dass er nicht nur für seine Person, sondern für die Kirche überhaupt ablehnte, Waffen zu tragen und sich an kriegerischen Auseinandersetzungen zu beteiligen. Er war ein Mann des Friedens und sah seine Aufgabe in friedlicher missionarischer Tätigkeit.

Der Ort der Gefangenschaft Bennos ist nicht überliefert. Bei einer Synode in Mainz 1076, zu der der König auch die gefangenen Bischöfe einlud, floh Benno und kehrte in sein Bistum zurück.

1085 trafen sich die Vertreter der kaiserlichen und päpstlichen Parteien in Gerstungen, um die Spaltung des Reiches und der Kirche und des langwährenden Bürgerkrieges zu beenden. Die Versuche scheiterten. Bischof Benno wurde als Bischof von Meißen vom König abgesetzt und an seiner Stelle ein gewisser Felix zum Bischof von Meißen bestimmt. Benno verließ Meißen und reiste nach Rom zum damaligen Gegenpapst Clemens III.

Mit seiner Flucht von Meißen ist die Legende vom Fisch und Schlüssel verbunden:

Vor seinem Weggang von Meißen habe Benno den Schlüssel zum Dom in die Elbe geworfen, damit der vom König ernannte Gegenbischof Felix nicht in den Dom gelangen konnte. Als er im Jahr darauf zurückkam, fand man den Schlüssel im Maul eines Fisches wieder.

Dazu berichtet Lambert von Hersfeld: „Von allen diesen Bischöfen, die gebannt oder abgesetzt worden waren, ist nur einer, nämlich Bischof Benno von Meißen zum Apostolischen Stuhl gekommen, um für seinen Irrtum Vergebung zu erbitten. ...
Papst Clemens empfing den Büßer gnädig und behandelte ihn ehrenvoll. Bei seinem Weggang sandte er ihn mit Briefen zum Kaiser. Dieser nahm ihn, der sich mit dem Papst ausgesöhnt hatte, bereitwillig auf und ließ ihn frei auf seinen Bischofsstuhl zurückkehren.“

Der Kirchenhistoriker Walter Schlesinger urteilt über das Verhalten Bennos: „Auch wenn Benno die theoretische Überzeugung der Sache des Friedens zum Opfer gebracht hätte, entbehrte sein Verhalten doch nicht der inneren Größe, denn nur im Frieden war eine geistliche Arbeit zum Heil der ihm anvertrauten Seelen möglich...“

Der Landeshistoriker Rudolf Kötzschke urteilt: „Bischof Benno ist eine den politischen Kampf abgeneigte Natur. Er ist vor allem darauf bedacht, in friedlicher Arbeit für seine Diözese zu wirken.“

Aus dem letzten Jahrzehnt seines Lebens sind keinerlei Nachrichten erhalten. Benno starb nach der Überlieferung am 16. Juni 1106. Er wurde im Meißner Dom bestattet.

Beim Neubau des Domes ließ Bischof Withego I. (1266 – 1293) das Grab öffnen und bestattete die Gebeine Bennos in einer in der Mitte der Kirche erbauten Tumba. Dadurch wurde die Verehrung Bennos sehr gefördert.

1498 begannen die Bemühungen um seine Heiligsprechung. Am 31. Mai 1523 wurde er durch Papst Hadrian heilig gesprochen. Die Erhebung der Reliquien fand in Meißen am 16. Juni 1524 statt. 1539 kamen die Reliquien auf die bischöfliche Burg in Stolpen, dann in den Wurzener Dom und 1576 nach Bayern, wo sie in der Frauenkirche von München beigesetzt wurden.

Das Bistum Dresden-Meißen ehrt Benno als seinen ersten Diözesanpatron.
In der Kathedrale in Dresden ist eine Eckkapelle St. Benno geweiht.

Die Pfarrkirchen in Bischofswerda, Geithain, Meißen und Ostro haben Benno als Patron, das gleiche gilt von der Kapelle der Maria-Montesorri-Schule in Bautzen. Seinen Namen trägt das katholische Gymnasium in Dresden, die Bildungsstätte des Bistums das Bischof-Benno-Haus in Schmochtitz bei Bautzen, der Verlag in Leipzig, die katholische Buchhandlung in Dresden und das katholische Altenpflegeheim in Meißen.

Dr. Siegfried Seifert (1936-2013)



RSS-Feed | Newsletter | Sitemap | Impressum | Datenschutz