Erklärung des Bistums Dresden-Meißen zu den Entwicklungen im Kloster Wechselburg 

Kloster Wechselburg

Wechselburg/Ettal/Dresden, 02.03.2010 (KPI): Mit sofortiger Wirkung hat der Abt des bayerischen Benediktinerklosters Ettal, Barnabas Bögle, am Mittwoch, 24. Februar, drei Benediktinerpatres des sächsischen Klosters Wechselburg von ihren Aufgaben entpflichtet. Gegen die drei Ordensmänner lägen Missbrauchsvorwürfe aus ihrer Tätigkeit an Schule bzw. Internat des Klosters Ettal vor. Abt Barnabas Bögle hatte den Generalvikar des Bistums Dresden-Meißen, Michael Bautz, am 24. Februar über die Abberufung der Ordensleute informiert. Aus ihrer Tätigkeit im Bistum Dresden-Meißen liegen bislang keine Vorwürfe oder Verdachtsmomente gegen die beschuldigten Patres vor.

Abt Barnabas Bögle aus Ettal ist am 24. Februar ebenfalls von seinem Amt zurückgetreten. Er übernahm damit die Verantwortung dafür, dass im Zusammenhang mit den möglichen Missbrauchsfällen gegen die bischöflichen „Leitlinien zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche" aus dem Jahr 2002 verstoßen wurde. Diese Leitlinien sehen unabhängig vom tatsächlichen Vorkommen eines Missbrauchsfalls eine Meldepflicht möglicher Verdachtsfälle an den Bischöflichen Beauftragten vor. Dieser Meldepflicht war das Kloster Ettal nicht nachgekommen.

Das Kloster Wechselburg wurde 1993 von den Ettaler Benediktinern wiederbegründet. Die in Wechselburg tätigen Patres wechselten aus ihrem bayerischen Mutterkloster nach Sachsen. Sie sind der Abtei Ettal zugeordnet. Dem Bistum Dresden-Meißen und seinem Bischof Joachim Reinelt waren bis zum 24. Februar 2010 keine Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Wechselburger Benediktinerpatres bekannt. Zuletzt gehörten dem Wechselburger Konvent sechs Benediktinermönche an. Ein Benediktinerbruder ist unmittelbar in Sachsen in den Konvent eingetreten.

Die suspendierten Patres waren in den Jahren 1990, 1993 und 2005 ins Bistum Dresden-Meißen gekommen. Sie waren unter anderem in der Pfarrseelsorge in Bautzen, Wechselburg und Flöha, in der Wallfahrtsseelsorge sowie als Leiter der Jugend- und Familienbildungsstätte des Klosters Wechselburg eingesetzt.

Nach Kenntnis der Vorwürfe gegen die drei Benediktinerpatres hat Generalvikar Bautz zum Pfarradministrator der Pfarrei St. Theresia in Flöha den Chemnitzer Dekan Roman Neumüll ernannt. Zum Pfarradministrator der Pfarrei Heilig Kreuz in Wechselburg wurde Benediktinerpater Ansgar Orgaß berufen. Die betroffenen Pfarreien wurden am vergangenen Wochenende über die Entwicklungen unterrichtet.

Auch im Bistum Dresden-Meißen ist ein Beauftragter für Hilfesuchende in Fällen sexuellen Missbrauchs benannt. Die Kontaktdaten von Prälat Armin Bernhard sind auf der Homepage des Bistums Dresden-Meißen unter dem Stichwort „Beratung" veröffentlicht.

Das aus dem 12. Jahrhundert stammende Kloster Wechselburg war zunächst ein Augustiner-Chorherren-Stift. Nach etwa hundert Jahren übernahm es der Deutsche Orden. In der Reformationszeit wurde es aufgehoben. 1993 von Ettaler Benediktinern wiederbegründet.

Als Orden sind die Benediktiner exemt, das heißt, sie unterstehen nicht der Jurisdiktionsgewalt des Bischofs. Für Anfragen an den Benediktinerorden in den Fällen von Kloster Ettal und Wechselburg: Telefon 08822 / 74599, www.kloster-ettal.de.


Erklärung von Bischof Joachim Reinelt:

„Ich bin von den Vorwürfen gegen die drei Wechselburger Benediktiner sehr betroffen. Die Anschuldigungen gegen diese Ordensmänner waren mir bis zum 24. Februar 2010 nicht bekannt. Wir unterstützen nachdrücklich die Entscheidung der Abtei Ettal, die Beschuldigten zur Klärung der Vorwürfe aus dem Dienst zu entfernen.

Das Kloster Wechselburg besitzt für unser Bistum als geistliches Zentrum eine hohe Bedeutung. Umso schwerer treffen uns Vorwürfe, die gegen drei Patres des dortigen Konvents erhoben werden. Ich selbst hatte die Ordensmänner stets als vorbildliche und engagierte Seelsorger erlebt und kann aus eigenem Erleben keine Kritik an den betroffenen Patres erheben. Aus unserem Bistum liegen bis heute keine Anschuldigungen gegen Wechselburger Benediktiner vor.

Als Orden sind die Benediktiner eigenständig. Zum Stand der Ermittlungen, die derzeit sehr engagiert mit Unterstützung des Erzbistums München-Freising in Ettal durchgeführt werden, können im Augenblick allenfalls von den Verantwortlichen vor Ort Aussagen getroffen werden. Ich werde aber über die aktuellen Entwicklungen genaue Informationen einfordern. Im Bereich unseres Bistums werden wir Anhaltspunkten auf mögliche Verdachtsfälle gründlich nachgehen."



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